Trauer um ehemaligen Verteidigungsminister Georg Leber im Alter von 91 Jahren gestorben

Der ehemalige Verteidigungsminister Georg Leber stirbt nach langer Krankheit. Wegen seiner Reformen gilt Leber in Bundeswehrkreisen bis heute als außerordentlich beliebt. 1978 war der SPD-Politiker über eine Stasi-Spitzelaffäre gestolpert.

Bis heute gilt Georg Leber in Bundeswehrkreisen als einer der beliebtesten Verteidigungsminister. Am Dienstag ist der ehemalige SPD-Politiker im Alter von 91 Jahren gestorben. Das teilte die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) mit, deren Vorgängerorganisation IG Bau-Steine-Erden (IG BSE) Leber einst geleitet hatte.

Den Angaben zufolge starb Leber nach langer Krankheit. SPD-Chef Sigmar Gabriel würdigte Leber als "herausragenden Sozialdemokraten und bedeutenden Gewerkschafter". Er habe die deutsche Politik über viele Jahre geprägt. "Er hat stets das Allgemeinwohl und nicht persönliche Befindlichkeiten ins Zentrum seiner Arbeit gestellt", erklärte Gabriel. Leber gehöre zu den "ganz großen politischen Persönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte".

Leber, der Zeit seines Lebens von Freunden und Parteikollegen Schorsch genannt wurde, war von 1957 bis 1983 Mitglied des Deutschen Bundestags gewesen. Er bekleidete in den Kabinetten von Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt und Helmut Schmidt von 1966 bis 1978 mehrere Ministerposten. Populär wurde Leber vor allem von 1972 an in seiner Zeit als Bundesverteidigungsminister, in der sich redlich den Ruf des "Soldatenvaters" erwarb. Mit ihm traten erstmals Frauen in die Bundeswehr ein, wenn auch nur im Sanitätsdienst. Er ließ die Ausrüstung modernisieren, verbesserte die Ausbildung, gründete die Bundeswehruniversitäten und erhöhte den Verteidigungsetat.

1978 räumte er seinen Posten freiwillig, hätte nach heutiger Ansicht aber wohl nicht zurücktreten müssen. Leber hatte im Zuge des "Spionagefalls Lutze" um die Vorzimmer-Dame Renate Lutze angeblich Informationen vorenthalten. So wurde damals öffentlich bekannt, dass der Militärische Abschirmdienst (MAD) Lebers Sekretärin Hildegard Holz bereits 1974 abgehört hatte - angeblich, weil sie für die Staatssicherheit der DDR gearbeitet habe, was sich allerdings als falsch herausstellen sollte. Leber übernahm die politische Verantwortung dafür und trat am 16. Februar 1978 gegen den Rat der übrigen Kabinettsmitglieder zurück. Im Verteidigungsministerium sind bis heute Lebers Abschiedsworte an seinen Nachfolger Hans Apel überliefert: "Im Haus ist alles bestellt. Du musst nur noch bezahlen."

Der gebürtige Hesse hatte vor dem Weltkrieg eine kaufmännische Ausbildung absolviert, arbeitete nach 1945 aber als Mauer. 1947 trat er der SPD bei, zwei Jahre später wurde er Funktionär der Baugewerkschaft. Leber war ein zutiefst gläubiger, bodenständiger Pragmatiker und erklärter Vertreter einer sozial orientierten Marktwirtschaft. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) erklärte, Leber sei "im besten Sinne ein Sozialdemokrat alter Schule" gewesen. Er sei ihm auch "über lange Zeit ein verlässlicher und fast väterlicher Ratgeber" gewesen. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sagte, sein SPD-Vorgänger habe "einen großen Dienst für unser Land und für die Bundeswehr geleistet".

In seiner Zeit als Verteidigungsminister hatte es Leber mit einer durch die Vergangenheit noch ziemlich belasteten Bundeswehr zu tun. Er geriet im Herbst 1976 in eine Autoritätskrise, weil er zwei Luftwaffengeneräle kurzerhand entlassen hatte. Die hatten - entgegen einer Weisung - den als Alt-Nazi bekannten ehemaligen Fliegeroberst Hans-Ulrich Rudel an einem Luftwaffentraditionstreffen teilnehmen lassen. Später rechtfertigten sie das Vorgehen damit, dass mit Herbert Wehner für die SPD schließlich auch ein ehemaliger Kommunist im Bundestag saß.