Eine Umfrage bringt es an den Tag: Die Amerikaner sehen die Deutschen wieder erstaunlich positiv. Nur drei Prozent mögen die Leute aus dem kleinen Land, da irgendwo in Europa, ganz und gar nicht. Doch ein paar andere Zahlen irritieren.
Der Zeitpunkt ist purer Zufall. Aber die gute Nachricht aus Amerika dürfte für die transatlantische Diplomatie gerade recht kommen, nachdem das erste Zusammentreffen Angela Merkels mit Außenministerin Condoleezza Rice trotz aller guten Vorsätze viel wechselseitiges Unverständnis hervorgerufen hat. So viel anders wäre die Begegnung wohl auch nicht mit dem Vorgänger im Kanzleramt verlaufen.
Bayerischer Hut mit US-Fähnchen (© Foto: dpa)
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Zum fünften Mal in vier Jahren hat die deutsche Botschaft die US-Bürger nun schon befragen lassen. Und dieses Mal, so das Ergebnis der neuen Meinungsumfrage, schnitt Deutschland besonders gut ab. 43 Prozent aller Amerikaner haben einen positiven Eindruck von dem aus US-Sicht kleinen Land da irgendwo im alten Europa, weitere 46 Prozent zumindest keinen schlechten.
Alles weitgehend in Ordnung
Nur acht Prozent halten nicht wirklich viel von den Deutschen, und drei Prozent mögen Deutschland ganz und gar nicht. Der Trend setzt sich auch in der Bewertung der deutsch-amerikanischen Beziehungen fort: 84 Prozent halten sie für in Ordnung oder besser. Das war nur einmal mehr, im September 2001 unmittelbar nach den Terroranschlägen und der Sympathiewelle für die USA gerade auch in Deutschland.
Zumindest in der Wahrnehmung der Amerikaner ist zwischen ihrem Land und Deutschland alles weitgehend in Ordnung. 46 Prozent halten Deutschland für einen ihrer wichtigsten Verbündeten (vier Prozent mehr als im Vorjahr). Genauso viele sehen Deutschland als wichtigen Handelspartner und Investitionsstandort, 43 Prozent halten Deutschland für einen bedeutenden Investor in den USA.
Wieder irgendwie wichtigster Partner in der Welt
Nach dem treuen Verbündeten Großbritannien, dem Nachbarn Kanada und der Wirtschaftsmacht Japan schätzen die Amerikaner inzwischen Deutschland als wichtigsten Partner in der Welt ein. Das war vor einem Jahr noch anders, als Deutschland Mexiko und Australien den Vortritt lassen musste.
Doch ein paar Zahlen irritieren. Nur ein Viertel der Amerikaner glaubt, dass Deutschland immun gegen politischen Extremismus ist. Ganze 37 Prozent finden, dass Deutschland genügend Verantwortung für den Holocaust übernommen hat. Und deutlich mehr als die Hälfte der Amerikaner hat den Eindruck, dass Deutschland mehr im Kampf gegen den Terror tun könnte. Nur 19 Prozent meinen, dass die Deutschen bei der Befriedung Afghanistans eine wichtige Rolle spielen, obwohl Deutschland dort in der Internationalen Schutztruppe die meisten Soldaten stellt.
Da sei man der amerikanischen Öffentlichkeit gegenüber vielleicht noch in der "Informationspflicht", gesteht Berlins Botschafter in Washington, Wolfgang Ischinger, zu. Ansonsten aber sieht er die Zahlen als "gute Ausgangsbasis für die neue Koalition, um die transatlantischen Beziehungen zu pflegen". Er könne sich nur wünschen, dass die US-Botschaft in Berlin Ähnliches über das Amerikabild der Deutschen zu vermelden hätte. Er fürchte nur, "dass es da einen erheblich größeren Korrekturbedarf gibt".
(SZ vom 9./10. 12 .2005)