Das Parlament hat die Entsendung von Tornado-Jets nach Afghanistan beschlossen - auch wenn mit 69 SPD- und fünf Unionspolitiker überraschend viele aus den Regierungsparteien dagegen stimmten. Die Flugzeuge sollen in der Krisenregion zu Aufklärungszwecken eingesetzt werden. Zwei Unionspolitiker wollen dies verhindern - und reichen umgehend eine Verfassungsklage ein.

Die Unionsabgeordneten Willy Wimmer (CDU) und Peter Gauweiler (CSU) haben beim Bundesverfassungsgericht Klage gegen den geplanten Tornado-Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan eingereicht.

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Ein Antrag auf einstweilige Anordnung sei dem Gericht bereits zugeleitet worden, teilten Wimmer (CDU) und Gauweiler (CSU) nach der entsprechenden Abstimmung im Bundestag mit. Sie soll bewirken, dass die Maschinen bis zur Entscheidung in der Hauptsache am Boden bleiben. Bislang ist geplant, dass die Tornados Anfang April verlegt werden und die Vorbereitungen dafür in der kommenden Woche anlaufen.

Mit der geplanten Lieferung von Bildern von Taliban-Stellungen für Angriffe der im Süden Afghanistans kämpfenden Internationalen Schutztruppe ISAF bestehe die Gefahr, dass Deutschland "in die völkerrechtswidrige Kriegführung der Vereinigten Staaten in Afghanistan verstrickt wird", erklärten Wimmer und Gauweiler.

Mit ihrer Klage gegen Bundestag und Bundesregierung wollen die beiden Abgeordneten zeigen, dass der Tornado-Beschluss zu einer "stillschweigenden Änderung des NATO-Vertrages" führe, die mit dem Völkerrecht und dem Grundgesetz unvereinbar und durch das deutsche Zustimmungsgesetz zum NATO-Vertrag von 1956 nicht gedeckt sei.

405 Ja-Stimmen, 157 Nein-Stimmen

Zuvor hatte das Parlament mit großer Mehrheit der Entsendung von Tornado-Flugzeugen nach Afghanistan zugestimmt: 405 von 573 Abgeordneten votierten dafür, 157 dagegen, elf enthielten sich der Stimme.

Die 157 Nein-Stimmen bedeuten die größte Ablehnung eines Auslandseinsatzes der Bundeswehr in dieser Legislaturperiode. Nach Information der SZ stimmten bei zwei Enthaltungen 69 SPD-Parlamentarier gegen die Entsendung, bei der Union gaben fünf Abgeordnete bei drei Enthaltungen ihre Nein-Stimme ab.

Sechs bis acht Maschinen vom Typ "Recce" sollen mit 500 weiteren Soldaten in der Krisenregion zu Aufklärungszwecken eingesetzt werden. Ungeachtet der Klage gegen den Bundestagsbeschluss laufen die Vorbereitungen für die Verlegung der Maschinen an. "Wir haben eine deutliche Bundestagsentscheidung und fühlen uns bestärkt in unserer Auffassung", sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Thomas Raabe, in Berlin.

Die Bundeswehr ist zurzeit mit mehr als 2.900 Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Deutschland ist damit der drittgrößte Truppensteller im Rahmen der ISAF-Mission zur militärischen Absicherung des Wiederaufbaus in Afghanistan.

Die Bundeswehr trägt die Verantwortung für den gesamten Norden des Landes. Mit der Entsendung der Tornados und etwa 500 weiteren Soldaten kommt die Bundesregierung einer Bitte der NATO nach. Die Debatte im Bundestag wurde durch den Tod des deutschen Entwicklungshelfers Dieter Rübling in Afghanistan überschattet.

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(AFP/AP/dpa)