Kompetent und geistreich versuchte Tony Snow, die Politik von US-Präsident Bush zu vermitteln - bis er im vergangenen Jahr als US-Regierungssprecher zurücktrat. Nun ist der 53-Jährige nach längerer Krankheit gestorben.

"Denkt nicht über den Tod nach. Denkt an das Leben," hat der ehemalige US-Regierungssprecher Tony Snow einmal gesagt - und diesen Satz bis zuletzt vorgelebt. Dem gelernten Journalisten, der seit 2005 an Darmkrebs litt, lag viel daran, anderen Krebspatienten im Kampf mit ihrer Krankheit Mut zu machen. An diesem Samstag erlag der 53-Jährige seiner schweren Krankheit. Snows ehemaliger Dienstherr George W. Bush war einer der ersten, die seine Arbeit würdigten.

Tony Snow; AP

"Wir alle hier im Weißen Haus werden Tony vermissen", sagte US-Präsident George W. Bush zum Tode seines früheren Sprechers Tony Snow (Foto). (© Foto: AP)

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Das Land habe einen "hingebungsvollen Staatsdiener und Mann von Charakter" verloren, hieß es in einer Mitteilung Bushs. "Er brachte für seine Arbeit Witz, Charme und eine große Vaterlandsliebe mit." Snows Kollegen würden "seine tatkräftige Persönlichkeit und seinen unerbittlich guten Humor" in Erinnerung behalten.

Snow hatte erst im September vorigen Jahres den Posten des Sprechers von Präsident George W. Bush nach 16 Monaten aufgegeben. Damals hieß es, er wolle aus rein finanziellen Gründen nicht bis zum Ende von Bushs Amtszeit im Januar 2009 im Weißen Haus bleiben. "Ich habe kein Geld mehr", hatte er als Begründung gesagt, als er seinen 168.000-Dollar-Job im Weißen Haus aufgab.

Witz, Charme und Vaterlandsliebe

Seine Nachfolgerin, Dana Perino, sagte, sie sei am frühen Samstagmorgen von Snows Familie über den Tod ihres Vorgängers informiert worden. Präsident Bush wurde von seinem Stabschef, Joshua B. Bolton, benachrichtigt. "Wir alle hier im Weißen Haus werden Tony vermissen, genau wie auch Millionen von Amerikanern, die er mit seinem tapferen Kampf gegen den Krebs ermutigt hat", so Bush in Washington.

Der dreifache Familienvater war bereits 2005 wegen Darmkrebs behandelt worden und hatte zunächst geglaubt, die Krankheit besiegt zu haben. Im März 2007 erfuhr er aber, dass er erneut erkrankt sei. Daraufhin ließ er seine Arbeit für mehrere Wochen ruhen.

Mit seinem extravaganten und offenen Stil wandelte Snow das Amt des Präsidentensprechers in eine unterhaltsame Ein-Mann-Show, in der er bisweilen auch offen zugab, keine Antwort für die Presse parat zu haben. Nicht nur einmal musste sich Snow öffentlich entschuldigen und nicht nur einmal äußerte sich der ehemalige Journalist auch kritisch zu Bushs Politik.

Von den US-Medien wurde Snow bald zum "kritischen Loyalisten" gekürt. Er scheute sich auch nicht, seine Bekanntheit während der Wahlkampagne von 2006 zu nutzen, um für die Kandidaten der Republikaner Spenden zu sammeln - eine Tätigkeit, die andere Pressesprecher vermieden, aus Furcht, zu parteiisch zu wirken. "Tony Snow brach aus den bisherigen Formen aus - er war ein völlig anderer Schlag von Pressesprecher", sagte Ann Compton von ABC News, die bislang über sechs US-Präsidenten berichtete. "In manchen Angelegenheiten gab er seine eigene Meinung preis und man musste ihn anschließend fragen: 'Warte Tony, ich habe gefragt, was der Präsident dazu sagt'".

Für die amtierende Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, war ihr kompetenter und geistreicher Vorgänger Inspiration und Vorbild zugleich: "Wir haben viel von ihm gelernt - besonders, wie wir unsere Familien lieben und miteinander umgehen sollen". "Das Weiße Haus hat einen engen Freund verloren".

Robert Anthony Snow wurde am 1. Juni 1955 in Berea im US-Bundesstaat Kentucky geboren und wuchs in Cincinnati auf. Nach dem College-Abschluss in North Carolina 1977 arbeitete er zunächst für kleinere Tageszeitungen bis er schließlich zur Washington Times wechselte.

1991 ließ er bereits seine Journalistenkarriere ruhen, um für US-Präsident George Bush senior Reden zu verfassen. Während der Clinton-Ära wandte er sich wieder dem Schreiben zu und war als Kolumnist für die Detroit News und die USA Today tätig. Bevor er ins Weiße Haus wechselte, moderierte er von 1996 bis 2003 die Fernsehnachrichten "Fox News Sunday".

Tony Snow hinterlässt seine Frau Jill und die drei Kinder Kendall, Robbie und Kristi.

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(sueddeutsche.de/AFP/dpa/cag)