Tödlicher Zwischenfall während Waffenruhe Israelische Armee erschießt Palästinenser

Tödlicher Zwischenfall am Grenzzaun zum Gazastreifen: Ein 21-jähriger Palästinenser ist während einer Protestaktion von der israelischen Armee erschossen worden. Das berichten Augenzeugen und die palästinensische Gesundheitsbehörde. Das israelische Militär räumt lediglich ein, Warnschüsse abgegeben zu haben.

Am zweiten Tag der Waffenruhe zwischen Israel und den Palästinensern haben israelische Soldaten am Grenzzaun des Gazastreifens nach Angaben aus der Stadt Gaza einen Menschen erschossen. Weitere 24 Palästinenser seien am Freitag durch israelisches Feuer verletzt worden, teilte der Sprecher des Gesundheitsministeriums der Mittelmeer-Enklave, Aschraf al-Kedra, mit.

Der arabische Fernsehsender al-Dschasira meldete auf seiner Website unter Berufung auf einen Augenzeugen - offenbar ein Verwandter des Getöteten - der 21-Jährige habe eine Flagge der radikalislamischen Hamas an dem Grenzzaun befestigen wollen. Ein Soldat der israelischen Armee habe dreimal in die Luft gefeuert, bevor den jungen Mann eine Kugel in den Kopf getroffen habe.

Die Nachrichtenagentur dapd berichtet unter Berufung auf palästinensische Angaben, dass der Getötete sich gemeinsam mit anderen Palästinensern dem Grenzzaun genähert habe, um dort Teile eines beschädigten israelischen Militärfahrzeugs einzusammeln.

Die im Gazastreifen herrschende Hamas warf Israel eine Verletzung der seit Mittwochabend geltenden Waffenruhe vor. Sie werde Ägypten als Garanten der Waffenruhe bitten, bei der israelischen Regierung zu intervenieren.

Den ersten Zwischenfall seit Beginn der Waffenruhe stellten beide Seiten unterschiedlich dar. Augenzeugen im Gazastreifen sagten, am Morgen seien zunächst fünf Bauern östlich der Stadt Chan Junis auf ihren Feldern in der Nähe des Grenzzaunes von israelischen Soldaten angeschossen worden. Daraufhin habe es eine spontane Demonstrationen von Bewohnern zweier nahe gelegener Dörfer gegeben.

Israels Armee bestätigt Warnschüsse

Die israelischen Streitkräfte bestätigten, dass Warnschüsse auf Demonstranten am Grenzzaun abgegeben worden seien. Schon seit dem Vorabend habe es Unruhen in der Nähe des schwerbewachten Zaunes gegeben. Palästinenser seien durch die 300 Meter breite Speerzone westlich des Zaunes bis an die Sperranlage selbst vorgedrungen. Mindestens ein Mann sei hinübergeklettert und kurzfristig auf israelisches Gebiet gelangt. Einige hätten Löcher in die Absperrung geschnitten. Die Armee habe keine Informationen, ob es Tote oder Verletzte bei den Unruhen auf der Gaza-Seite des Zaunes gegeben habe.

Bis auf fünf Raketen in der ersten Stunde nach Inkrafttreten der Waffenruhe sei es der erste Zwischenfall, bestätigte ein Militärsprecher der Nachrichtenagentur dpa. Auch nach Angaben eines dpa-Reporters im Gazastreifen gab es bis auf den Grenzzwischenfall keinerlei Verletzungen der Waffenruhe.

Die seit Mittwoch 20 Uhr geltende Waffenruhe hatte achttätige heftige Kämpfe zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen beendet. Bei den Kämpfen waren 164 Palästinenser und sechs Israelis getötet worden. Auf palästinensischer Seite wurden nach eigenen Angaben 1225 Menschen verletzt, in Israel mehr als 100. Insgesamt wurden mehr als 1500 Raketen auf Israel abgefeuert; Israels Luftwaffe griff etwa 1500 Ziele im Gazastreifen an und zerstörte Waffen und wichtige Einrichtungen der Hamas.