Tödlicher Drogenkrieg Mexikos Regierung verkündet sinkende Mordrate

Seit 2006 haben Auseinandersetzungen zwischen Dorgenkartellen und Sicherheitskräften in Mexiko 70.000 Menschen das Leben gekostet.

(Foto: Jerome Sessini/Oeil Public/laif)

Echte Besserung oder Polit-PR? Die mexikanische Regierung erklärt, dass unter dem dem neuen Präsidenten Peña Nieto die Zahl der Toten im Drogenkrieg gesunken sei. Doch die Statistik ist nicht unumstritten - und schon am Tag der Erfolgsmeldung sterben 14 Menschen bei Schießereien zwischen Polizei und Kartellen.

Vier Monate ist der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto erst im Amt, nun lässt er bereits einen ersten großen Erfolg im Drogenkrieg verkünden. Das Innenministerium teilte mit, dass die Zahl der Morde in Verbindung mit dem organisierten Verbrechen von Dezember 2012 bis März 2013 deutlich zurückgegangen sei. Im März starben landesweit 4.249 Menschen im Drogenkrieg, ein Jahr zuvor waren es noch 5.127. Dies entspricht einem Rückgang von 17,1 Prozent.

Mexiko wird seit Jahren von blutigen Fehden zwischen rivalisierenden Drogenkartellen und tödlichen Konflikten zwischen Kriminellen und der Bundespolizei geplagt. Die Sicherheitslage im Land hätte sich der neuen Zahlen zufolge also leicht verbessert.

Kritik an Mexikos Regierung

Sorgt also die neue Regierung bereits für mehr Sicherheit im Land? Die Los Angeles Times widerspricht dieser Interpretation: Das Innenministerium behaupte, die Mordrate im Februar sei die niedrigste seit 40 Monaten. Die von ihr angegebenen 914 Toten seien aber fünf Prozent weniger als Zeitungen in Schätzungen angeben. Auch werde nicht berücksichtig, dass für Februar weniger Tage als für die restlichen Monate des Jahres beim Vergleich berechnet werden müssten.

Die Zeitung verweist auch auf La Reforma. Das mexikanisches Tageblatt hatte berichtet, dass für die ersten 100 Tage von Peña Nietos Regentschaft eine höhere Mordrate als für die letzten 100 Tage derer von Vorgänger Felipe Calderon gemessen worden sei.

Dass die Drogenmorde generell zurückgingen, legen allerdings einige andere Statistiken nahe. So berichtete das US-amerikanische Radionetzwerk Fronteras, dass Forscher vom Trans-Border Institute der Universität San Diego für 2012 eine Anzahl von 20.000 bis 25.000 Morden in Mexiko berechneten. Im Vorjahresbericht wären es mit 27.000 etwas mehr gewesen. Zwischen 45 und 60 Prozent der Morde 2012 hätten direkt mit dem anhaltenden Drogenkonflikt zu tun gehabt.

Genaue Zahlen seien dabei allerdings schwer zu ermitteln, so die Forscher: Die neue Regierung befürchte, dass genauere Informationen in der Bevölkerung die Angst verstärkten - und hätten deshalb lange Zeit keine Statistiken veröffentlicht. "Sie möchten die öffentliche Furcht verringern, indem sie die Menschen im Dunkeln lassen", erklärte Direktor David Shirk.

Mexikos Innenminister Miguel Angel Osorio Chong versuchte bei der Präsentation, keine allzu großen Hoffnungen zu wecken. "Das ist nur eine Tendenz. Es ist zu früh, um zu triumphieren." Es müsse weiter hart gearbeitet werden. Im untersuchten Zeitraum seien zum Beispiel mehr Sicherheitskräfte getötet worden als im Vorjahr.

Beständig neue Opfer im Drogenkrieg

Tödliche Schusswechsel noch am Tag der Präsentation Osorio Chongs verdeutlichen, dass Zurückhaltung gerechtfertigt ist. 14 Menschen starben am Mittwoch bei mehreren Aufeinandertreffen von Kartellmitgliedern mit der Polizei im westlichen Bundesstaat Michoacan. Bei dem Vorfall wurde auch auf Zivilisten geschossen, so The Guardian.

Ein Blick in die junge Vergangenheit zeigt ebenfalls, dass Optimismus nicht angebracht ist: Die Mordrate fiel zunächst auch unter Peña Nietos Vorgänger Calderon - nur um später sprunghaft anzusteigen. Calderon war gegen die Drogenkartelle mit dem Militär vorgegangen.

Peña Nieto hat wie sein Amtsvorgänger versprochen, die Gewalt in Mexiko einzudämmen. Er will sich vor allem darauf konzentrieren, Morde, Entführungen und Erpressung zu bekämpfen. Gleichzeitig ist er nicht bereit, mit ihnen den Kartellen einen Waffenstillstand zu verhandeln. Der Drogenkrieg bleibt Mexiko erhalten. Die Zahl der Toten seit 2006 liegt aktuell bei rund 70.000.

Gewalteinsätze stehen in der Kritik

Ob es sinnvoll, gegen Drogenkriminalität mit Gewalt vorzugehen, wird in Mexiko mittlerweile vermehrt diskutiert. Zu Ende seiner Amtszeit hatte selbst Felipe Calderon laut über staatlich gelenkte Marktmechanismen als Alternative nachgedacht. Diese sollten verhindern, dass Einnahmen aus dem Drogenverkauf als Schwarzgeld bei Kriminellen landen.

Update, 17. April: Ein Leser weist auf diesen lesenswerten Text zu den Zahlen und der Drogenkrieg-PR der mexikanischen Regierung hin.