Nach Vertuschungsvorwürfen gegen die Londoner Polizei im Fall des irrtümlich erschossenen Jean Charles de Menezes schickt die brasilianische Regierung zwei eigene Ermittler nachGroßbritannien. Der Polizeibeamte, der die Medien über die Ungereimtheiten informiert hatte, ist vom Dienst suspendiert worden.
Am kommenden Montag sollen die brasilianischen Ermittler einem Bericht des britischen Senders BBC zufolge nach London reisen und dort mit Mitarbeitern der Unabhängigen Beschwerdestelle der Polizei (IPCC) zusammentreffen.
Jean Charles de Menezes auf einem Foto mit Verwandten (© Foto: dpa)
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Brasilien erwarte eine "weit reichende Aufklärung" über die Erschießung von Jean Charles de Menezes am 22. Juli. Die Polizei hatte den 27 Jahre alten Elektriker irrtümlich für einen Selbstmordattentäter gehalten und erschossen.
Freunde und Familienmitglieder von Menezes haben für kommenden Montag zu einer Demonstration am Sitz des britischen Premierministers Tony Blair in der Downing Street aufgerufen. Genau vier Wochen nach dem Vorfall wollen sie gegen die angebliche "Vertuschung der Wahrheit" demonstrieren. Sie fordern den Rücktritt des Londoner Polizeichefs Ian Blair.
Polizeichef weist Vorwürfe zurück
Dieser hat sich unterdessen gegen Vertuschungsvorwürfe verteidigt. Er bestritt, dass er versucht habe, eine unabhängige Untersuchung zu der Erschießung des Brasilianers durch die Polizei zu verhindern. "Es gibt keine Vertuschung", sagte er der Londoner Abendzeitung Evening Standard.
Nach den Berichten über die Erschießung eines unschuldigen Brasilianers ist laut Angaben zwei Fernsehsender ein Mitarbeiter der Unabhängigen Beschwerdestelle der Londoner Polizei (IPCC) suspendiert worden.
Dies berichteten der britische Fernsehsender BBC und der TV-Sender Sky News. Der Informant soll den Sender ITV unterrichtet haben. BBC berief sich auf eine nicht näher genannte Quelle. Sky News zitierte seinen Polizeireporter.
Nach Angaben der Unabhängigen Beschwerdestelle der Polizei hatte sich Polizeichef Blair zunächst einer Untersuchung des Vorfalls widersetzt. Die Anwältin der Menezes-Angehörigen, Harriet Wistrich, bewertet dies als "bewusste Vertuschung". Ian Blair sagte dazu, unmittelbar nach der Erschießung von Menezes habe er wie die anderen Polizisten geglaubt, dass einer der gesuchten Terroristen getötet worden sei.
Deshalb habe für ihn die Spurensicherung zunächst absoluten Vorrang gehabt, da er sich davon Aufschlüsse auf die übrigen drei verhinderten Selbstmordattentäter erhofft habe. Vertuscht habe er gar nichts, sondern all seine Forderungen in Briefen an das Innenministerium und andere offizielle Stellen erhoben.
(dpa/AFP)
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