Tod eines argentinischen Staatsanwalts Obduktion deutet auf Suizid hin

  • Tausende Demonstranten ziehen am Abend in Argentinien auf die Straßen und fordern Aufklärung über den unerwarteten Tod von Staatsanwalt Alberto Nisman.
  • Nisman war am Sonntag tot aufgefunden worden. Die Obduktion deutet auf Suizid hin.
  • Der Staatsanwalt ermittelte im Fall eines Attentats auf ein jüdisches Gemeindehaus vor mehr als 20 Jahren. In diesem Zusammenhang erhob er gegen die Regierung von Cristina Fernández de Kirchner den Vorwurf der Verschleierung.
  • Kirchner sagte, Nismans Tod rufe "Bestürzung und Fragen" hervor.

Demonstranten fordern Aufklärung über Nismans Tod

Der Tod des argentinischen Staatsanwaltes Alberto Nisman bringt die Regierung des Landes unter Druck. Tausende Menschen gingen am Montagabend in Buenos Aires und anderen Städten des Landes auf die Straße, um eine Aufklärung des unerwarteten Todesfalls zu fordern.

Die Demonstranten trugen Plakate mit sich, auf denen - in Anlehnung an die Losung "Je suis Charlie" nach den Terroranschlägen in Frankreich - "Yo soy Nisman" (Ich bin Nisman) oder "Todos somos Nisman" (Wir sind alle Nisman) zu lesen war. Die Menschen versammelten sich unter anderem am Plaza de Mayo in Buenos Aires, wo einige Demonstranten versuchten, Absperrgitter zum Präsidentenpalast umzuwerfen. Die Polizei verstärkte daraufhin die Einsatzgruppen.

Obduktion: Kein Zeichen auf Fremdeinwirkung

Nach Angaben der Behörden stützen die Autopsie-Ergebnisse die These eines Suizids. Die Obduktion von Nismans Leiche habe keine Zeichen auf Fremdeinwirkung ergeben. Die ermittelnde Staatsanwältin Viviana Fein schloss nicht aus, dass Drohungen und Belästigungen Nisman in den Tod getrieben haben könnten. Es soll wegen möglicher Anstiftung zur Selbsttötung ermittelt werden. Ein Abschiedsbrief wurde Fein zufolge nicht gefunden.

Nisman war am Sonntagabend tot in seiner Wohnung in Buenos Aires aufgefunden worden. Er starb durch einen Kopfschuss aus einer Pistole mit dem Kaliber 22. Die Waffe und eine Patronenhülse wurde neben der Leiche entdeckt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war Nisman nicht der Besitzer der Pistole.

Nisman untersuchte die Hintergründe des Attentats auf das jüdische Gemeindehaus Amia, bei dem vor 21 Jahren in Buenos Aires 85 Menschen ums Leben kamen. Die Spuren führten dabei nach Iran. Vergangene Woche hatte der Staatsanwalt Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner und Außenminister Héctor Timerman vorgeworfen, sie wollten die Vorgänge um den Anschlag verschleiern - wegen der Wirtschaftsbeziehungen zu Teheran. Am Montag hatte Nisman Beweise für seine Anschuldigungen vorlegen wollen.

Kirchner reagiert auf Nismans Tod

Kirchner äußerte sich am Montagabend (Ortszeit) in einem langen, im Internet veröffentlichten Brief zu dem Fall. Das Schreiben trägt den Titel: "Amia. Abermals: Tragödie, Verwirrung, Lügen und Fragen". Kirchner fragte: "Was war es, das einen Menschen zu der furchtbaren Entscheidung gebracht hat, aus dem Leben zu scheiden?" Der Tod Nismans habe "Bestürzung und Fragen" ausgelöst.

Die Regierung gab am Montag Order an die Geheimdienste, Informationen zugänglich zu machen, die Nisman vor seinem Tod gefordert hatte. Dabei geht es auch um Namen von Agenten, die bei der Verschleierung mitgeholfen haben sollen.