Tod des saudischen Königs Pilgerfahrt ins Mittelalter

Der französische Präsident François Hollande wird vom Gouverneur der Provinz Riad, Turki bin Abdullah al-Saud, empfangen.

(Foto: AP)

Es ist gut, dass Staats- und Regierungschefs aus aller Welt zum Tod König Abdullahs kondolieren. Die regelrechte Pilgerschaft des Westens nach Riad grenzt jedoch an eine Selbstaufgabe der Demokraten.

Kommentar von Robert Roßmann

Es wirkt wie eine Pilgerfahrt. Der saudische König ist gestorben, und alle eilen nach Riad. Frankreichs Präsident und der britische Premier waren schon da, der US-Präsident will am Dienstag kommen. Der Westen verneigt sich vor dem toten Herrscher. Das ist prinzipiell nicht verwerflich. Zu kondolieren ist eine zivilisatorische Errungenschaft. Leider belassen es die Staats- und Regierungschefs aber nicht beim Kondolieren, sie machen einen Kotau.

In dem Land, das die Königsfamilie sich untertan gemacht hat, gelten Frauen nichts. Homosexuelle werden verfolgt, Blogger ausgepeitscht, Todesurteile öffentlich mit Säbeln vollstreckt. Es grenzt an eine Selbstaufgabe der Demokraten, wenn in London sogar die Fahnen am Parlament auf Halbmast gesetzt werden, weil König Abdullah gestorben ist.

Es ist absurd, wenn Merkel die "Klugheit" und "ausgewogene Politik" des Monarchen preist. Und es ist bezeichnend, dass Obama den Gedenkmarsch für die Opfer des islamistischen Terrors in Paris geschwänzt hat, jetzt aber zu den Mittelalter-Theokraten in Riad pilgert.

Deutschland hat lediglich Altbundespräsident Wulff entsandt. Doch wer darin offene Kritik an den Saudis vermutet, liegt falsch. Der Bundespräsident wollte wegen seines 75. Geburtstags nicht fliegen, die Kanzlerin ist krank, und ein Außenminister gilt in Riad weniger als ein Ex-Staatschef. Deshalb flog Wulff.