Sachsens Ministerpräsident Tillich war offenbar enger in das SED-Regime verstrickt, als er bislang zugeben wollte. Nur unter Druck räumte er nun den Besuch einer DDR-Kaderschmiede ein.
Noch vor wenigen Wochen konnte sich Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich nicht mehr recht daran erinnern, was er im Frühjahr 1989, zu Zeiten des DDR-Regimes, getan hatte. An diesem Wochenende ließ der CDU-Politiker nun eiligst seine biographischen Daten auf der offiziellen Webseite des Freistaates Sachsen ändern.
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Kämpft offenbar mit Erinnerungslücken: Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU). (© Foto: ddp)
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Der Landeschef will den Eindruck vermeiden, dass er über seine Vergangenheit etwas zu verheimlichen gehabt habe. Diesen Verdacht hatte der sächsische SPD-Abgeordnete Karl Nolle genährt.
In einer Broschüre, deren Rohschrift der Süddeutschen Zeitung vorliegt, wirft der Sozialdemokrat dem Ministerpräsidenten vor, stärker als bislang zugegeben ins einstige DDR-Regime eingebunden gewesen zu sein. Und schlimmer noch sei, dass er dies auf Nachfrage eines Bürgers nicht einmal eingeräumt habe.
"Das können Sie bei Wikipedia nachlesen"
Konkret geht es um den Besuch einer DDR-Eliteschule für Führungskräfte und Nachwuchskader. Wie der Abgeordnete Nolle herausgefunden hat, sollte Tillich im Januar 1989 einen dreimonatigen Lehrgang an der Akademie für Staats- und Rechtswissenschaften in Potsdam absolvieren, die nach dem einstigen SED-Generalsekretär den ehrenvollen Beinamen "Walter Ulbricht" trug.
Der Lehrgang diente als politische Vorbereitung für seine neue Tätigkeit im Rat des Kreises Kamenz. Dort trat Tillich Anfang Mai 1989 als Spitzenkandidat der Nationalen Front für die Kreistagswahl auf, Wochen später wurde er zum Stellvertreter des Vorsitzenden im Rat des Kreises bestimmt, zuständig für Handel und Versorgung.
"Alles bekannte Sachen", erklärte Sachsens Regierungssprecher Peter Zimmermann jetzt auf Nachfrage: "Das können Sie bei Wikipedia, im Personalienarchiv Munzinger und überall nachlesen." Freilich ist dort eher allgemein von Tillichs Tätigkeit im Rat des Kreises die Rede, nicht hingegen von der Kaderschulung in Potsdam.
"Daran", sagt Zimmermann, "konnte sich der Ministerpräsident nach so vielen Jahren einfach nicht mehr genau erinnern." Auch auf Nachfragen von Journalisten setzte Tillichs Erinnerung vorige Woche offenbar nicht ein - weshalb die Staatskanzlei seine Teilnahme an dem Lehrgang "weder abschließend bejahen noch verneinen" wollte.
Mittlerweile räumt Zimmermann ein, dass Tillich an dem Lehrgang teilgenommen hat. Nach einem "Jahresplan der sozialistischen Kaderarbeit" für 1989 sollte mit dem dreimonatigen Kursus "eine stabile Kaderreserve" für die "Nomenklatura" der Kreisverwaltung entwickelt werden - "es ging wohl um Marxismus-Leninismus", sagt Zimmermann.
Die häppchenweisen Eröffnungen über die Vergangenheit des Ministerpräsidenten passen nicht recht zu dem mustergültigen Eindruck, den der 49-Jährige bislang von sich zu zeichnen wusste. 1987 war der studierte Maschinenbauingenieur in die DDR-CDU eingetreten, die sich damals als "Partei des Sozialismus" verstand. In Interviews rechtfertigte Tillich sein CDU-Engagement als eine Art "Schritt in die Opposition zur SED".
(SZ vom 24.11.2008/gal)
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...was sie ja somit in der großen Koalition bereits macht! ;-)
Wie so oft sind es die unverbesserlichen "Christsozialen", die nur die Verfehlungen anderer sehen. Selbst werden keine Fehler gemacht!
Seit der Wende ist für mich die CDU der wahre Spalter der Gesellschaft und Verhinderer der "Vereinigung" nach der Wiedervereinigung.
Aus rein machtpolitischen Gründen holen diese schnell die "roten Socken" hervor und ohne mit der Wimper zu zucken werden politische Gegner difamiert.
Es dauert nicht mehr lange, dann holen die Saubermänner (und -frauen) der CDU ihre schwarzen Listen hervor. In guter Bush'scher Manier gibt es für manche Christsozialen auch nur jene, die für sie und jene, die gegen sie sind.
Es ist halt so leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen.
Aber bei allen Vorderungen gegenüber den Linken zur Aufarbeitung deren Vergangenheit, bleibt die eigene unaufgearbeitet.
Jetzt geht der Schuß wohl endlich mal nach hinten los. Das kommt davon, wenn man sein Wahlprogramm als Anti-Werbung gegen andere ansetzt und es wieder einmal unterlässt, wichtige Themen anzusprechen.
Liebes Tantchen, Du so recht! Hat nicht der verblichene FJS nicht Geschäfte mit dem Schalk getätigt? Einvernehmlich und stets zum Handaufhalten bereit! Allzeit bereit! Freundschaft!
Und nicht nur in Sachsen! ;-)
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: In Hessen wird in monatelanger Hetzkampagne die Spitzenkandidatin der SPD, Ypsilanti fertig gemacht, weil sie sich mit Hilfe von Die Linke - laut Hetzpropaganda die einzige Nachfolgerin der SED - zur Ministerpräsidentin wählen lassen will.
In Sachsen aber macht ein CDU - Ministerpräsiden einen auf Amnesie in Bezug auf seine Blockflötenvergangenheit, ohne dass einer von all den o.g. "Anständigen", auch nur ein "Pfui Deibel " von sich gibt-
Merkt es denn nicht langsam auch der letzte Bürger, was für eine unsägliche Schmonzette uns hier die Volksvertreter aus dem konservativen Lager vorspielen?
Paging