Gemischte Reaktionen hat das Gesprächsangebot Chinas an den Dalai Lama hervorgerufen. Während Kanzlerin Merkel Chinas Bereitschaft begrüßte, rief der IOC-Präsident Rogge die westlichen Länder zu Zurückhaltung in der Debatte auf. Indes kam es in der Nacht zu Ausschreitungen beim Fackellauf in Japan.

In der Nacht auf Samstag ist im japanischen Nagano die 16. Station des Fakellaufes absolviert worden - wiederum mit Protesten und Rangeleien zwischen anti-chinesischen Demonstranten und pro-chinesischen Untersützern.

Fackellauf, ap

Tausende pro- und antichinesischer Protestanten trafen beim Fackellauf in Nagano aufeinander. Vier Personen wurden bei Ausschreitungen verletzt. (© Foto: ap)

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Mehrere hundert Demonstranten schwenkten tibetische Fahnen und forderten in Sprechchören ein "freies Tibet". Gleichzeitig waren rund 2000 chinesische Austauschstudenten auf den Straßen und bekundeten ihre Unterstützung für die Regierung in Peking. Mindestens vier Personen wurden leicht verletzt und fünf weitere festgenommen. Drei von ihnen hatten versucht, an einen Fackelläufer heranzukommen, um ihm das olympische Feuer zu entreißen. Einer warf mit Eiern und ein weiterer mit Tomaten.

Dalai Lama hofft auf ernsthaften Dialog mit China

Unterdessen hat der Dalai Lama Chinas Angebot zu Gesprächen über die Lage in Tibet begrüßt. "Ich habe noch keine detaillierten Informationen bekommen, aber grundsätzlich sind Gespräche gut", sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter am Samstag nach seiner Rückkehr von einer US-Reise in seinem indischen Exilort Dharamsala. Er erhoffe sich "ernsthafte Gespräche über die Frage, wie der Unmut der Tibeter verringert werden kann". Wenn es bei einem solchen Treffen aber nur darum gehe, die internationale Besorgnis über die Lage in Tibet abzumildern, wäre es hingegen "bedeutungslos", führte der Dalai Lama aus.

Zuvor hatte bereits der Privatsekretär des Dalai Lama, Tenzin Taklha, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung vor Euphorie gewarnt: "Wir müssen die Probleme ansprechen, alles andere wird uns nicht weiterhelfen. Wenn es den Chinesen ernst ist, dürfen nicht nur ein paar freundliche Worte ausgetauscht werden."

Treffen mit "privatem Vertreter" des Dalai Lama

Unter internationalem Druck soll China am Freitag eine überraschende Kehrtwende im Tibet-Konflikt vollzogen haben, berichtet die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua: Die Regierung der Volksrepublik habe gut drei Monate vor Beginn der Olympischen Spiele Gespräche mit einem Vertreter des tibetischen Oberhaupts in den kommenden Tagen angekündigt.

Allerdings erklärten die Chinesen, man wolle sich nur mit einem "privaten Vertreter" des Dalai Lama zusammensetzen, um keinesfalls die Frage einer Anerkennung der tibetischen Exilregierung aufkommen zu lassen. Das Treffen werde in Kürze stattfinden, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua einen Regierungsbeamten. Man komme damit dem Dalai Lama entgegen, der mehrmals den Wunsch nach einem Gespräch geäußert habe. Ziel sei es, "die Dalai-Seite" dazu zu bewegen, ihre Bemühungen um eine Abspaltung Tibets und eine Sabotage der Olympischen Spiele aufzugeben.

Vetreter westlicher Staaten zeigten sich erleichtert über den Schritt. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte das Gesprächsangebot der chinesischen Regierung an den Dalai Lama. "Das kann ein wichtiger Schritt zur Entschärfung der Situation sein", sagte die CDU-Politikerin der Zeitung Bild am Sonntag. Sie hoffe, "dass damit ein Weg eingeschlagen wird, der zu einem friedlichen und erfolgreichen Verlauf der Olympischen Spiele führt." Auch der Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin, Martin Jäger betonte: "Wir freuen uns, dass die Regierung in Peking einen solchen Schritt ankündigt."

China setzt trotz Dialogangebot Attacken gegen Dalai Lama fort

Trotz der Bereitschaft Pekings zu einem Treffen mit Vertretern des Dalai Lama haben staatliche chinesische Medien am Samstag ihre Angriffe auf das Oberhaupt der Tibeter fortgesetzt. Die Zeitung People's Daily - das Sprachrohr der chinesischen Kommunistischen Partei - widmete den Hinweisen auf eine vorsichtige Annäherung an die tibetische Exilführung nur eine kurze Passage, erneuerte dagegen die Separatismus-Vorwürfe gegen den Dalai Lama. "Der Clique des Dalai Lama sind alle Mittel recht, um der Stabilität und Entwicklung Tibets zu schaden", schrieb das Blatt. Der "selbsternannte 'Religionsführer'" sei "der Rädelsführer bei den Sabotageakten" gegen die religiöse Ordnung in Tibet. Der Dalai Lama sei zudem schuld an der Verbreitung "übler Gerüchte" über China.

Rogge will China Zeit lassen

Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, hat die westlichen Länder in der Menschenrechtsdebatte mit China zur Zurückhaltung aufgerufen. "Wir müssen China mehr Zeit lassen", sagte Rogge in einem Interview mit der britischen Financial Times. Mit lauten Protesten werde in China nichts erreicht, vielmehr würden sich die Chinesen dann verschließen. "Im Laufe der Zeit" würden die Spiele einen "guten Einfluss auf die soziale Entwicklung in China haben, und die Chinesen geben es selber zu", betonte Rogge.

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(sueddeutsche.de/AP/AFP/sam/mkf)