Die Propaganda-Schlacht geht weiter: Chinas staatlich kontrollierte Medien kritisieren die Tibet-Berichterstattung in westlichen Sendern und Zeitungen. Der Vorwurf: Tatsachen werden verdreht und Bilder falsch beschrieben, um dem Ansehen der Regierung in Peking zu schaden. Die Liste der Beschuldigten umfasst neben CNN und Fox auch deutsche Medien.
Die ausländische Berichterstattung über die schweren Unruhen in Tibet ist in Chinas staatlich kontrollierten Medien und Onlineforen in die Kritik geraten. Einigen Medien wurde Verdrehung von Tatsachen vorgeworfen. Außer dem US-Nachrichtensender CNN und anderen wurden Medien in einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua vom Sonntag auch deutsche Medien genannt.
"Lhasa erholt sich von den Aufständen" meldet der staatliche Sender CCTV aus Tibet. Überprüfen lassen sich diese Meldungen momentan nicht, weil keine ausländischen Journalisten in Tibet arbeiten dürfen (© Foto: AFP)
Anzeige
Empörung habe vor allem ein Foto auf der CNN-Website ausgelöst, das Menschen zeige, die vor einem Militärlastwagen wegliefen, berichtete Xinhua. Das Originalbild zeige im Hintergrund aber Randalierer, die Steine auf den Lastwagen geworfen hätten, schrieb Xinhua. Dieser Teil sei herausgeschnitten worden.
Berliner Morgenpost in der Kritik
Der deutschen Zeitung Berliner Morgenpost wurde eine falsche Bildunterschrift vorgeworfen. Unter einem Bild, auf dem die Polizei einen Chinesen vor einem Angriff von Randalierern rette, stehe, dass ein "Aufständischer" von der Polizei mitgenommen werde, schrieb Xinhua.
Die Berliner Morgenpost hatte Fotos von der Szene in der tibetischen Hauptstadt Lhasa sowohl in ihrer Online-Ausgabe als auch in der Zeitung vom 17. März veröffentlicht. Im Internet lautete die Bildunterschrift: "Ein Aufständischer wird während der Proteste in Tibets Hauptstadt Lhasa von Sicherheitsbehörden abgeführt."
In der Zeitungsausgabe hieß es: "Aufnahmen des chinesischen Fernsehens zeigen einen Jungen, der von bewaffneten Streitkräften in Kampfanzügen durch die Straßen von Lhasa gejagt und verhaftet wird." Was das Foto wirklich zeigt, war zunächst nicht aufzuklären.
Ein Verantwortlicher der Berliner Morgenpost war für eine Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag zunächst nicht zu erreichen. In der Online-Ausgabe des Blatts hieß es, die beanstandeten Bilder stammten ursprünglich von dem staatlichen chinesischen Fernsehsender CCTV. Die Fotoagenturen Reuters und AFP hätten Standbilder aus TV-Berichten von CCTV am 16. März verbreitet.
Aufrufe im Internet
Die Redaktion von Reuters habe zu dem Foto vom 16. März im begleitenden Text geschrieben, hier werde ein Mann "eskortiert". Bei AFP heiße es zu einem Foto der gleichen Szene, ein Junge werde "gewaltsam" in Lhasa durch eine Straße geführt.
Xinhua berichtete außerdem, der deutsche Sender n-tv habe in einem Bericht über die Unruhen in Tibet gezeigt, wie Demonstranten von der Polizei weggebracht worden seien. In Wirklichkeit seien es aber Aufnahmen aus Nepal mit der nepalesischen Polizei gewesen. Das Datum des TV-Berichts war zunächst nicht bekannt. Ein Sprecher von n-tv sagte dazu am Sonntag in Köln, der Sender werde dem Vorwurf nachgehen: "Wir nehmen das ernst und prüfen das."
Dem US-Sender Fox TV warf Xinhua Ähnliches vor: Er habe auf seiner Website ein Bild der indischen Polizei gezeigt, wie sie Demonstranten in einen Wagen geschleppt habe. Im Text zu dem Bild sei aber das chinesische Militär genannt worden.
Keine westlichen Journalisten vor Ort
Momentan hält sich kein westlicher Journalist mehr in Lhasa auf. Am vergangenen Donnerstag mussten die deutschen Korrespondenten Georg Blume und Kristin Kupfer Tibet verlassen, um ihre Aufenthaltsgenehmigung für China nicht zu gefährden. Die Berichte der staatlichen Medien Chinas, wonach sich die Lage in Tibet beruhigt habe, lässt sich momentan nicht überprüfen.
Die Staatsagentur Xinhua berichtete, zehntausende Internetnutzer seien - nicht näher beschriebenen - "Aufrufen" gefolgt, um gegen die Verdrehung von Tatsachen zu protestieren. Es sei eine "häufig angewandte Taktik einiger ausländischer Medien, mit unzutreffendem Material das Ansehen der chinesischen Regierung zu zerstören", fasste die Staatsagentur die Meinung in einem Onlineforum zusammen.
- Tibet-Konflikt Dalai Lama: China verdient Olympia 23.03.2008
- Katholische Kirche und China Der Schlüssel zu Asien 23.03.2008
- Osterpredigt des Papstes Benedikt XVI. fordert Frieden in Tibet 23.03.2008
- Olympische Spiele in Peking EU-Parlamentspräsident droht mit Boykott 22.03.2008
- Krise in Tibet Süß-saure Dialoge 21.03.2008
(dpa/mati)
Ist es wirklich nicht aufzuklären, was das Foto zeigt?
Das Bild ist zwar auch nicht mehr vollständig wie das originale, man kann aber immerhin noch erkennen, dass der Mann ganz links nicht im Kampfanzug war, oder?
Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wenn der Junge auch von einem normalen Bürger durch die Straßen von Lhasa gejagt und verhaftet wurde...
Ist diese einfache Logik für unsere Medien doch schon zu schwer??
Es ist doch leider immer wieder das Gleiche: Fälschung und Manipulation in den Massenmedien. Ob beim Kriegsgrund für den Irakkrieg, bei der Vorbereitung des NATO-Angriffskrieges gegen Jugoslawien oder nun bei den Ereignissen in Tibet: Es wird gelogen und betrogen. Stellt sich nur die Frage, welche Gesinnung die Verantwortlichen der Nachrichtenagenturen und Zeitungen und die ausführenden Journalisten haben? Sie bedienen den von den Regierungen vorgegebenen Zeitgeist, weil sie selbst eine reaktionäre Einstellung haben.
Es ist gut, das die Chinesen mit solch einer Mühe und Ausdauer die Fälscher entlarven und dies noch bis ins Detail dokumentieren. So viel Sorgfalt wünsche ich mir auch von unseren Medien.
Alle Boykottaufrufer müßten doch nun eigentlich vorsichtiger werden.