Geringe Teamfähigkeit, Versäumnisse in der Landespolitik: In Thüringens Union wächst die Kritik an Ministerpräsident Dieter Althaus.
Nach den schweren Verlusten für die CDU in Thüringen ist am Montag parteiintern Kritik an Ministerpräsident Dieter Althaus laut geworden. Dagmar Schipanski war die erste, die sich offen zu Wort meldete: Sie habe "den Teamgeist vermisst", kritisierte die bisherige Landtagspräsidentin der CDU in Erfurt den Führungsstil von Althaus.
Schwere Zeiten für Dieter Althaus: Beinahe 20 Prozent Erststimmen büßte er in seinem Wahlkreis in Heiligenstadt ein und in seiner Partei verliert er dramatisch an Rückhalt. (© Foto: AP)
Anzeige
Schipanski, die nicht wieder in den neuen Landtag gewählt wurde, blieb aber nicht die einzige kritische Stimme: Ex-Innenminister Christian Köckert (CDU) rügte die Regierungspolitik der vergangenen fünf Jahre. Nicht ohne Grund habe die CDU vor allem in den großen Städten Stimmen eingebüßt, das "verheerende Resultat" sei zurückzuführen auf "schwere Versäumnisse" der CDU-Landespolitik.
Was passiert sei, habe "viel mit dem Führungsstil von Dieter Althaus zu tun", warf ein Kabinettsmitglied dem Noch-Regierungschef vor. Ein anderer CDU-Politiker kritisiert: "Zu wenig Ideen, zu wenig Dialog." Althaus habe viele Chancen vertan durch "seine mangelnde Bereitschaft, sich mit anderen zu beraten". Thüringens Junge Union forderte eine "ordentliche Aufarbeitung" möglicher Fehler. Angesichts der Dimension der Niederlage könne man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, meinte JU-Chef Mario Voigt. Ein CDU-Vorstandsmitglied sagte, er könne "jeden unserer Sargnägel einzeln aufzählen".
Wie Schipanski verloren auch einige andere profilierte CDU-Politiker nach den erdrutschartigen Stimmeneinbrüchen für die CDU ihre Mandate und reagierten entsprechend verärgert. Althaus selbst büßte beinahe 20 Prozent an Erststimmen in seinem Wahlkreis in Heiligenstadt, wurde aber wiedergewählt.
Als sich die CDU-Politiker in Erfurt am Montag zunächst zur Präsidiums- und dann zur Vorstandssitzung zusammenfanden, war die Stimmung genauso gedrückt wie am Vorabend. CDU-Landesgeschäftsführer Andreas Minschke war erst gar nicht zur Wahlparty erschienen. Er könnte ein erstes personelles Opfer für das Wahl-Desaster werden, hatte er doch im Wahlkampf voll auf Althaus gesetzt.
Am Wahlabend hatte CDU-Fraktionschef Mike Mohring angekündigt, dass man keinesfalls die Gründe für die Verluste unter den Tisch kehren wolle: "Es wird keine Schweigespirale geben", sagte Mohring. Der Fraktionsvorsitzende versicherte aber auch, vor allem anderen müsse nun zunächst eine handlungsfähige Regierung gebildet werden, "möglichst mit der SPD".
Problematischer Umgang mit dem Skiunfall
Kritisiert wird insbesondere, dass Althaus' Regierungsstil oft dazu geführt habe, dass er sich auf unterschiedlichsten Themenfeldern mit der Regierung ins Abseits begeben habe und letztlich zurückgerudert sei, etwa bei seiner missglückten Kabinettsumbildung oder der Justizreform. Aber auch die Art, wie er mit dem schweren Skiunfall vom Jahresbeginn umgegangen sei, störte offenbar so manchen in der CDU.
Ein CDU-Mann aus dem kirchlichen Bereich sagte, dass es wohl ein Fehler gewesen sei, sich immer wieder in der Boulevard-Presse über den Unfall und die persönlichen Folgen für Althaus auszulassen: "Ein Interview zum Dienstantritt, dann hätte Schluss sein müssen damit", sagte ein anderer Althaus-Kritiker.
- Thema
- Dieter Althaus RSS
- Twitter bei den Landtagswahlen Gefährliches Gezwitscher 31.08.2009
- Interview mit Politologe Langguth "Merkels Strategie ist riskant" 31.08.2009
- Reaktionen auf die Landtagswahlen Merkel, Steinmeier und die Aggressivität 31.08.2009
- Die Parteien vor der Bundestagswahl Willkommen in der Zwickmühle 31.08.2009
- CDU in Hessen: Volker Hoff Opel-Lobbyist gibt Landtagsmandat auf 31.01.2010
- Wechsel zu Magna Die zweite Chance des Dieter Althaus 29.01.2010
- Dieter Althaus: Abschied aus der Politik Top-Job nach dem Fall 29.01.2010
(SZ vom 01.09.2009/woja)
Reiseknigge: Türkei
Ich freue mich auf die Zeit, wo wir nichts mehr von Herrn A. hören müssen und sein Konterfei von den Medien nicht mehr gezeigt wird......
Paris, Athen, auf Nimmerwiedersehen, Herr A.
Wie gut für C. Kohl, dass Althaus den Skiunfall hatte. Wie gut, dass seine CDU den Stimmeneinbruch hatte. Gab das doch Stoff für mindestens zehn Artikel in der SZ. Weiter so!
Dieter Althaus ist am Ende und das sieht man ihm deutlich an. Mit seinen zwischenzeitlich wertvollen Beiträgen zur Entzauberung der Sozialdemokratie ist es auch nicht mehr weit her. Immerhin hatte er einmal ein bedingungsloses Grundeinkommen in das Parteiprogramm der CDU hineinschreiben wollen. Pure Trittbrettfahrerei natürlich, weil der Zeitgeist vor ein paar Jahren so schwanger ging mit diesem Thema.
Nun aber ist es vorbei mit dem Dieter, der in seiner Freizeit... einer riskanten Sportart nachging und nicht einmal diese beherrschte.
Todfeind ... Parteifreund. Die alte Steigerung a la CDU gilt doch immer wieder.
"Es gibt keinen Plan B, nur einen Plan A". 100% Zustimmung in Abwesenheit. Ovationen aller Orten, ein Jubelparteitag, wie ihn die SED kaum gesehen hat. Die Damen und Herren, die dabei waren, haben es jetzt schon immer gewusst, oder erinnern sich jetzt daran, wer schuld ist. Schuld ist doch die ganze CDU, die sich auf Althaus gestützt hat in einer geradezu peinlichen Art und Weise!
Was ist das nur für ein Laden...
Der Herr Ministerpräsident war mir immer schon außerordentlich sympathisch. Das Foto zu Beginn der Artikels beschreibt seinen Charakter gut, wie ich finde. Wie schön, dass seine selbstgerechte Gefühlsduselei im Zusammenhang mit dem Unfall und die kreative Darstellung seines Verhältnisses zum Witwer (... Freundschaft entwickelt ....) nicht verfangen hat.
Paging