Terrorverdächtiger Syrer nehmen flüchtigen Syrer fest

Drei Landsleute überwältigen Dschaber al-Bakr und übergeben ihn gefesselt der Polizei. Er hatte Sprengstoff hergestellt.

Von Ronen Steinke

Der mutmaßliche Anschlagsplaner von Chemnitz ist dank der Hilfe dreier syrischer Landsleute gefasst worden. Der 22-jährige Syrer Dschaber al-Bakr wurde in der Nacht auf Montag in Leipzig festgenommen, wie das sächsische Landeskriminalamt (LKA) mitteilte - durch drei Syrer, die den Mann in einer Wohnung überwältigten und dann die Polizei verständigten. "Der Tatverdächtige ist uns in gefesseltem Zustand übergeben worden", sagte der Präsident des LKA, Jörg Michaelis. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich am Montag in Niger aufhielt, richtete den drei Syrern ihren Dank aus.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem 22-jährigen Verdächtigen vor, einen Anschlag mit dem hochexplosiven Sprengstoff TATP geplant und "überaus professionell" vorbereitet zu haben. Anfang Oktober, womöglich schon früher, habe al-Bakr im Internet Anleitungen zum Bombenbau recherchiert. In einer Wohnung in Chemnitz habe er Sprengstoff hergestellt. Seine Vorgehensweise spreche für einen "IS-Kontext", sagte der LKA-Chef. "Die Vorbereitungen in Chemnitz ähneln nach allem, was wir heute wissen, den Vorbereitungen zu den Anschlägen in Paris und Brüssel", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Es habe Hinweise gegeben, dass der Verdächtige "zunächst einmal Züge in Deutschland angreifen wollte", zuletzt aber Flughäfen in Berlin im Blick gehabt habe, sagte Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen der ARD. Als Spezialeinsatzkräfte am Samstagmorgen in Chemnitz den Verdächtigen festnehmen wollten, floh er vor ihnen zu Fuß. Daraufhin war am Wochenende bundesweit nach ihm gefahndet worden. Erst die Mithilfe der drei Syrer in Leipzig brachte den Erfolg: Am Sonntagabend kurz vor Mitternacht sei einer von ihnen auf einem Polizeirevier in Leipzig erschienen - so berichtete das LKA - und habe erklärt, seine zwei Mitbewohner würden den Gesuchten festhalten. Um 0.41 Uhr nahm die Polizei den Mann fest, in den frühen Morgenstunden teilte sie über Twitter mit, dass er als Dschaber al-Bakr identifiziert worden sei.

Der Verdächtige war als Asylsuchender nach Deutschland gekommen und seit Juni als Flüchtling anerkannt. Ob die drei Syrer, die ihn fassten, ebenfalls Flüchtlinge sind, war zunächst unklar. Über ihre Identität gaben die Behörden keine Auskunft, aus Sorge vor Racheakten von Islamisten gegen sie, wie es hieß. Einem Bericht von Spiegel Online zufolge hatte der Verdächtige einen der drei Syrer am Leipziger Hauptbahnhof angesprochen und um eine Schlafgelegenheit gebeten.

Neben Dschaber al-Bakr befindet sich auch ein mutmaßlicher Helfer in Untersuchungshaft, der 33-jährige Mieter der Chemnitzer Wohnung: Der Syrer Khalil A. soll die von al-Bakr benötigten Stoffe im Internet bestellt haben.

Die CSU bekräftigte die Forderung nach lückenloser Überprüfung aller Flüchtlinge. Auch alle, die im Land seien, müssten "auch unter Beiziehung unserer Nachrichtendienste" überprüft werden, sagte CSU-Chef Horst Seehofer. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge teilte mit, es wolle künftig in jedem Fall Anzeige bei der Polizei erstatten, wenn ihm gefälschte Pässe vorgelegt werden.