Terrorismus Weiterer mutmaßlicher Paris-Attentäter identifiziert

Die Attentäter von Paris, vom zuletzt identifizierten Chakib Akrouh ist kein Foto verfügbar.

(Foto: AFP)

Chakib Akrouh sprengte sich wenige Tage nach den Pariser Anschlägen bei einer Razzia in Saint-Denis in die Luft. Was wir über die Attentäter von Paris wissen.

Angreifer in Pariser Cafés und Bars

Chakib Akrouh, 25: Ermittler gehen davon aus, dass Akrouh mit Abdelhamid Abaaoud (siehe unten) an dem Terror-Kommando beteiligt war, das Cafés und Bars angriff. Er wurde erst Mitte Januar als der Terrorist identifiziert, der sich wenige Tage nach den Pariser Anschlägen in einer Wohnung im Pariser Vorort Saint-Denis in die Luft gesprengt hatte, bei deren Erstürmung auch Abaaoud und dessen Cousine getötet wurden.

Akrouh sei in Belgien geboren und habe die belgische und die marokkanische Staatsbürgerschaft, teilte die Pariser Staatsanwaltschaft mit. Seine Identität wurde anhand des Vergleichs von am Tatort gefundenen DNA-Spuren mit dem genetischen Profil von Akrouhs Mutter ermittelt.

Abdelhamid Abaaoud, 28: Er gilt als Drahtzieher der Anschläge. Der gebürtige Belgier stammt aus der Brüsseler Gemeinde Molenbeek. Für ein knappes Jahr besuchte der spätere Terrorist eine katholische Schule.

In Molenbeek schloss er sich einer Bande von Kleinkriminellen an, kam in Kontakt mit den Brüdern Ibrahim und Salah Abdeslam (siehe unten), die in der Nähe seines Elternhauses wohnten. 2006 erhielt Abaaoud eine Sozialstrafe wegen Hehlerei. Drei Jahre später wurde er wegen Körperverletzung verurteilt, 2011 wegen eines Diebstahls, den er gemeinsam mit den Brüdern begangen hatte. Dafür musste er zunächst ein Jahr ins Gefängnis, wegen einer weiteren Tat wurden es insgesamt 18 Monate.

Nach dem Ende der Haftzeit, im September 2012, verließ Abdelhamid Abaaoud Belgien Richtung Naher Osten und tauchte unter.

DNA-Spuren auf einer Kalaschnikow legen nahe, dass er sich an den Anschlägen am 13. November beteiligte. Nach den Angriffen auf Bars und Restaurants soll er sich zur Konzerthalle Bataclan begeben haben - noch während dort ein Polizeieinsatz gegen die Geiselnehmer lief. Abaaoud wurde fünf Tage nach den Anschlägen bei der Erstürmung einer Wohnung in der Pariser Vorstadt Saint-Denis durch die Polizei getötet. Abaaoud soll auch hinter weiteren Anschlägen stecken.

Ibrahim Abdeslam, 31: Der ältere Bruder des flüchtigen Salah Abdeslam (siehe unten). Der 31-Jährige saß wegen Diebstahls von Personalausweisen im Gefängnis. Seine frühere Ehefrau beschrieb ihn Medienberichten zufolge als faul und "Kiffer".

Der Franzose, der zuletzt im Brüsseler Brennpunktviertel Molenbeek lebte, soll dem Kommando angehört haben, das im Zentrum von Paris auf die Besucher mehrerer Cafés feuerte. Er sprengte sich anschließend in einem Café am Boulevard Voltaire in die Luft und verletzte dort einen Menschen schwer.

Die Attentäter des Bataclan

Ismaël Omar Mostefaï, 29: Ein abgetrennter Finger, der in der Konzerthalle Bataclan - dem Anschlagsort mit den meisten Opfern - gefunden wurde, soll die Identifizierung von Ismaël Omar Mostefaï möglich gemacht haben.

Mostefaï war der Polizei nach Informationen der französischen Nachrichtenagentur AFP als Kleinkrimineller bekannt, deshalb waren seine Fingerabdrücke im System. Später hielt sich für längere Zeit in Syrien auf. Die Türkei will Frankreich bereits 2014 vor Mostefaï gewarnt haben - ohne Reaktion. Der Franzose mit algerischen Wurzeln wurde in dem Pariser Vorort Courcouronnes geboren. Mostefaï sprengte sich im Bataclan in die Luft.

Samy Amimour, 28: Gegen den im Pariser Vorort Drancy aufgewachsenen ehemaligen Busfahrer wurde 2012 ein Ermittlungsverfahren wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eingeleitet. Er entzog sich im Herbst 2013 einer richterlichen Überwachung und reiste nach Syrien.

Zuvor hatte er offenbar im Schützenverein der französischen Polizei, der Association Nationale de Tir de la Police an scharfen Waffen trainiert. So berichteten es französische Medien unter Berufung auf den Fernsehsender I-Tele.

Demnach absolvierte Amimour im April 2012 einen Anfängerkurs in dem Klub. Dieser beinhaltete den Umgang mit einer halbautomatischen Pistole und anderen Waffen.

Zudem habe Amimour über einen französischen Waffenschein für die Jahre 2011 und 2012 verfügt. Er habe ihn beantragen können, da er zu diesem Zeitpunkt noch nicht straffällig geworden war, berichtete der Fernsehsender. Amimour wurde im Bataclan offenbar von der Polizei erschossen.

Fouad Mohamed Aggad, 23: Der Franzose wurde erst einen Monat nach den Anschlägen identifiziert. Er stammt aus einem kleinen Ort nahe Strasbourg und reiste Ende 2013 nach Syrien aus.

Sein Bruder und andere Dschihadisten aus dem Elsass wurden Anfang 2014 bei ihrer Rückkehr nach Frankreich verhaftet. Darunter der ältere Bruder von Fouad Mohamed Aggad. Wann der spätere Attentäter des Bataclan nach Frankreich zurückkehrte, ist bislang unbekannt. Er sprengte sich in dem Konzertsaal in die Luft.

Die Attentäter des Stade de France

Bilal Hadfi, 20: Der Franzose lebte zuletzt in Belgien und soll in der Vergangenheit in Syrien gewesen sein. Am Anschlagsabend telefonierte er mit dem mutmaßlichen Drahtzieher der Attentate Abdelhamid Abaaoud (siehe unten). Bilal Hadfi sprengte sich vor dem Fußballstadion in die Luft.

Unbekannt: Der Selbstmordattentäter wurde Anfang Oktober auf der griechischen Insel Leros als Flüchtling registriert. Bei seiner Leiche wurde ein syrischer Pass auf den Namen Ahmad al-Mohammad gefunden. Die Identität passt allerdings zu einem syrischen Soldaten, der bereits vor mehreren Monaten getötet wurde.

Unbekannt: Auch der dritte Selbstmordattentäter beim Stade de France wurde Anfang Oktober auf Leros registriert. Er zeigte dabei einen auf den Namen Mohammad al-Mahmod ausgestellten syrischen Pass. Die Polizei hat die Fotos aus den Pässen veröffentlicht und bittet die Bevölkerung um Hinweise - bislang aber ohne Erfolg

Weiterer mutmaßlicher Helfer

Salah Abdeslam, 26: Er soll den Polo gemietet haben, mit dem eine Gruppe der Attentäter zum Konzertsaal Bataclan fuhren, wo sie mindestens 89 Menschen erschossen. Abdeslam ist französischer Staatsbürger, aber in Brüssel geboren.

Der Bruder eines der Selbstmordattentäter wird unter Hochdruck gesucht. Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve musste aber noch im Januar einräumen, dass die Behörden nicht wüssten, wo sich der Verdächtige aufhalte. Die Nachrichtenagentur Belga meldete im Januar, Abdeslam habe möglicherweise versucht, einen Anwalt zu kontaktieren. Die Agentur teilte aber nicht mehr, woher sie ihre Information bezog.

Abdeslams genaue Rolle bei den Anschlägen ist noch unklar. Während zunächst vermutet wurde, dass er sich direkt an den Angriffen beteiligte, gehen die Ermittler inzwischen davon aus, dass er die Stade-de-France-Angreifer mit einem Renault Clio zum Stadion fuhr. Ein im Pariser Vorort Montrouge gefundener Sprengstoffgürtel gehörte vermutlich ihm. Er floh am Tag nach den Anschlägen offenbar mit Hilfe von Komplizen nach Belgien. Mit ihm werden zwei weitere Verdächtige gesucht, die bei einer Polizeikontrolle in Ungarn bei ihm im Auto gesehen wurden.