US-Geheimdienste schlagen Alarm: Al-Qaida formiert sich neu. Laut US-Berichten hat sich Bin Ladens Terrornetzwerk in Pakistan eine neue Bais geschaffen. Die Angst vor spektakulären Anschlägen wächst.
Der Kampf gegen den Terrorismus hat längst seine ganz eigenen Rituale. Im Januar feuerten pakistanische Kampfhubschrauber auf mutmaßliche Verstecke der Islamisten-Organisation al-Qaida in einem Bergdorf an der Grenze zu Afghanistan. Danach waren zehn Menschen tot: Pakistans Armee sprach von ausländischen Kämpfern, wütende Stammesfürsten hingegen beklagten, dass der Angriff unschuldige Arbeiter getroffen habe.
Anzeige
Für die pakistanische Regierung wird es zweitrangig gewesen sein, wer die Opfer nun genau waren. Ihr ging es wohl eher darum, der Welt und vor allem ihrem amerikanischen Verbündeten zu demonstrieren, wie unerbittlich sie Amerikas Erzfeind al-Qaida verfolgt.
Symbolische Aktionen wie diese folgen in Pakistan meist auf Kritik aus den USA. Am Tag des Angriffs besuchte der neue US-Verteidigungsminister Robert Gates die afghanische Hauptstadt Kabul, wo er rügte, dass ,,Qaida-Netzwerke auf der pakistanischen Seite der Grenze operieren''.
Und wenige Tage zuvor hatte Amerikas oberster Geheimdienstler John Negroponte im Parlament gewarnt, al-Qaida bleibe auch fünf Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 die größte Gefahr für die USA und habe in Pakistan eine neue, sichere Heimat gefunden.
Die ,,Kernelemente'' al-Qaidas pflegten von der neuen Basis aus Kontakte zu Zellen im Nahen Osten, in Nordafrika und in Europa. Pakistans Regierung reagierte freilich empört über den Vorwurf des eigenen Versagens - kein anderes Land habe mehr zum ,,Krieg gegen den Terror'' beigetragen, hieß es in Islamabad.
Doch nun hat die amerikanische Regierung nachgelegt: In der New York Times streuen anonyme US-Sicherheitsexperten, al-Qaida sei offenbar ,,wiederauferstanden''. In Pakistan hätten die Führer der Organisation wieder die Kontrolle über ihr einst zerschlagenes Netzwerk erlangt und mehrere Trainingslager eingerichtet.
Den US-Quellen zufolge soll es Hinweise dafür geben, dass Qaida-Chef Osama bin Laden und sein Stellvertreter Aiman al-Sawahiri eine neue Operationsbasis im bergigen Grenzgebiet Wasiristan gründen. Der Ägypter Sawahiri selbst soll Anweisungen über Internet oder Kuriere an arabische, afghanische und pakistanische Extremisten geben. Die neuen Lager seien zwar noch nicht so groß und modern wie jene Trainingsstätten, derer sich al-Qaida einst in Afghanistan bediente und in denen Tausende zornige Männer für den ,,Heiligen Krieg'' ausgebildet wurden.
Doch das Wiedererstarken al-Qaidas soll mittlerweile auch hohe Ebenen der US-Regierung beschäftigen - ebenso wie die Frage, wie mit dem schwierigen Verbündeten Pakistan umzugehen sei, der diese gefährliche Entwicklung angeblich duldet.
In den vergangenen Monaten hatten vor allem die Taliban Aufmerksamkeit erregt, die Afghanistan bis zur US-Invasion im Herbst 2001 mit ihrer radikal-islamischen Ideologie regiert hatten und damals auch Gastgeber der al-Qaida waren. Mit ihrem Widerstand im Süden des Landes fordern die Taliban jetzt die Nato heraus.
Auffällige Spuren
Al-Qaida dagegen galt seit der Vertreibung aus Afghanistan Ende 2001 als weitgehend zerschlagen und geschwächt. Mehr als jene straffe Organisation, die einst zu mörderischen Angriffen auf den Erzfeind Amerika in der Lage war, sahen viele Sicherheitsexperten in al-Qaida zunehmend eine Bewegung oder gar Ideologie, die sich weltweit verselbständigt hatte. Bin Laden und Sawahiri, in der afghanisch-pakistanischen Grenzregion auf der Flucht, hatten scheinbar die Kontrolle verloren und mussten mit ansehen, wie ihr sunnitischer Gefolgsmann Abu Mussab al-Sarkawi im Irak einen ungewollten Krieg gegen die schiitischen Muslime führte.
Ob und wann al-Qaida wieder zu spektakulären Massenmorden in der Lage ist, wissen freilich auch die Amerikaner nicht genau. Sawahiri hat sich gerühmt, schon für die Anschläge in der Londoner U-Bahn am 7. Juli 2005 verantwortlich zu sein. Ob das stimmt, ist unklar, aber seit Jahren führen auffällig viele Spuren nach Pakistan. Mehrere der Attentäter vom 7. Juli waren dort. Unlängst gestand Muktar Said Ibrahim, der mutmaßliche Anführer der gescheiterten Londoner Attentäter vom 21. Juli, dass er selbst die defekten Bomben gebaut habe. Auch er war zuvor in Pakistan gewesen.
Den Qaida-Terroristen bietet das Land jedenfalls viele Vorteile. Es liegt in der Nähe ihrer früheren afghanischen Heimat, in den unwegsamen Bergregionen bieten die örtlichen Stammesfürsten bereitwillig Unterschlupf. Vor allem aber bekämpft der Staat die Extremisten nur wider Willen.
Präsident Pervez Musharraf hat sich zwar auf die Seite der Amerikaner geschlagen. Doch im Inland ist diese Politik verhasst, und Musharraf könnte sein Territorium niemals für US-Truppen oder Geheimdienste öffnen - er würde es politisch nicht überleben. Damit obliegt die Terrorabwehr seinem Militär und dem Geheimdienst ISI, die bis heute mit jenen Taliban- und Qaida-Kämpfern sympathisieren, die sie einst selbst gefördert haben, als diese in Afghanistan die Rote Armee bekämpften.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 20.2.2007)
Staatsbesuch in Israel
...würde vermutlich unser Kaiser fragen, angesichts des inhaltslosen Artikels.
Diesen Propaganda-Fürzen, die OBL im Bewusstsein halten sollen (damit niemand die Terror-Angs verliert..), dürfte die SZ eigentlich keine Bühne geben.
Wie war das noch? Anzahl der Feinstaub-Toten gegenüber Terror-Opfer? Wo bleibt der Krieg gegen den "internationalen Feinstaub"?
Im Übrigen alaaaf und so.
DW
mit diesem Beitrag der SZ ist nicht viel anzufangen. Im wesentlichen wird nur berichtet, was gerüchteweise wo anders zu lesen ist. Im übrigen dominiert amerikanisches Sicherheitsdenken, das unserer Suche nach friedlichem Ausgleich mit diesen Ländern schadet. Man sehe sich das Verhältnis der Militätausgaben zu den Initiativen für kulturellen Austausch an; dann weiß man wie korrupt diese Politik ist, wie Waffen über willige Söldner Verwendung finden und es langsam zur Eskalation kommt. Solche Kriege sind nur einzudämmen, wenn sich die Völker kulturell - also auf der geistigen Ebene - näher kommen. Es gibt genug Menschen, die hier tätig werden könnten, doch sie brauchen moralischen und finanziellen Rückhalt. Die SZ schreibt hier aber nur Rezepte von den USA ab, inwieweit Pakistan nun als williger Befehlsempfänger funktioniert. Im übrigen wird man einsehen müssen, dass im Osten nichts mehr militärisch zu gewinnen ist - nur zu eskalieren.
Da gab es so einen Satz: Ihr liebt das Leben - wir (unsere Kämpfer) den Tod. Bestenfalls liefert der Westen aktive Sterbehilfe.
Was mich immer wieder verwundert, ist, dass diese OBL-Gruppe bei Ausforschung durch US-Elektronik überhaupt noch ein Informationsnetz haben. Jeder web-Verkehr, geschweige denn Funk ist ihnen unmöglich. Nachrichten verbreiten sie bestenfalls über Konserven an Al Dschasira. Ein solcher Gegner soll nun ganze Frühjahrsoffensiven inszenieren und US-Generale geraten in Panik. Soll man es glauben oder muss man ...
Das Bild ist viellicht alt, ist aber am vergangenen Freitag auf einer al-Qaida-Homepage veröffentlicht worden.
Auch ansonsten kann ich die Kritik nicht verstehen. Dass al-Qaida wieder direkt und nicht nur als "Spiritus Rector" auftritt sondern wieder direkt tätig wird, finde ich eine genauso wichtige Nachricht, wie die Nachricht, dass offenbar aus Washington langsam Druck gegen Pakistan aufgebaut wird.
Das es nur anonyme Whistleblower gibt, ist bei dem Thema sehr verständlich.
Sehr geehrter Herr Richter,
man kommt ja gar nicht mehr mit. Mit Artikel der SZ vom 19.02.2007, 11:27 Uhr, wird mit einem durchaus diskussionswürdigen Artikel das Desaster der Falken zum Irak-Krieg und wohl zum Nahen und Mittleren Osten als Ganzem thematisiert (Demokratie-Idee, Verhinderung von Massenvernichtungswaffen in falschen Händen).
Die SZ hält unberührt davon an der unbedingten Notwendigkeit des Krieges der NATO in Afghanistan fest (und fordert ein größeres Engagement der Bundeswehr).
Ein Militärschlag gegen den Iran wird von Seiten der SZ als unrealistisch angesehen. Hr. Kornelius mochte hierzu anlässlich der Sicherheitskonferenz aber keine Fragen an US-Vertreter richten (und israelische Vertreter sind für uns Deutsche ja tabu).
Nun - wie überraschend - führt die Spur nach Pakistan. Wobei sie ex-post feststellen, dass ISI (pakistan. Geheimdienst) mit jenen Taliban- und Quaida-Kämpfern sympathisiert, die sie einst selbst gefördert haben (haben, wann beendet ?, inwieweit sind die Taliban Mittel in Händen des ISI ?; außerdem ist ISI keine bürokratische Einrichtung wie der BND).
Jetzt hat Pakistan bereits Atomwaffen (nicht nur die Kernspaltung, sondern auch Waffen mit Trägern, von nicht unerheblicher Reichweite). Waffen, die der Iran - ohne ihn verharmlosen zu wollen - frühestens in 5 eher 10 Jahren besitzen könnte.
Es wird nicht lange dauern und auch sie werden berichten, dass Finanzquellen aus Saudi-Arabien (über Umwege) die irakischen Sunniten (einschl. Al-Quaida) sowie die anti-NATO-Kräfte in Afghanistan unterstützen.
Ich würde ja über die konzeptlose Berichterstattung der SZ, wie anlässlich der Münchner Sicherheitskonferenz, lachen, wenn die Situation nicht so ernst wäre.
Sicherheitspolitik wird allenfalls mit einer gemeinsamen Politik der NATO, Russlands und Chinas gegenüber dem sunnitischen und schiitischen Islam möglich sein. Und Politik heißt zähe, unangenehme Verhandlungen. Flugzeugträger, Luftschläge, special-forces wird man nicht abschaffen. Aber derzeit verführen sie nur zur Illusion der einseitigen Schritte. Und Wildschweingrillen mit GWB ist ja derzeit die Spezialität unserer Kanzlerin. Wobei ich nichts Unmögliches von ihr fordere. Und warum man den Vertreter einer halbwegs vernünftigen Position, wie Hr. Steinmeier, mit einer derartigen Kampagne überzieht, ist mir ohnehin ein Rätsel.
Paging