Von Annette Ramelsberger

Warum die Bundesregierung nun erstmals unverblümt vor der Gefahr islamistischer Selbstmordanschläge in Deutschland warnt.

Es ist ein sehr staubiger Ort, an dem sich die Rekruten des Heiligen Krieges versammelt haben. Ein weites, steiniges Feld, zum dem eine Schotterpiste führt.

Das Bundesinnenministerium sieht eine deutlich gestiegene Terrorgefahr in Deutschland. (© Foto: dpa)

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Die wenigen Autos, die hier fahren, ziehen lange Staubwolken hinter sich her. Und aus den Staubwolken treten vermummte Gestalten. Schwarz verhüllt sind ihre Gesichter, nur für die Augen haben sie Schlitze gelassen. Um die Stirn sind weiße Bänder geschlungen mit arabischen Schriftzeichen. Einer der Vermummten tritt vor, stolz steht er da.

Er werde nach Großbritannien gehen, sagt er, als Selbstmordattentäter. Da hinten, sagt er und deutet auf ansehnliche Gruppen von Kämpfern, das seien die Todesschwadronen für Kanada, daneben die Märtyrer für Deutschland. Wie menschliche Munition stehen sie da im Sand, bereit, sich in die große Kriegsmaschine gegen die Ungläubigen stecken zu lassen.

Die vermummten Kämpfer werden in einem Video vorgestellt, das der amerikanische Sender ABC am 18.Juni ausgestrahlt hat. Wie der Sender zu dem Video kam, ist noch unklar. Doch es ist ein Video, das nach Ansicht der Bundesregierung beweist, dass Deutschland "voll ins Zielspektrum des islamistischen Terrorismus gerückt ist", wie Staatssekretär August Hanning das ausdrückt.

Der Mann war früher Präsident des Bundesnachrichtendienstes und ist nun die rechte Hand von Wolfgang Schäuble in Sachen Sicherheit. Er hat jetzt die bisher deutlichste Terrorwarnung für Deutschland ausgesprochen. Die Situation sei ähnlich angespannt wie im Frühsommer 2001 - vor den Anschlägen von New York.

Da habe es auch diffuse Bedrohungshinweise gegeben, ein "Hintergrundrauschen", wie Geheimdienstler das gerne nennen. So etwas gibt es auch jetzt wieder. Und Hannings Chef, Bundesinnenminister Schäuble, betont: Die Lage sei ernst, es gebe die Botschaft, dass Angriffe auf Deutsche, wie es sie in Afghanistan gegeben hat, auch hierzulande möglich seien.

Auf dem staubigen Feld der afghanischen Hochebene stehen ganz junge Burschen, 14-, 15-Jährige. Ihr Anführer übergibt ihnen feierlich Waffen, er umarmt sie, einen nach dem anderen. Es ist vermutlich der Bruder des vor kurzem getöteten Militärchefs der Taliban, Mansur Dadullah, dessen Nachfolge er hier übernimmt.

Und die jungen Männer schwenken begeistert die weißen Fahnen der Taliban. Doch es ist noch nicht einmal jenes Video, das die Verantwortlichen so beunruhigt. Manche schätzen es sogar nur als schaurige Eigenwerbung ein, die eher psychologisch wirken soll als dass der Film tatsächlich Anschlagsvorbereitungen zeigt.

Aber eines ist eindeutig: Deutschland wird darin ausdrücklich als Anschlagsziel genannt. Und das ist, wie Hanning betont, kein Zufall.

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