Belgien Verdächtiger bei Anti-Terror-Einsatz in Brüssel getötet

Spezialkräfte der belgischen Polizei bei einem Anti-Terroreinsatz in Brüssel. Ein flüchtiger Verdächtiger hatte mit einem Sturmgewehr auf die Beamten gefeuert und mehrere Polizisten verletzt.

(Foto: REUTERS)
  • Bei einer Anti-Terror-Razzia in Brüssel ist ein Verdächtiger von der Polizei erschossen worden.
  • Offenbar sind die Ermittler dabei auf eine islamistische Terrorzelle gestoßen. Weitere Verdächtige befinden sich auf der Flucht.
  • Der Einsatz steht im Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris.

Bei der Brüsseler Razzia zu den Anschlägen von Paris haben Fahnder offenbar eine weitere islamistische Terrorzelle entdeckt. In der Wohnung, in der am Dienstag ein Verdächtiger getötet wurde, fanden Ermittler nach jüngsten Angaben eine Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sowie ein Buch zum Salafismus. Zwei Verdächtige sind noch auf der Flucht.

Ein Team von sechs Ermittlern aus Belgien und Frankreich hatte am Dienstagnachmittag eine Wohnung in der Brüsseler Gemeinde Forest durchsuchen wollen. Dabei eröffneten mindestens zwei Männer unmittelbar das Feuer auf die Beamten. In den folgenden Schusswechseln wurden vier Sicherheitskräfte leicht verletzt.

Nach Darstellung eines Sprechers der Staatsanwaltschaft hätte die Schießerei für die Polizisten auch weniger glimpflich enden können. "Auf einer der schusssicheren Westen wurden mehrere Spuren von Kugelsplittern gefunden", sagte er.

Der getötete Verdächtige wurde den Angaben zufolge von einem Scharfschützen erschossen, als er aus einem Fenster das Feuer auf Polizisten eröffnen wollte. Neben seiner Leiche stellten die Ermittler eine Kalaschnikow, elf Magazine sowie Patronenhülsen sicher. Sprengstoff fanden sie hingegen nicht. Bei dem Getöteten handelt es sich um einen 1980 geborenen Algerier mit dem Namen Mohamed Belkaid. Er lebte illegal in Belgien und war bislang lediglich wegen eines Diebstahl-Delikts aufgefallen.

In welcher Art und Weise die Verdächtigen in die Anschläge von Paris verwickelt gewesen sein könnten, blieb zunächst unklar. Von den Ermittlern gab es keine Hinweise darauf, dass es sich bei einem der Flüchtigen um den Franzosen Salah Abdeslam handeln könnte. Dieser steht im Verdacht, an den Anschlägen beteiligt gewesen zu sein und ist deswegen einer der meistgesuchten Terroristen Europas.

Die belgischen Behörden sind unter Druck

Forest liegt in der Nähe von Molenbeek. Dort lebten einige der in die Pariser Terroranschläge verwickelten Attentäter. Nach dem 26-jährigen Salah Abdeslam, der ebenfalls in Molenbeek aufwuchs, wird weiterhin gefahndet. Er soll die Attentäter logistisch unterstützt haben. Aus Polizeikreisen in Paris hieß es, der Einsatz habe nicht Abdeslam gegolten.

Islamistische Terroristen hatten bei einer Reihe koordinierter Attacken im November in Paris insgesamt 130 Menschen getötet. Zu der schwersten Anschlagsserie in der Geschichte Frankreichs bekannte sich der sogenannte Islamische Staat (IS).

Unter Hochdruck versuchen die Behörden in Belgien herauszufinden, welche Rolle belgische Staatsbürger bei den Anschlägen in Paris spielten. Der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, lebte in Brüssel. Er kam bei einer Razzia in einem Pariser Vorort wenige Tage nach den Anschlägen ums Leben. Bilal Hadfi, ein weiterer Attentäter, soll für eine Zeit in der Brüsseler Haupstadtgemeinde Forest gewohnt haben.

Elf Verdächtige wurden in Belgien seit November vergangenen Jahres wegen der Pariser Anschläge festgenommen, acht von ihnen sitzen derzeit noch in Untersuchungshaft. Die belgischen Ermittler standen nach den Attentaten von Paris in der Kritik.