sueddeutsche.de: Welche Probleme gibt es noch?

Michael Bauer

Politikwissenschaftler Michael Bauer von der Universität München. (© Foto: oh)

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Bauer: Im Norden rebellieren die Huthi-Stämme gegen die Zentralregierung. Der südliche Jemen will sich abspalten. Und die jemenitische Regierung ist zu schwach, um diese Brandherde zu kontrollieren. Eine nachhaltige Stabilisierung des Jemen ist ohnehin nur in einem politischen Prozess möglich, der einen Ausgleich zwischen diesen Konfliktparteien herstellt. Entsprechende Versuche sollten internationale Unterstützung erhalten. Solange das Land so instabil ist, ist al-Qaida dort aktiv.

sueddeutsche: Viele Insassen des Gefangenenlagers Guantanamo kommen aus dem Jemen. Deswegen fordern nun einige US-Politiker, keine weiteren Häftlinge mehr freizulassen.

Bauer: Das ist ein problematischer Vorschlag, weil das Gefangenenlager ein Symbol für die doppelten Standards der Bush-Regierung und für deren mangelnden Respekt vor internationalem Recht ist. Das Gefangenenlager schädigt das Ansehen der USA in der ganzen Welt und insbesondere im Mittleren Osten. Solange Guantanamo besteht, nutzen es Terroristen auch dafür, die USA als die wahren Bösen darzustellen. So trägt es zur Rekrutierung und Radikalisierung bei.

sueddeutsche.de: Seitdem bekannt wurde, dass hinter dem versuchten Anschlag in Detroit vermutlich auch freigelassene Guantanamo-Häftlinge stecken, mehren sich jedoch die Forderungen, das Lager doch bestehen zu lassen.

Bauer: Dass sich der ein oder andere Ex-Häftling nach der Freilassung wieder Terrorvereinigungen anschließt, wird sich nicht verhindern lassen. In Guantanamo sitzen nicht nur Unschuldsengel ein. Trotzdem sollte Obama seine Pläne weiterverfolgen, das Lager zu schließen und den Häftlingen entweder in den USA den Prozess zu machen, sie in ihre Heimatländer zurückzuschicken oder sie freizulassen.

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(sueddeutsche.de/gba/cmat)