Interview: Barbara Vorsamer

Die USA diskutieren über schärfere Passagierkontrollen. Experte Bauer über Fehler der US-Behörden und sinnvolle Maßnahmen.

Michael Bauer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centrum für angewandte Politikforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München. Terrorismus gehört zu seinen Forschungsschwerpunkten.

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Warteschlange am Flughafen: Aufgrund einer neuen Richtlinie werden Reisende aus 14 Ländern besonders scharf kontrolliert. (© Foto: Reuters)

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sueddeutsche.de: Welche Fehler haben die US-Behörden im Vorfeld des Anschlagversuches in Detroit gemacht?

Michael Bauer: Das Problem war offensichtlich, dass zwar verschiedene Informationen über den Attentäter vorlagen, jedoch nicht zusammengesetzt wurden. So hatte beispielsweise der Vater von Umar Farouk Abdulmutallab die Behörden gewarnt, dass sein Sohn sich radikalisiere und im Jemen abgetaucht sei. Das wurde nicht mit dem ebenfalls vorliegenden Hinweis zusammengebracht, dass im Jemen ein Nigerianer für einen Anschlag ausgebildet werde. Nun prüfen die Verantwortlichen, was getan werden muss, um in Zukunft vollständigere Bilder von Gefahrensituationen zu erhalten.

sueddeutsche.de: Kann das gelingen?

Bauer: Auch mit noch so viel Geld und Personal kann Terrorismus nicht restlos verhindert werden. Dafür ist die Masse der Hinweise schlicht zu immens - und es sind zu viele darunter, die sich im Nachhinein als unwichtig herausstellen.

sueddeutsche.de: Was muss dann verbessert werden?

Bauer: Es geht weniger darum, noch mehr Daten zu sammeln. Aber die mit der Analyse betrauten Mitarbeiter brauchen eine bessere Ausbildung, um zu verhindern, dass sie in der Fülle der Daten den Überblick verlieren.

sueddeutsche.de: Reisende aus 14 Staaten - darunter Iran, Afghanistan, der Jemen, Pakistan, Nigeria und Somalia - werden an amerikanischen Flughafen künftig schärfer überprüft. Halten Sie das für sinnvoll?

Bauer: Nein. So werden unbescholtene Bürger pauschal an den Pranger gestellt. Erstens ist die Staatsangehörigkeit ein willkürliches Kriterium, zweitens reisen Terroristen nicht unbedingt mit ihrem echten Pass. Die verschärften Kontrollen sind in erster Linie zur Beruhigung der anderen Reisenden gut.

sueddeutsche.de: Seit dem Anschlagsversuch ist der Jemen als Al-Qaida-Gebiet in den Fokus gerückt, weil der Täter Abdulmutallab dort ausgebildet wurde. Sollten sich die USA stärker im Jemen engagieren?

Bauer: Sie sind bereits dort. Die Amerikaner bilden jemenitische Sicherheitskräfte aus und unterstützen diese bei Luftangriffen gegen Terroristen. Es ist auch bekannt, dass es Operationen mit US-Beteiligung gibt, zum Beispiel sind 2002 mehrere Al-Qaida-Mitglieder im Jemen von einer US-Drohne getötet worden. Sich darüber hinaus militärisch zu engagieren, halte ich nicht für sinnvoll.

sueddeutsche.de: US-Senator Joe Lieberman hält den Konflikt im Jemen aber bereits für den "Krieg von morgen."

Bauer: Lieberman drückt sich gerne plakativ aus. Ein militärischer Einsatz im Jemen über die bereits bestehende Unterstützung für die dortigen Sicherheitskräfte hinaus ist trotzdem unwahrscheinlich. Zumal eine solche Intervention dazu führen würde, dass die USA auch in die anderen Konflikte des Jemen hineingezogen würden. Terrorismus ist dort bei weitem nicht das einzige Problem.

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