Terrorchef in Nordafrika Der Einäugige, der nicht zu fangen ist

Ein Mann mit vielen Beinamen: Der Islamist Mochtar Belmochtar soll hinter der Geiselnahme westlicher Ausländer in Algerien stecken. Er hat als Dschihadist und Krimineller schon früh Karriere gemacht - unter anderem mit Zigarettenschmuggel.

Von Frederik Obermaier

Der Dschihadist Mochtar Belmochtar: Er soll für die Geiselnahme in Algerien verantwortlich sein.

(Foto: AFP)

Schon seine zahlreichen Spitznamen sagen viel aus über jenen Mann, der hinter der Geiselnahme westlicher Ausländer in Algerien stecken soll: Den "Einäugigen" nennen sie ihn, auch "Mr. Marlboro". Der französische Geheimdienst spricht vom "Mann, der nicht zu fangen ist", andere Experten vom "Piratenkönig der Sahara".

Mochtar Belmochtar ist weit über die Grenzen Algeriens hinaus bekannt, viele blutige Geschichten umranken den Islamisten, einige dürften stimmen, und sie alle laufen auf eines hinaus: Dieser Mann hat als Dschihadist und Krimineller schon früh Karriere gemacht - und er ist gefährlich.

Belmochtar wurde 1972 in Ghardaia, einer Oasenstadt im algerischen Teil der Sahara, geboren. Mit 19 Jahren ging er nach Afghanistan und kämpfte an der Seite jener Dschihadisten, die später den Kern von al-Qaida bilden sollten. Als er zurückkam, sah er nur noch mit seinem rechten Auge. Das andere hat er angeblich im Kampf verloren. So wurde aus dem Jüngling aus Ghardaia "der Einäugige", ein überzeugter Dschihadist.

Wichtigster Strippenzieher in der Sahara

Auch im algerischen Bürgerkrieg Anfang der Neunzigerjahre kämpfte er aufseiten der Islamisten - und stieg rasch zu einem der Kommandeure der "Bewaffneten Islamischen Gruppe" (GIA) und der späteren Splitterorganisation "Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf" (GSPC) auf. 2006 schloss sich die GSPC offiziell dem Terrornetzwerk al-Qaida an, und Belmochtar wurde zu einem ihrer wichtigsten Strippenzieher in der Sahara-Region.

Die Grenzen zwischen Belmochtar, der die Al-Qaida-Brigade "Die Vermummten" befehligte, und Belmochtar, dem Gangsterboss, waren dabei fließend. So soll er mit dem Schmuggel von Waffen, Drogen und Zigaretten ein kleines Vermögen gemacht haben - "Mr. Marlboro" eben. Mit den Einnahmen aus dem Schmuggel wiederum soll er mehrere Anschläge in der Region finanziert haben. Auch wurde Belmochtar schon früh mit etlichen Entführungen in der Sahara in Verbindung gebracht. Er soll unter anderem für den Tod von vier Franzosen am Heiligen Abend 2007 in Marokko verantwortlich sein, der zur Absage der Rallye Paris-Dakar führte.

Waffen aus Beständen von Gaddafi

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(Video: Süddeutsche.de, Foto: AFP, Foto: AFP)

Ein algerisches Gericht verurteilte den Islamisten, der sich gern mit schwarzem Turban und Kalaschnikow fotografieren lässt, 2007 in Abwesenheit zu lebenslanger Haft. Fassen konnten die Behörden Belmochtar aber nicht. Zweimal wurde er für tot erklärt, beide Male war es eine Falschmeldung. Auch das Gerücht, er wolle sich ergeben, bewahrheitete sich bislang nicht.

Stattdessen zog der Kämpfer, der mit mehreren Tuareg-Frauen aus der Region verheiratet sein soll, in Mali erneut in den Krieg. Mit im Gepäck hatte er Waffen aus Beständen des gestürzten libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi. So jedenfalls tönte Belmochtar in einem Interview.

Im Dezember tauchte ein Video auf, in dem sich der einäugige Islamist formell von "al-Qaida im islamischen Maghreb" lossagte. Der Ideologie des Terrornetzwerks wollte der 40-Jährige aber treu bleiben - und mit einer eigenen Miliz gegen die Ungläubigen kämpfen. Die Geiselnahme in Algerien ist offenbar das Debüt. So bezeichneten sich die Entführer als "Die mit dem Blut schreiben" sowie als Khaled-Abu-al-Abbas-Brigade. Abu al-Abbas war schon in Afghanistan Belmochtars Kampfname.