Terroranschlag Lkw-Bremssystem verhinderte noch mehr Tote in Berlin

Die zerstörte Frontscheibe des Lkw, der am Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz in die Menge gerast war (Foto vom 20.12.).

(Foto: dpa)
  • Ein automatisches Bremssystem am Lastwagen soll verhindert haben, dass bei dem Terroranschlag von Berlin noch mehr Menschen starben.
  • Zu diesem Schluss kamen nach Informationen der SZ und der Sender NDR und WDR die Ermittler.
  • Anis Amri, der am Steuer des Lkw gesessen haben soll, machte auf seiner Flucht über Frankreich und Italien offenbar Station in den Niederlanden.
Von Hans Leyendecker, Georg Mascolo und Nicolas Richter

Bei dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am 19. Dezember war es offenbar einer technischen Vorrichtung am Lastwagen zu verdanken, dass nicht noch mehr Menschen ums Leben gekommen sind. Nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR kam der Lkw nur deshalb nach 70 bis 80 Metern zum Stehen, weil die Zugmaschine mit einem automatischen Bremssystem ausgerüstet war. Zu diesem Ergebnis kommt die Ermittlergruppe "City", die unter Leitung des Generalbundesanwalts den Anschlag aufklären soll.

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Nicht der polnische Fahrer, sondern die Technik stoppte den Lkw

Das automatische Bremssystem reagiert demnach auf einen Aufprall und betätigt von selbst die Bremsen. "Diese Technik hat Leben gerettet", hieß es in Berliner Regierungskreisen. Wäre der Lastwagen damit noch nicht ausgerüstet gewesen, wären wohl viel mehr Menschen gestorben. Bei einem ähnlichen Anschlag in Nizza am 14. Juli 2016 waren auf der Uferpromenade mehr als 80 Passanten getötet worden.

Zunächst war spekuliert worden, dass der polnische Lastwagenfahrer Schlimmeres verhindert hatte, indem er dem Terroristen Anis Amri in das Lenkrad griff und den gekaperten Lkw damit aus dem Weihnachtsmarkt heraus steuerte. Nach Erkenntnissen der Ermittler wurde der polnische Fahrer allerdings kurz vor der Tat durch einen Kopfschuss tödlich verwundet. Er war demnach nicht mehr in der Lage, in das Geschehen einzugreifen.

Ermittler: Amri suchte schon im Februar Kontakt zum IS

Mit dem Täter Anis Amri haben sich die Behörden in Bund und Ländern intensiver beschäftigt als bisher bekannt. Mindestens sieben Mal wurde sein Fall zwischen Februar und November 2016 im Gemeinsamen Terrorismus-Abwehrzentrum (GTAZ) in Berlin besprochen. Interne Behördenunterlagen, die nur fünf Tage vor der Tat entstanden, beschreiben Amris Werdegang in Deutschland. Demnach suchte er im Internet Anleitungen für den Bombenbau.

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Zudem suchte er schon im Februar offenbar Kontakt zum "Islamischen Staat" und soll sich als Selbstmordattentäter angeboten haben. Mindestens zwei Mal wurde im GTAZ die Frage diskutiert, ob Amri einen konkreten Anschlag plane. Beide Male wurde dies als unwahrscheinlich eingestuft.

Mutmaßlichen Kontaktmann aus Tunesien festgenommen

Am Mittwoch ließ die Bundesanwaltschaft einen 40-jährigen Tunesier festnehmen, der in Kontakt zu Amri gestanden haben soll. Nach ersten Ermittlungen könnte er in den Anschlag eingebunden gewesen sein, seine Telefonnummer wurde in Amris Handy gefunden, das am Tatort zurückgeblieben war. Aus dem Führerhaus chattete Amri nur Minuten vor der Tat mit einem Glaubensbruder. Es ist unklar, ob es sich dabei um den festgenommenen Tunesier gehandelt hat. Amri schrieb: "Mein Bruder, alles in Ordnung, so Gott will. Ich bin jetzt im Auto, bete für mich mein Bruder, bete für mich." Dann verschickte er noch ein Selfie von sich im Führerhaus des Lkw. Im Gepäck, das Amri in Mailand dabei hatte, fand die Polizei kein Handy. Dafür aber eine holländische Sim-Karte, wie sie kurz zuvor bei einer Werbeaktion in Holland verteilt worden war. Amri könnte also aus Berlin zunächst in die Niederlande und von dort über Frankreich nach Italien gelangt sein.

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