Terroranschlag in Pakistan Armee beendet Geiselnahme in Schule

Ein verletzter Junge liegt in einem Krankenhaus in Peshawar

(Foto: AFP)
  • Militär und Polizei haben die Geiselnahme an einer Schule im pakistanischen Peshawar durch Taliban-Extremisten beendet.
  • Die Terrororganisation Taliban hatte Hunderte Schüler und Lehrer als Geiseln genommen. Etwa 150 Menschen wurden getötet - unter ihnen mehr als 130 Kinder.
  • Die Taliban bestätigen die Attacke und sagen, es handle sich um einen Racheakt.
  • Die Terroristen hatten es eigentlich auf das Militärpersonal der Schule abgesehen.

Taliban-Angriff beendet - Dutzende Kinder tot

Nach fünf Stunden haben Militär und Polizei in Pakistan die Geiselnahme an einer Schule durch Taliban-Extremisten beendet. Alle sechs Angreifer seien tot, teilte das Militär mit. "Das Gebäude ist jetzt gesichert." Truppen durchsuchten das Schulgebäude nach Sprengsätzen. Die Angreifer hatten am Dienstag die vom Militär betriebene Schule in der Stadt Peshawar gestürmt und etwa 500 Schüler und Lehrer als Geiseln genommen. Etwa 150 Menschen wurden getötet - die Zahl der Todesopfer schwankte nach unterschiedlichen Angaben zwischen 148 und 153, unter ihnen über 130 Kinder.

Mehr als 250 Menschen wurden verletzt, wie die Regionalregierung der Provinz Khyber Pakhtunkhwa mitteilte. Da viele in kritischem Zustand sein sollen, wird befürchtet, dass die Zahl der Toten noch steigen wird. Dem Chefminister der Provinz zufolge hätten in der Schule intensive Feuergefechte stattgefunden.

Überfall als Racheakt

Ein Sprecher der pakistanischen Taliban, die sich Tehreek-e-Taliban (TTP) nennen, bestätigte die Attacke. Unter den sechs Angreifern seien auch Selbstmordattentäter gewesen. "Sie hatten den Befehl, auf ältere Schüler zu schießen, nicht auf Kinder", sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. In andere Berichten heißt es, dass die Taliban es nicht auf die Schüler, sondern nur auf das Militärpersonal abgesehen hätten. Später sagte der Sprecher, der Überfall sei die Rache für das Vorgehen der Armee. "Wir haben die Armee-Schule für den Angriff ausgewählt, denn die Regierung geht gegen unsere Familien und Frauen vor. Sie sollen unseren Schmerz spüren."

Großoffensive Pakistans gegen die Taliban

Die pakistanischen Taliban haben in den nordwestlichen Gebieten des Landes ihr Rückzugsgebiet. Die Armee geht dort seit Monaten gegen die Extremisten vor. Bislang war sie aber nicht in der Lage, die Extremisten entscheidend zu schwächen. Auch die USA greifen mit unbemannten Flugzeugen, sogenannten Drohnen, immer wieder Unterschlüpfe der Taliban im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan an. Diese reagierte darauf mit Anschlägen auf Militäreinrichtungen.

Malala: "sinnloser und kaltblütiger Terroranschlag"

Die pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai hat den Angriff auf die Schule in ihrer Heimat scharf verurteilt. Sie sei "untröstlich angesichts dieses sinnlosen und kaltblütigen Terroranschlags", erklärte die Friedensnobelpreisträgerin. Die 17-Jährige nannte die Tat "scheußlich und feige" und lobte die Reaktion von Regierung und Armee als "verdienstvoll".

Malala war in der vergangenen Woche vom Norwegischen Nobelkomitee für ihr Engagement zugunsten der Schulbildung von Mädchen ausgezeichnet worden. Im Oktober 2012 hatte sie wie durch ein Wunder einen Anschlag der Taliban überlebt, bei dem ihr aus kurzer Distanz in den Kopf geschossen wurde.

Reaktionen aus Deutschland, den USA und islamischen Staaten

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hat den Terroranschlag der Taliban als "verbrecherischen Angriff" verurteilt. "Die Geiselnahme und Ermordung von Kindern übertrifft in ihrer grausamen Feigheit alles, was das seit Jahren von Terror und Gewalt heimgesuchte Pakistan bisher kannte", sagte Steinmeier nach Angaben des Auswärtigen Amtes. "Wir trauern mit dem pakistanischen Volk um die Opfer dieses blutigen Terroranschlags."

Auch die USA und die islamischen Staaten haben den Terroranschlag scharf verurteilt. Der Generalsekretär der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC), Ijad Amin Madani, sprach von einem "entsetzlichen und sinnlosen terroristischen Angriff". Er betonte, es gebe keine Rechtfertigung für Terrorismus. Wer im Namen des Islam solche Gewalt verübe, habe mit dieser Religion nichts zu tun.

Der US-Botschafter in Pakistan, Richard Olson, bezeichnete die Tat als "sinnlose und menschenunwürdige Attacke" auf unschuldige Schüler und Lehrer. "Wenige haben in den Händen von Terroristen und Extremisten mehr gelitten als die Menschen in Pakistan." Es sei deshalb entscheidend, dass die USA in Sicherheitsfragen weiter mit dem südasiatischen Land zusammenarbeiteten. Den Familien der Opfer drückten Olson und Madani ihr Mitgefühl aus.