Attentat in Bulgarien Tote bei Anschlag auf israelische Touristen

Bei einem Anschlag auf Israelis in Bulgarien sind mindestens sechs Personen getötet und mehr als 30 verletzt worden. Ein Flughafenbus wurde von einer Explosion erschüttert und ging in Flammen auf. Israels Ministerpräsident Netanjahu will den Schuldigen schon kennen.

Bei einem Anschlag auf israelische Touristen in Bulgarien sind mindestens sechs Menschen getötet und mehr als 30 verletzt worden. Dies teilte das Innenministerium in Sofia mit. Demnach ereignete sich der Anschlag auf dem Flughafen von Burgas am Schwarzen Meer.

Etwa 150 Israelis seien mit einem Charterflug in Bulgarien angekommen, sagte ein Sprecher des israelischen Aussenministeriums. Sie seien in mehrere Busse eingestiegen.

(Foto: dpa)

Der Bürgermeister von Burgas, Dimitar Nikolow, sagte, insgesamt 171 Menschen seien mit einem Flugzeug aus Israel angekommen, um ihren Urlaub an der Schwarzmeerküste zu verbringen. In dem Bus seien 47 Menschen gewesen. Ihm zufolge seinen 33 bei der Explosion verletzt worden. Der Flughafen der Stadt wurde geschlossen, alle Flüge wurden nach Warna umgeleitet. Der in Burgas residierende israelische Rabbi Haim Twerdowitsch sagte im israelischen Fernsehsender Kanal 2, einige der Verletzten hätten schwere Brandwunden.

Auch das israelische Außenministerium bestätigte die Explosion. Etwa 150 Israelis seien in mehrere Busse eingestiegen. "In einem der Busse gab es eine Explosion." Man wisse noch nicht sicher, ob es sich um einen Anschlag handele. "Aber man kann zwei und zwei zusammenzählen." Jerusalem sei über mehrere Tote informiert worden, man könne jedoch noch nichts zur Identität der Opfer sagen.

Ein Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, sagte: "Auf einen Bus mit israelischen Bürgern wurde geschossen und ein Sprengkörper geworfen." Die Polizei in Bulgarien bestätigte inzwischen, dass es sich um einen Anschlag handelte, wie die Nachrichtenagentur Novinite berichtete. In dem attackierten Bus hätten auch viele Jugendliche gesessen, meldeten israelische Medien.

Der bulgarische Innenminister Zwetan Zwetanow sagte im staatlichen Hörfunk, zwei mögliche Abläufe würden untersucht: Zum einen, dass der Sprengsatz vor dem Einsteigen der Touristen im Bus versteckt worden sei, zum anderen, dass er sich in ihrem Gepäck befunden habe. Außenminister Nikolai Mladenow sagte, die Explosion sei von einer im Bus platzierten Bombe ausgegangen. Fünf Menschen seien sofort tot gewesen, ein Opfer sei später im Krankenhaus gestorben, erklärte sein Ministerium. 32 Menschen seien verletzt und in Kliniken behandelt worden.

Ein Israeli, der Zeuge des Anschlags war, berichtete, dass ein Bus, der zwischen den Terminals verkehrte, explodiert sei und in Flammen aufging. Eine Israelin erzählte der Nachrichtenseite ynet: "Der Bus neben uns ist in die Luft geflogen. Schwarzer Rauch stieg auf und die Menschen liefen hysterisch in Richtung Terminal." Im israelischen Sender Channel 2 sagten Zeugen, jemand hätte den Bus bestiegen und kurz darauf sei die Explosion erfolgt. Der staatliche Rundfunksenders BNR und der private Senders bTV berichteten ähnlich. Zwei weitere Busse seien in Brand geraten, hieß es.

Die Polizei habe den Ort des Geschehens abgeriegelt, Krankenwagen und Feuerwehrautos seien zu sehen, berichtete die staatliche bulgarische Nachrichtenagentur BTA. Der Flughafen in Burgas, der durch die deutsche Fraport betrieben wird, wurde komplett abgeriegelt und alle Flüge in die Stadt Varna umgeleitet.

Wie die Zeitung Haaretz in ihrer Online-Ausagabe berichtet, bestätigte auch das israelische Außenministerium, dass mehrere Israelis getötet wurden. Laut Haaretz soll es sogar sieben Tote geben. Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman habe mit seinem bulgarischen Amtskollegen telefoniert.

Bereits im Januar soll das israelische Außenministerium Bulgarien vor einem möglichen Terroranschlag gewarnt haben. Laut einem Bericht der Jerusalem Post war ein verdächtiges Päckchen an Bord eines Busses gefunden worden, der israelische Touristen von der Türkei nach Bulgarien brachte. Israel hatte deshalb um verstärkte Sicherheitsvorkehrungen gebeten, etwa in der Hauptstadt Sofia. Touristen wurden zu besonderer Vorsicht bei Reisen aufgefordert.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, es deuteten "alle Zeichen auf Iran". In den vergangenen Monaten habe es versuchte Anschläge auf Israelis in Thailand, Indien, Georgien, Kenia und Zypern gegeben. "18 Jahre nach dem Bombenanschlag auf das Gebäude der israelischen Gemeinde in Argentinien geht der iranische Terror gegen unschuldige Menschen weiter", sagte der Regierungschef. Er sprach von einer "weltweiten iranischen Terrorkampagne". Israel werde darauf hart reagieren.

Verteidigungsminister Ehud Barak sprach von einem schweren Anschlag. "Wir führen einen langen Kampf, es gibt Erfolge und es gibt schwere Tage. Heute ist so ein schwerer Tag." Die israelischen Sicherheitsorgane würden "mit aller Macht vorgehen, um zu den Attentätern und ihren Drahtziehern zu gelangen", kündigte er an.

Das Weiße Haus zeigte sich entsetzt und versicherte den Israelis seine Solidarität. Die Vereinigten Staaten "verurteilen solche Angriffe auf unschuldige Menschen, insbesondere Kinder, aufs Schärfste", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Die Gedanken und Gebete von Präsident Barack Obama würden den Familien der Getöteten und Verletzten gelten. Die USA stünden an der Seite des israelischen sowie des bulgarischen Volkes, sagte er weiter.

Ähnlich äußerte sich Außenminister Guido Westerwelle: "Ich verurteile den tödlichen Anschlag auf israelische Touristen in Bulgarien auf das Schärfste. Die Täter müssen gefunden und für diese schreckliche Tat zur Rechenschaft gezogen werden", sagte er in Berlin.