Terroranschlag auf US-Konsulat 2012 US-Spezialeinheit wurde zurückgerufen

Ein Spitzendiplomat legt neue Details in der Untersuchung zum Attentat auf das US-Konsulat in Libyen offen: Die tödliche Attacke auf Botschafter Stevens hätte wohl verhindert werden können. Denn eine amerikanische Spezialeinheit wurde kurz vor ihrem Abflug in die Hafenstadt zurückgerufen.

In der Untersuchung zum Attentat auf das amerikanische Konsulat in Bengasi im September des vergangenen Jahres sind neue Details bekannt geworden: Eine Spezialeinheit hätte womöglich Leben retten oder den Anschlag sogar verhindern können. Das sagte ein früherer Spitzendiplomat, Gregory Hicks, einem Ausschuss des Repräsentantenhauses, der den Vorfall untersucht. Auszüge aus Hicks' Anhörung wurden unter anderem in der Washington Post veröffentlicht. Die Republikaner werten dies als Beleg für ihre Vermutung, dass die Obama-Regierung in diesem Fall fehlerhaft agiert habe.

Die Spezialkräfte seien gerade auf dem Weg zum Flughafen gewesen, als sie wieder zurückgerufen wurden. Es hätte keine entsprechende Berechtigung gegeben, sagte Hicks. Dies steht in Kontrast zur Darstellung der Geschehnisse der amerikanischen Regierung, die betont hatte, dass niemand zurückgerufen wurde und alle möglichen Ressourcen genutzt worden seien.

Der Diplomat Hicks, ehemals stellvertretender Leiter der Botschaft in Tripolis, stellte in der Anhörung in Frage, warum das US-Militär kein Flugzeug nach Libyen geschickt hatte und es den vier vorbereiteten Spezialeinheiten nicht genehmigt wurde, nach Bengasi zu reisen. Aufgrund dieser fehlenden Genehmigung hätten sie das Flugzeug nicht bestiegen und den Flug nach Bengasi verpasst.

Hätte die Spezialeinheit die Reise wie geplant angetreten, wäre es nach Auffassung von Gregory Hicks ncht zu der zweiten Attacke auf das US-Konsulat gekommen: "Ich glaube, dann hätte es keinen tödlichen Angriff auf den Anbau am Morgen gegeben", sagte Hicks laut einem Bericht des brititschen Guardian.

Bei dem Anschlag auf das US-Konsulat waren am 11. September US-Botschafter Chris Stevens und drei weitere Konsulatsmitarbeiter ums Leben gekommen. Extremisten hatten aus einer Demonstration heraus das Feuer auf das Konsulat eröffnet. Das FBI sucht im Zusammenhang mit dem Anschlag momentan drei Männer. Libysche Medien veröffentlichten einen Aufruf der Bundespolizei, Informationen zu den Gesuchten zu liefern. In dem Aufruf werden sie nicht als Verdächtige bezeichnet, sondern als "Personen, die zusätzliche Informationen zu dem Angriff liefern könnten".

Inzwischen gehen die USA davon aus, dass es sich nicht um einen spontanen, durch ein islam-kritisches Youtube-Video ausgelösten Gewaltausbruch handelte, sondern dass Terroristen aus dem Umfeld von al-Qaida die Protestaktion gezielt genutzt hätten, um US-Diplomaten zu töten. Nach dem Angriff hatten fast alle westlichen Staaten ihre Konsulate in der östlichen Hafenstadt geschlossen.

US-Präsident Barack Obama hatte sich von Journalisten und von den Republikanern fragen lassen müssen, weshalb Stevens und seine Mitarbeiter in Bengasi nicht ausreichend geschützt worden waren.

Eine unabhängige, vom Außenministerium eingesetzte Kommission hatte im Dezember 2012 schwere Sicherheitsmängel moniert und scharfe Kritik geübt. Vier Beamte des State Department traten anschließend zurück. Beobachter halten es für möglich, dass der Vorfall von Bengasi und die möglichen Versäumnisse eine etwaige Präsidentschaftskandidatur von Hillary Clinton beeinträchtigen könnten.