Terror in Paris Zwei Festnahmen in Brüssel - von Paris-Attentäter fehlt jede Spur

  • Die belgische Polizei hat im Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris zwei Menschen festgenommen.
  • Der international gesuchte Salah Abdeslam ist nicht unter ihnen.
  • Auf der Flucht aus Paris hat die französische Polizei sein Auto dreimal angehalten, ihn nach einer Ausweiskontrolle jedoch weiterfahren lassen.

Zwei Festnahmen in Molenbeek

Die belgische Polizei hat im Zusammenhang mit den Ermittlungen zu den Pariser Terror-Anschlägen eine Wohnung in Brüssel durchsucht und zwei Menschen festgenommen. Spezialkräfte seien an dem fünfstündigen Einsatz am Sonntagabend in Molenbeek beteiligt gewesen, teilte ein Justizsprecher mit. Salah Abdeslam, der an den Anschlägen in Paris beteiligt gewesen sein soll und mit internationalem Haftbefehl gesucht wird, sei aber nicht dabei.

Die französische Polizei kontrollierte Abdeslam drei Mal

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen ist Abdeslam auf der Flucht nach Belgien drei Mal von der französischen Polizei kontrolliert worden. Sie bestätigten damit einen am Sonntag in der französischen Zeitung "Le Parisien" erschienenen Artikel. Grundlage für die Berichte ist die Zeugenaussage von Hamza Attou, einem Freund von Abdeslam aus dem Brüsseler Viertel Molenbeek.

Attou und ein weiterer Freund, Mohammed Amri, sollen Abdeslam nach den Anschlägen vom 13. November mit dem Auto aus Paris abgeholt und nach Brüssel gefahren haben. Beide sitzen in Belgien in Untersuchungshaft. Attou zufolge drohte Abdeslam während der Fahrt, er werde das Auto zur Explosion bringen, sollte er nicht nach Brüssel gebracht werden. Er erinnerte demnach daran, dass sich auch sein an den Anschlägen in Paris beteiligter Bruder Brahim dort in die Luft sprengte und dass er selbst Menschen mit der Kalaschnikow getötet habe.

Attou zufolge erzählte Abdeslam während der Fahrt, dass er den Ausweis seines Bruders in einem Auto zurückgelassen habe, damit Brahim "weltweit bekannt" werde - "so wie Coulibaly". Amédy Coulibaly war am 9. Januar, zwei Tage nach dem Anschlag auf das Pariser Büro der Satirezeitung "Charlie Hebdo" mit zwölf Toten, in einen jüdischen Supermarkt der Hauptstadt eingedrungen. Er erschoss dort vier seiner jüdischen Geiseln, bevor die Polizei ihn tötete.

Bei einer Kontrolle gab Abdeslam sogar seine Adresse an

Während der Flucht von Paris nach Brüssel verlangte Abdeslam laut Attou, langsam zu fahren und kleine Straßen zu benutzen, um nicht in Polizeikontrollen zu geraten. Das Trio geriet jedoch auf die Autobahn nach Belgien und wurde drei Mal angehalten.

Bei der ersten Kontrolle habe sie der Polizist gefragt, ob sie etwas "konsumiert" hätten. Amri und Attou antworteten demnach "Ja", weil sie gerade einen Joint geraucht hatten. Der Polizist habe gesagt, das sei "nicht gut", doch weil es "heute nicht das Vordringliche" sei, habe er sie ohne Kontrolle ihrer Papiere weiterfahren lassen. Abdeslam habe derweil schweigend auf der Rückbank gesessen. Erst beim zweiten und dritten Mal wurden die Personalausweise kontrolliert.

Bei der dritten Kontrolle an einer Tankstelle in der Nähe von Cambrai habe Abdeslam sogar seine Adresse in Molenbeek angegeben, sagte die Quelle aus Ermittlerkreisen weiter. Zu diesem Zeitpunkt wurde noch nicht nach Abdeslam gefahndet. Als Abdeslam von der Toilette kam, war den Angaben zufolge seine Jacke offen. Darunter seien weder ein Sprenggürtel noch eine Kalaschnikow zu sehen gewesen.

Bei den Attentaten vom 13. November in Paris wurden 130 Menschen getötet und mehr als 350 weitere verletzt. Mehrere Attentäter hatten in Cafés, Restaurants und im Konzertsaal Bataclan sowie vor der Fußballarena Stade de France wahllos auf Menschen geschossen oder sich selbst in die Luft gesprengt. Die meisten Angreifer sind inzwischen identifiziert. Von Abdeslam fehlt seit den Anschlägen jede Spur. Seine genaue Rolle bei der Angriffsserie ist noch unklar.