Terror in Neu-Delhi Anschlag auf Obersten Gerichtshof - viele Tote

"Delhi ist eine Zielscheibe von Terroristen": Bei einem Bombenanschlag vor dem Obersten Gericht in Neu-Delhi sterben mindestens elf Personen, zahlreiche weitere werden verletzt. Der Sprengsatz detonierte kurz vor den ersten Anhörungen, als viele Menschen vor dem Gerichtsgebäude warteten.

Bei einer Bombenexplosion vor dem Obersten Gericht in der indischen Hauptstadt Neu Delhi sind mindestens elf Menschen ums Leben gekommen. Etwa 47 weitere seien zum Teil schwer verletzt worden, sagte Innenstaatssekretär R.K. Singh Reportern. Es wird befürchtet, dass die Opferzahl weiter steigt.

Indien Tote bei Explosion vor dem Obersten Gerichtshof

Bei einer Explosion vor dem Obersten Gerichtshof sind mehrere Menschen ums Leben gekommen, zahlreiche wurden verletzt.

(Video: Reuters)

Der Sprengsatz sei in einer Aktentasche versteckt gewesen, erklärte Singh. Die Polizei habe Teile der zerstörten Tasche sichergestellt. Mehrere indische Fernsehsender zitierten Quellen aus dem Innenministerium, nachdem es sich um einen terroristischen Anschlag handelt.

Nach Medienberichten bekannten sich radikal-islamische Extremisten zu der Tat. Wie die Nachrichtenagentur IANS berichtete, übernahm die Terrorgruppe Harkat-ul Jihadi-e-Islami (HuJI), die von den Nachbarländern Pakistan und Bangladesch aus operiert, in einer E-Mail an mehrere indische Medien die Verantwortung. Innenministerium und Sicherheitsbehörden prüften die Echtheit des Schreibens. HuJI war bereits in der Vergangenheit für Attentate in Indien verantwortlich gemacht worden. So soll die Gruppe unter anderem einen Anschlag in der Stadt Guwahati im nordostindischen Bundesstaat Assam verübt haben, bei dem im Oktober 2008 mehr als 80 Menschen getötet und etwa 400 verletzt worden waren.

Zu der Explosion vor einem der Haupteingänge des Gebäudes war es nach Medienberichten am Vormittag kurz vor den ersten geplanten Anhörungen des Tages gekommen. Bildern des Fernsehsenders NDTV zufolge riegelte die Polizei den Anschlagsort ab. Die indische Nachrichtenagentur PTI berichtete, dass zum Zeitpunkt der Explosion etwa hundert Menschen auf Einlass in das Gebäude mitten im Zentrum der indischen Hauptstadt gewartet hatten.

Die Explosion erschütterte das Gebäude, Anwälte und Richter flohen von dort nach draußen, wie einer der Juristen, Sanjiv Narula, berichtete. "Überall war Rauch. Menschen rannten, Menschen schrien. Überall war Blut. Es war sehr, sehr unheimlich", sagte er. Im indischen Fernsehen waren Rettungskräfte zu sehen, die Verletzte abtransportierten.

"Wir haben auf unseren Anwalt gewartet, als es eine heftige Explosion gab", sagte ein Augenzeuge dem Sender Times Now. "Dann lagen Körperteile um uns herum und Menschen schrien." Das Gerichtsgebäude befindet sich im Zentrum Neu Delhis. In unmittelbarer Nähe liegen unter anderem mehrere Regierungsgebäude und das indische Parlament. Auch zahlreiche Politiker und Bürokraten haben in dem Stadtgebiet ihre offiziellen Residenzen.

Die Detonation habe sich kurz nach 10 Uhr ereignet, teilte Polizeisprecher Mohamed Akhalaque mit. Die Explosion war bereits die zweite in der Nähe des Obergerichts in diesem Jahr. Am 25. Mai war es auf dem Parkplatz des Gerichts zu einer kleinen Detonation gekommen, als offenbar eine Autobombe nicht richtig zündete. In Neu Delhi und anderen Großstädten des Landes wurden die Sicherheitsvorkehrungen vor wichtigen Gebäuden und Einrichtungen der Regierung verschärft.

"Ziel für terroristische Gruppen"

Die indische Regierung verurteilte die Bombenexplosion vor dem Obersten Gericht in Neu Delhi als "Terroranschlag". Ministerpräsident M. Singh sagte: Wir werden uns niemals dem Druck der Terroristen beugen." Und: "Das ist ein langer Krieg, in dem alle Parteien und alle Bürger Indiens vereint sein müssen, um die Geißel des Terrorismus zu zerschlagen." Die Tat sei ein Versuch, das Land zu destabilisieren und Angst zu schüren, hieß es in einer Erklärung von Innenminister P. Chidambaram, die im Parlament verlesen wurde. Die indische Hauptstadt sei "eine Zielscheibe von Terroristen". Zum derzeitigen Zeitpunkt sei es aber noch nicht möglich, die Hintermänner der Tat ausfindig zu machen, teilte Chidambaram mit. Er sprach den Familien der Opfer sein Mitgefühl aus und rief das Land zur Einheit auf.

In Indien hat es in den vergangenen Jahren zahlreiche schwere Terroranschläge gegeben. Erst Mitte Juli waren bei der Explosion von drei Sprengsätzen in der Finanzmetropole Mumbai (Bombay) 26 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt worden. Mumbai war im November 2008 auch Schauplatz einer dreitägigen Terrorserie, bei der Angehörige einer aus Pakistan operierenden Extremistengruppe unter anderem zwei Luxushotels besetzt und mehr als 160 Menschen getötet hatten.

Auch in Neu Delhi kam es immer wieder zu Anschlägen. Im September 2008 starben mehr als 20 Menschen bei Explosionen in drei Stadtteilen. Im Oktober 2005, wenige Tage vor dem populären Hindu-Lichterfest, kamen bei einer Bombenserie insgesamt 60 Menschen ums Leben. Mehr als 250 wurden verletzt. Das Oberste Gericht war im Mai dieses Jahres Ziel eines Anschlags. Vor dem Gebäude explodierte ein Sprengsatz, durch den jedoch niemand verletzt wurden.