Kurz vor der Bundestags-Abstimmung über das Afghanistan-Mandat attackieren Selbstmordattentäter Kabul. Unter den Toten sind auch Ausländer.

Bei einem Anschlag auf ein Einkaufszentrum und ein benachbartes Hotel in Kabul sind am Freitag mindestens 15 Menschen ums Leben gekommen. Augenzeugen berichteten von heftigen Schießereien. Wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in der afghanischen Hauptstadt mitteilte, wurden 18 weitere Menschen verletzt.

Terror in Kabul Taliban Afghanistan AFP

Ein Bild der Zerstörung: Der Anschlagsort in Kabul (© Foto: AFP)

Anzeige

Andere Quellen sprechen von 17 Toten und 32 Verletzten.

Unter den Opfern sind mehrere Ausländer. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner bestätigte in Paris den Tod eines Franzosen, der sich zu einem Besuch in Afghanistan aufgehalten habe. Der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Semarai Baschari, sagte, bei dem Anschlag sei auch ein Italiener getötet worden. Ein Vertreter der indischen Botschaft in Kabul, der namentlich nicht genannt werden wollte, bestätigte zudem den Tod mehrerer Inder.

Wie der Sender Tolo TV meldete, sollen in dem Hotel im Stadtzentrum mehrheitlich indische Staatsbürger untergebracht gewesen sein sollen. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür bislang nicht.

Starke Polizeikräfte riegelten das Gebiet ab. Auf Fernsehbildern waren beschädigte Geschäfte zu sehen, ebenso wie eine leicht beschädigte Fassade des Hotels. Über dem Gebiet standen Rauchwolken.

Nach Berichten von Augenzeugen sprengten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft. Danach kam es zu einem Schusswechsel. Zu dem Terrorakt bekannte sich die Taliban-Miliz.

Ein Sprecher der Organisation, Sabiullah Mudschahid, sagte, dass fünf Selbstmordattentäter zwei von Ausländern benutzte Gebäude angegriffen hätten.

Westerwelle kündigt Pressekonferenz an

In Kabul waren erst Mitte Januar bei koordinierten Angriffen und Selbstmordanschlägen der radikal-islamischen Taliban mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. Im vergangenen Oktober waren bei einem Selbstmordanschlag auf die indische Botschaft mindestens zwölf Menschen getötet worden.

Bereits im Juli 2008 starben ebenfalls bei einem Selbstmordanschlag auf die indische Botschaft mehr als 40 Menschen, darunter zwei indische Diplomaten. Indien hat keine Truppen in Afghanistan, engagiert sich aber massiv beim zivilen Wiederaufbau.

Die aktuellen Anschläge in Kabul trugen sich vor einer wichtigen Entscheidung im fernen Berlin zu. Der Bundestag entscheidet darüber, ob mehr deutsche Soldaten nach Afghanistan geschickt werden.

Die Zahl der Bundeswehrsoldaten in der Isaf-Schutztruppe soll von derzeit 4.500 auf 5.350 aufgestockt werden. Davon sind 350 Männer und Frauen als "flexible Reserve" vorgesehen. Das Mandat ist auf ein Jahr befristet.

Die Regierung hat dazu einen Antrag vorgelegt, über den namentlich abgestimmt wird. Der Auswärtige Ausschuss hat bereits zugestimmt. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) will sich in einer Pressekonferenz zur deutschen Afghanistan-Politik und anderen aktuellen Fragen äußern.

Im Video: In unmittelbarer Nähe zum größten Einkaufszentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul hat sich am frühen Freitagmorgen ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt und dabei mehrere Menschen getötet.

Weitere Videos finden Sie hier

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(dpa/apn/AFP/odg/jobr)