Gewalt in Ägypten Zwei Demonstranten sterben auf Tahrir-Platz

Seit dem Sturz von Präsident Mursi reißt die Gewalt in Ägypten nicht ab. Bei Zusammenstößen auf dem Tahrir-Platz in Kairo wurden zwei junge Männer getötet. Auch im Norden der Sinai-Halbinsel gab es Tote und Verletzte.

Bei nächtlichen Zusammenstößen zwischen Anhängern und Gegnern von Armeechef Abdel Fattah al-Sisi auf dem Tahrir-Platz in Kairo sind zwei junge Männer getötet worden. Beide Männer sollen in der Nacht auf dem Platz von Schrotkugeln am Kopf getroffen worden sein. Wer auf sie geschossen hat, blieb zunächst unklar.

Insgesamt zählten die Behörden 35 Verletzte. Tausende von Aktivisten revolutionärer Jugendgruppen hatten auf dem Tahrir-Platz an den Tod von 47 Demonstranten bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Aktivisten vor zwei Jahren erinnert. Auf ihren Plakaten stand der alte Slogan aus der Zeit der Proteste gegen Präsident Husni Mubarak 2011: "Brot, Freiheit und soziale Gerechtigkeit!"

Außerdem riefen die Aktivisten Parolen gegen den Armeechef, gegen die vom Militär entmachtete Muslimbruderschaft sowie gegen die "Überreste des alten Mubarak-Regimes". Als der Kreis der Demonstranten in der Nacht auf wenige Hundert zusammengeschrumpft war, setzten die Sicherheitskräfte Tränengas ein, um die restlichen Aktivisten und einige gewaltbereite Jugendliche zu vertreiben. Medienberichten zufolge wurden 18 Demonstranten festgenommen.

Auch im Rest des Landes gab es neue Gewaltausbrüche: Im Norden der Sinai-Halbinsel starben am Mittwochvormittag zwölf ägyptische Soldaten bei einem Selbstmordanschlag. 35 seien bei dem Attentat nahe der Stadt Al-Arisch schwer verletzt worden, hieß es aus Sicherheitskreisen.

Die Soldaten fuhren in einem Konvoi in Richtung des Grenzübergangs Rafah zum Gazastreifen. Der Selbstmordattentäter sei mit einem Auto neben einen Bus der Armee gefahren und zündete dann eine in dem Fahrzeug versteckte Bombe. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Ebenfalls am Mittwoch detonierte eine Bombe an einem Kontrollpunkt in Kairo, wie das ägyptische Fernsehen berichtete. Dabei seien drei Menschen getötet worden.

Der Norden der Sinai-Halbinsel hat sich in den vergangenen zwei Jahren zu einem Rückzugsort für militante Islamisten entwickelt. In den vergangenen Monaten gab es dort mehrere blutige Anschläge auf Armee-Einheiten. Die Armee begann daraufhin im September eine Offensive gegen militante Islamisten in dem dünnbesiedelten Wüstengebiet an der Grenze zu Israel und dem Gazastreifen. Außerdem zerstörte sie in den vergangenen Monaten zahlreiche Schmugglertunnel zwischen Ägypten und dem Gazastreifen und zog so auch den Zorn der dortigen Schmuggler auf sich.

Die Gewalt in Ägypten hat seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi am 3. Juli durch die Armee deutlich zugenommen. Landesweit wurden seitdem etwa hundert Polizisten getötet, die Mehrheit davon auf dem Sinai, wo das Verhältnis der Beduinen-Stämme zur Regierung in Kairo seit langem gespannt ist.