Die deutsche Justiz nutzt zunehmend das umstrittene Mittel der Telefonüberwachung - seit 2007 sind die Zahlen nach SZ-Informationen um elf Prozent gestiegen. Die Grünen schlagen Alarm.
Die deutsche Justiz greift immer häufiger zum umstrittenen Mittel der Telefonüberwachung. 2008 ist die Zahl der Verfahren, in denen Telefongespräche und Computerkommunikation abgehört oder überwacht wurden, um elf Prozent gestiegen. Das geht aus einer Statistik des Bundesamtes für Justiz hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. So gab es im vergangenen Jahr 5348 solche Verfahren, 2007 waren es 4806. Insgesamt 16463 Mal wurden Überwachungsmaßnahmen angeordnet.
Bild vergrößern
Die Häufigkeit der Telefonüberwachung bei Verdacht auf Drogenhandel hat seit 2007 sogar um 50 Prozent zugenommen. (© Foto: dpa)
Anzeige
Besonders drastisch ist der Anstieg mit 30 Prozent in Bayern ausgefallen, wo im vergangenen Jahr 1023 Verfahren mit Telekommunikationsüberwachung registriert wurden. Im Vorjahr waren es 782 gewesen.
"Alarmierend"
Die genannten Zahlen beziehen sich allerdings nur auf die Abhörmaßnahmen auf Basis der Strafprozessordnung, also im Rahmen laufender Ermittlungs- und Strafverfahren wegen eines konkreten Verdachts auf eine Straftat. Abhöraktionen und Lauschangriffe der Polizei zu präventiven Zwecken sind hier nicht enthalten.
Ebenso wenig enthalten sind die Eingriffe der Geheimdienste in das Fernmeldegeheimnis. Letztere werden auch nicht von der Justiz kontrolliert, sondern von der sogenannten G-10-Kommission des Parlaments (benannt nach Artikel 10 Grundgesetz, der das Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnis schützt).
Durch die gestiegenen Zahlen fühlen sich die Grünen in ihrer Kritik an der Telefonüberwachung bestätigt. "Alarmierend" nannte Grünen-Vorstandsmitglied Malte Spitz die Entwicklung. "Die Überwachung wird immer stärker zum Einstiegs- und Regelinstrument der Strafverfolgung, obwohl sie eigentlich nur bei erheblichen Straftaten im begrenzten Umfang genutzt werden sollte. Die Verhältnismäßigkeit ihrer Anwendung steht daher immer stärker in Frage", kritisierte er am Dienstag.
"Klare Kriterin nötig"
Zulässig ist die Überwachung der Telekommunikation laut Strafprozessordnung nur bei schweren Straftaten wie Mord, sexuellem Missbrauch von Kindern, aber auch bei Verfahren wegen Drogenhandels. Genau diese waren der Statistik zufolge 5498 Mal und damit mit Abstand der häufigste Anlass für Telefonüberwachung. Verglichen mit 2007 ist das ein Anstieg um 50 Prozent.
Die Telefonüberwachung müsse dringend reformiert werden, forderte Spitz. Nötig seinen "klare Kriterien, wann und wie begrenzt in Einzelfällen überwacht werden darf". In seinem jüngsten Jahresbericht hatte auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, "erhebliche datenschutzrechtliche Defizite" bei der geltenden gesetzlichen Regelung der Telefonüberwachung beklagt.
Vorratsdatenspeicherung
Der erneute Anstieg der Überwachungsfälle sei bedauerlich, hieß es am Dienstag aus seiner Behörde. Der Katalog der Straftaten, die Telefonüberwachung rechtfertigen, müsse endlich reduziert werden. Zuletzt sei aber das Gegenteil geschehen.
Intensiv genutzt wird den Zahlen zufolge auch die Vorratsdatenspeicherung. Seit 1. Januar 2008 müssen Telekommunikationsanbieter alle Verbindungsdaten für sechs Monate speichern. Bei Mobiltelefonaten ist auch der Standort bei Gesprächsbeginn zu registrieren. In 8316 Verfahren nutzten Staatsanwälte solche "Verkehrsdaten".
In etwa der Hälfte der Fälle waren die Daten allerdings nicht älter als einen Monat. Die Grünen kritisieren die Vorratsdatenspeicherung als "absolut unverhältnismäßiges Instrument der Verbrechensbekämpfung" und als einen der "intensivsten Eingriffe in unsere Grundrechte".
- Thema
- Abhörskandal RSS
- Berlusconi gegen die Abhörwut Der Cavaliere als Datenschützer 11.06.2008
- Telefonüberwachung Abhör-Rate steigt um mehr als acht Prozent 07.05.2008
- Terrorabwehr Telefonüberwachung war rechtens 24.01.2008
- Telefonüberwachung Der Staat muss zahlen 13.12.2007
- Telekommunikationsüberwachung Feind hört mit 14.09.2009
- Abhörskandal in Großbritannien Abhören und Tee trinken 17.07.2009
- Abhörskandal in Großbritannien Der Krake Murdoch 13.07.2009
(SZ vom 23.09.2009/ehr)
Bundespräsident Gauck in Israel
Wenn man bedenkt, dass eine überwachte Person ca. 100 verschiedene Kommunikationskontakte hat, dann ist man bei 16463 überwachten Anschlüssen, schnell auf der Gesamtzahl von 1,6 Million in irgendeiner Form überwachter Bürger angelangt. Natürlich zählen hierzu auch Telefonate zum Beispiel mit dem Pizzaservice.
Abhörmaßnahmen des Verfassungsschutzes werden nicht mitgezählt. Hier könnte man noch mal locker ca. eine halbe Million dazurechen. Ganz zu schweigen von der strategischen Kommunikationsüberwachung, bei der die gesamte Kommunikation der Bundesbürger durch Wort-Filteranlagen an den Knotenpunkten der Netzbetreiber läuft.
...und die deutschen Staatsorgane schützen nicht den Bürger, sondern unterstützen einen fremden Staat. "Wir schwören, den Vereinigten Staaten treu zu dienen...."
Das: Stichwort: Echolon der NSA.
Jedes Telefonat, jede email, jedes FAX wird weltweit gefiltert und geht durch deren Rechner. Sich dann darüber aufzuregen, dass die Justiz auch in den kriminellen Einzelfällen mithört, ist nur noch albern.
Bereits seit dem Jahr 2005 täuscht die Merkel täuscht die Bürger : Die Menschenrechtslage in Deutschland hat sich - nicht zuletzt durch das BKA-Gesetz - drastisch verschlechtert, die Bürgerrechtsverletzungen schwerster Art werden - mit Billigung der Merkel - unverändert fortgesetzt. Hinzu kommt, dass die Merkel systematisch die Strafverfolgung der dafür verantwortlichen Rechtsbrecher hintertreibt.
In Deutschland sind die Bürgerrechte schon vollständig ausgehöhlt und die letzten Restbestände der Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt.
Die Merkel muss weg.
Nur damit es jeder weiß, sollte man immer dabei schreiben, wem wir das verdanken. In diesem Fall Schäuble CDU. Eine Glanzleistung, denn es ist wohl auch klar, soviel Terroristen gibt es in ganz Europa nicht, wie hier abgehört wird.
Für die Telefonüberwachung den einen oder die andere Moderatorin der SZ anstellen.
Hier dürfte die bessere Bezahlung stattfinden, der Frust dadurch geringer - denn
die löschen die harmlosen Sachen doch sofort raus ;-)))
Paging