Teheran Iraner protestieren gegen Währungsverfall

Die Landeswährung Rial ist im Sturzflug - und den Schuldigen haben die Iraner schon gefunden: Bei Protesten in der Hauptstadt warfen wütende Demonstranten Präsident Ahmadinedschad eine falsche Wirtschaftspolitik vor. Die Polizei musste Tränengas einsetzen.

In Iran ist es am Mittwoch aus Wut über die Wirtschaftspolitik und den Sturzflug der Landeswährung zu heftigen Protesten gekommen. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein, unter denen auch Devisenhändler waren. Präsident Mahmud Ahmadinedschad habe mit seiner Politik die Wirtschaft in eine Krise gestürzt, skandierten sie.

Die iranische Währung Rial ist wegen der internationalen Sanktionen im Atomstreit in den vergangenen Tagen immer weiter eingebrochen. Viele Iraner tauschten ihre Rial-Bestände in harte Währungen. Dem freien Handel mit dem Rial will Iran nun einen Riegel vorschieben.

Der Verfall der Landeswährung führt schon jetzt zu einem sinkenden Lebensstandard. Die offiziell ermittelte Teuerungsrate beträgt bereits 25 Prozent. Die Tendenz geht weiter nach oben.

Der große Basar im Zentrum der Stadt blieb am Mittwoch geschlossen. Der Betreiber eines Haushaltswarengeschäftes sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass wegen der Unbeständigkeit des Rial kaum noch akkurate Preise festgelegt werden könnten. Von offizieller Seite hieß es, dass der Basar aus Sicherheitsgründen am Mittwoch geschlossen bleibe, aber am Donnerstag wieder geöffnet werden solle.

Auch im Parlament musste sich Ahmadinedschad Unfähigkeit in Bezug auf die Wirtschaft vorwerfen lassen. Die Sanktionen gegen Iran haben die Banken des Landes vom internationalen Zahlungsverkehr weitgehend abgeschnitten und behindern auch die Öl-Exporte, die wichtigste Einnahmequelle des Staates. Nach Schätzungen Israels sind Iran durch das Embargo zwischen 45 und 50 Milliarden Dollar an Öleinnahmen entgangen.

Ahmadinedschad erklärte, dass "die Feinde" die Ausfuhren behinderten. "Wir werden das hoffentlich ausgleichen können." Die Zentralbank habe genug harte Devisen bereitgestellt, um die Importe zu finanzieren.

Ahmadinedschad warf den Gegnern der Islamischen Republik vor, einen "psychologischen Krieg" zu führen. Es gebe für den Kursverlauf des Rial keinen wirtschaftlichen Grund. In der vergangenen Woche hatte die Regierung ein Währungszentrum eingerichtet, das Importeure mit Dollar versorgen soll. Das scheint den Rial-Kursverfall eher beschleunigt zu haben.

Dagegen sagte Wirtschaftsminister Schamseddin Hosseini der Nachrichtenagentur Mehr, das Währungszentrum werde Schritt für Schritt fertiggestellt "und das führt schließlich dazu, dass den Gaunern das Handwerk gelegt wird".

Der Rial hat seit Juni 2011 etwa zwei Drittel seines Wertes zum Dollar verloren. Der Verfall beschleunigte sich zuletzt. Händler in Teheran sagten der Nachrichtenagentur Reuters telefonisch am Dienstag, für einen Dollar müssten rund 37.500 Rial bezahlt werden. Acht Tage zuvor habe der Kurs noch bei 24.600 Rial gelegen. Wegen der politischen Brisanz bestanden die Händler auf Anonymität.

Der Agentur Mehr zufolge lag der Kurs am Mittwoch bei 36.100 Rial. Händler reagierten auf Anrufe von Reuters nicht. Zudem gab es Anzeichen, dass sie den Händel eingestellt haben. Auf der Internetseite Mazanex, die Kurse bereitstellt, hieß es: "Leider ist der Zugang zu dieser und verschiedenen ähnlichen Seiten nicht mehr möglich."

SarafiJalali.com - ein Geldwechsler - teilte mit: "Im Sinne der Politik der Zentralbank der Islamischen Republik des Iran und als Hilfe zur Organisation des Devisenmarktes des Iran, stellen wir derzeit keine Kurse bereit. Abhängig der Genehmigung der Zentralbank wird ein neuer Kurs bekanntgegeben."