Von Peter Blechschmidt

Mit Entführungsdrohungen, Ultimaten und oftmals falschen Todesmeldungen versuchen die Taliban, politische Entscheidungen in jenen Ländern zu beeinflussen, die Truppen nach Afghanistan entsandt haben.

Wenn es nicht so bitterernst wäre, dann wäre es fast schon komisch. Auf ihrer Homepage www.murchal.8rf.com, auf der die Taliban ihre Propaganda verbreiten, nehmen die Radikal-Islamisten ein Copyright in Anspruch. Das soll wohl heißen: Über die Mitteilungen darf nicht ohne Quellenangabe berichtet werden.

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Auf die Nennung der Quelle legen die ,,Zeremonienmeister des Terrors'', wie der Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin, Martin Jäger, die Propagandisten der Taliban bezeichnet, großen Wert. Denn sie wollen öffentliche Wirkung erzielen.

Zentrales "Medienkomitee"

Es geht ihnen darum, mit ihren Entführungsdrohungen, Ultimaten und oftmals falschen Todesmeldungen die politischen Entscheidungen in jenen Ländern zu beeinflussen, die Truppen nach Afghanistan entsandt haben. Deshalb ist Deutschland stark in den Fokus der Terroristen gerückt. Hier muss im Herbst der Bundestag darüber entscheiden, wie es mit dem Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan weitergehen soll.

Gesteuert wird die Propagandatätigkeit durch ein zentrales ,,Medienkomitee'', das der Bundesnachrichtendienst in der pakistanischen Stadt Quetta geortet hat. Telefonnummern und E-Mail-Adressen der Komitee-Mitglieder kann man im Internet abrufen. Zu trauriger Berühmtheit hat es inzwischen Kari Jussef Ahmadi gebracht, der in den aktuellen Entführungsfällen der Südkoreaner und des deutschen Bauingenieurs Rudolf B. als Sprachrohr der Taliban fungiert.

Die deutschen Sicherheitsbehörden wissen nicht viel über ihn, außer dass man ihn tatsächlich für einen autorisierten Sprecher der Taliban hält. Zwei seiner Vorgänger sind den pakistanischen Behörden schon bei Grenzkontrollen ins Netz gegangen. ,,Die Personalfluktuation in diesem Bereich ist relativ hoch'', vermerkt ein deutscher Sicherheitsbeamter nicht ohne eine gewisse Genugtuung.

Andererseits sind die Möglichkeiten schon sehr begrenzt, die Propaganda-Aktivitäten der Taliban zu stoppen. Wird einer ihrer Internet-Server ausfindig gemacht und ausgeschaltet, steht schon der nächste irgendwo im weltweiten Netz bereit.

Ein gewaltsamer Zugriff auf einen identifizierten Schlupfwinkel etwa inmitten eines paschtunischen Siedlungsgebiets wäre nur pakistanischen oder afghanischen Kräften möglich, die dazu jedoch meistens weder Ausrüstung noch Ausbildung haben, abgesehen davon, dass eine solche Operation wohl einen Aufruhr auslösen würde, weshalb die Behörden davor zurückschrecken. Das bedeutet, dass die Taliban ihre Propaganda-Offensive relativ unbehelligt weiterführen können.

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(SZ vom 1.8.2007)