Taiwans Präsident Chen wollte die Insel von China unabhängig machen - doch er hat bei den Parlamentswahlen eine vernichtende Niederlage erlitten. Die Taiwaner wollen lieber abhängig bleiben.
Taiwans Präsident Chen Shui-bian hat ein klares Ziel: Er will die Insel in Richtung Unabhängigkeit steuern.
Taiwans Präsident Chen entschuldigt sich bei seiner Partei für deren größte Wahlniederlage. (© Foto: afp)
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Doch in seinem Streben nach einem eigenständigen Taiwan hat Chen nun eine vernichtende Niederlage erlitten: Die oppositionelle Nationalpartei, die China gegenüber konzilianter ist, siegte bei den Parlamentswahlen auf ganzer Linie.
Die Spannungen mit der Volksrepublik waren der entscheidende Grund für das Debakel von Chen und seiner Partei DPP.
Chens aggressive Politik gegenüber der Volksrepublik ist seit längerem umstritten. So hat die internationale Gemeinschaft im vorletzten Jahr zu Recht ein Gesetz verurteilt, mit dem Peking einen potentiellen Krieg um Taiwan legalisierte; gleichzeitig war jedoch klar, dass Chen und die Fortschrittspartei an dieser Entwicklung nicht unschuldig waren.
Selbst die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice nannte Chens Vorgehen "provokativ".Die meisten Taiwanesen sind sich der eigenen Identität ihrer Republik bewusst, aber sie wollen dafür nicht die Wirtschaftsbeziehungen mit dem boomenden China torpedieren.
Taiwan hat sich noch immer nicht vollständig von einer Rezession im Jahr 2001 erholt, nicht zuletzt wegen Chens Abenteurertum. Die Börse hinkt anderen in Asien hinterher. Von entspannteren Beziehungen zu Peking erhofft man sich in Taiwan eine wirtschaftliche Erholung.
Nach diesem unerwarteten Wählerentscheid ist der Kandidat der oppositionellen Nationalisten, Ma Ying-jeou, nun Favorit für die Präsidentenwahl im März.
Dem wenig charismatischen DPP-Kandidaten Frank Hsieh bleibt nun nicht viel mehr übrig, als sich durch ein weiteres Abrücken von der Politik Chens als moderater Politiker zu empfehlen.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
(SZ vom 14.01.2008/jkr)
Protest gegen dritte Startbahn
Ich bin enttäuscht über die Süddeutsche Zeitung, selten habe ich so etwas verfehltes in einer seriösen Zeitung gelesen, ich war jahrelang Leser der Süddeutschen und muss das wohl überdenken, denn wer sagt mir, dass sie nicht in anderen Themen, in der ich mich nicht so gut auskenne offensichtlich ebenfalls keine Ahnung haben und nur Schrott schreiben...
dazu stammt der Kommentar und das auch von einem angeblichen "China-Kenner", hier wird aber offensichtlich, dass er keine Recherchen unternommen hat und nur mutmasst oder interpretiert und das auch noch zutiefst falsch... kein Wunder, dass er aus China geschmissen wurde, da er nur nach seinem Bild mutmasst statt jorunalistisch zu recherchieren....
Ich rate jedem Leser hier die ersten zwei Kommentare zu lesen, da sie die Sachlage deutlicher darstellen und vor allem: richtig!
es ist doch wohl jedem klar, der sich mit Taiwan ein bisschen auskennt, dass die Taiwaner längst "formal" unabhängig wären, wenn sie nicht von China militärisch bedroht würden, man sollte auch den diplomatischen Druck der USA und der EU (vor allem aus Frankreich und Deutschland) nicht unterschätzen, die sich gegen eine Unabhängigkeit Taiwans aussprachen...
und wozu sollen die Taiwaner ihre "defacto" Unabhängigkeit riskieren um eine offensichtlich von der Weltgemeinschaft nicht gewünschte "dejure" zu erreichen, wenn sie dadurch nur noch mehr als die Buhmänner in der demokratisch westlichen Welt darstehen würden, wenn sie ihre demokratischen Freiheiten genutzt hätten...
es war nicht die Aussenpolitik der DDP enstcheidend für die Wahlniederlage, sondern ,wie der Kommentator vor mir treffend schreibt, die Innen- und Wirtschaftspolitik der DPP, entscheidend beigetragen für die hohe Niederlage war auch die vielen Korruptionsskandalen innerhalb der Partei...
Der Kommentar erweckt den Eindruck, dass die taiwanesischen Wähler sich bei der Parlamentswahl vom 12. Jan. implizit für eine Wiedervereinigung mit dem Festland China entschieden hätten und dass die Frage des Verhältnisses zu China wahlentscheidend gewesen sei.
Wer aber die Medien in Taiwan verfolgt und mit Taiwanesen gesprochen hat, findet die Hauptgründe der Niederlage der DDP unter der Führung von Präsident Chen Shui-bian in der Innenpolitik: Korruption, Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit, vergrößerte Kluft zwischen Arm und Reich, Scheitern der Bildungsreform und wirtschaftliche Probleme.
Die Wähler werden beobachten, ob die Nationale Partei (KMT) unter Ma Ying-jeou ein glaubwürdiges Team bildet und Taiwans Wirtschaft wieder auf Trab bringt.
Die KMT muss nicht nur ihre andauernden strukturellen Probleme und ihre interne Zerrissenheit in der Haltung gegenüber China bewältigen, sondern auch mit Entschlossenheit eine transparente, demokratische Funktionsweise in ihrer Partei einführen.
Ein Schmuse-Kurs mit dem kommunistischen Regime, von einigen ehemals hochrangigen Vertretern der KMT und von weiteren Pro-China-Politikern und Geschäftsleuten in den vergangenen Jahren verfolgt, schadet den politischen und wirtschaftlichen Belangen Taiwans und Taiwan als erster demokratischer Republik in der chinesischen Geschichte. Und damit auch viele Chinesen auf dem Festland enttäuschen, die sehnsüchtig auf innenpolitische Reformen hoffen.