Ein Kommentar von Henrik Bork

Taiwans Präsident Chen wollte die Insel von China unabhängig machen - doch er hat bei den Parlamentswahlen eine vernichtende Niederlage erlitten. Die Taiwaner wollen lieber abhängig bleiben.

Taiwans Präsident Chen Shui-bian hat ein klares Ziel: Er will die Insel in Richtung Unabhängigkeit steuern.

Taiwans Präsident Chen entschuldigt sich bei seiner Partei für deren größte Wahlniederlage. (© Foto: afp)

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Doch in seinem Streben nach einem eigenständigen Taiwan hat Chen nun eine vernichtende Niederlage erlitten: Die oppositionelle Nationalpartei, die China gegenüber konzilianter ist, siegte bei den Parlamentswahlen auf ganzer Linie.

Die Spannungen mit der Volksrepublik waren der entscheidende Grund für das Debakel von Chen und seiner Partei DPP.

Chens aggressive Politik gegenüber der Volksrepublik ist seit längerem umstritten. So hat die internationale Gemeinschaft im vorletzten Jahr zu Recht ein Gesetz verurteilt, mit dem Peking einen potentiellen Krieg um Taiwan legalisierte; gleichzeitig war jedoch klar, dass Chen und die Fortschrittspartei an dieser Entwicklung nicht unschuldig waren.

Selbst die amerikanische Außenministerin Condoleezza Rice nannte Chens Vorgehen "provokativ".Die meisten Taiwanesen sind sich der eigenen Identität ihrer Republik bewusst, aber sie wollen dafür nicht die Wirtschaftsbeziehungen mit dem boomenden China torpedieren.

Taiwan hat sich noch immer nicht vollständig von einer Rezession im Jahr 2001 erholt, nicht zuletzt wegen Chens Abenteurertum. Die Börse hinkt anderen in Asien hinterher. Von entspannteren Beziehungen zu Peking erhofft man sich in Taiwan eine wirtschaftliche Erholung.

Nach diesem unerwarteten Wählerentscheid ist der Kandidat der oppositionellen Nationalisten, Ma Ying-jeou, nun Favorit für die Präsidentenwahl im März.

Dem wenig charismatischen DPP-Kandidaten Frank Hsieh bleibt nun nicht viel mehr übrig, als sich durch ein weiteres Abrücken von der Politik Chens als moderater Politiker zu empfehlen.

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(SZ vom 14.01.2008/jkr)