Um ihre Verhandlungspartner im Ausland zu verstehen, setzt die Bundeskanzlerin auf Simultanübersetzung. Die jedoch bringt das modische Problem Kopfhörer mit sich - im Lima aber fand Merkel dafür die ideale Lösung.
4. Tag, 16. Mai. Die Kanzlerin nimmt den ganzen Tag über am fünften EU-Lateinamerika-Gipfel in Lima teil. Dabei trifft sie auch auf den venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez, der sie in den Tagen zuvor wiederholt scharf angegriffen hatte. Chavez versichert der Kanzlerin, er habe sie nicht beleidigen wollen. Wetter in Lima: Starke Bewölkung, sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Stimmung der Kanzlerin: Morgens kurz angebunden, abends zufrieden und zu Scherzen aufgelegt.
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So zerstören Kopfhörer nicht die Frisur - sehen allerdings leider nur mäßig elegant aus. (© Foto: ddp)
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Außenpolitik dient - um einmal ein großes Wort zu benutzen - der Völkerverständigung. Diese setzt voraus, dass sich Politiker bei Staatsbesuchen gegenseitig verstehen und von allen anderen auch verstanden werden, wofür die Welt der Diplomatie die Simultan-Übersetzung erfunden hat und als deren wichtigstes Utensil den Kopfhörer. Während also ein Politiker wie zum Beispiel der peruanische Präsident Alan Garcia in einer Pressekonferenz spanisch spricht, bekommt seine Besucherin Angela Merkel die deutsche Übersetzung praktisch zeitgleich auf die Ohren.
Merkels Vorgänger Gerhard Schröder bevorzugte noch die sogenannte konsekutive Übersetzung. Dabei spricht erst der Politiker, ein Dolmetscher stenografiert mit und übersetzt anschließend das Gesagte in die Sprache des anderen Politikers.
Es genügen mathematische Grundkenntnisse, um zu errechnen, dass sich der Zeitaufwand bei diesem Verfahren verdoppelt, wohingegen sich die verbleibende Zeit zum Regieren im Umkehrschluss halbiert. Auch eine bessere Qualität der Übersetzung ist nicht garantiert: Nach einem Besuch von US-Außenministerin Condoleeza Rice bei Schröder vor einigen Jahren war der mitgereiste Dolmetscher der letzten verbliebenen Supermacht mit der konsekutiven Übersetzung so überfordert, dass er mitten in der laufenden Pressekonferenz von einer deutschen Kollegin ersetzt werden musste.
Die mittlerweile amtierende Nachfolgerin Schröders bevorzugt die Simultan-Übersetzung. Mit dem politischen Aufstieg Angela Merkels verbindet sich also in gewisser Weise auch eine Parallel-Karriere des für die Simultan-Übersetzung unverzichtbaren Kopfhörers, ja zufälligerweise geradezu ein Siegeszug des Kopfhörers im internationalen Konferenzwesen, wo fast nur noch simultan übersetzt wird.
Allerdings verbinden Angela Merkel und den Kopfhörer auch einige Probleme. Und selten war eine Reise der Kanzlerin in dieser Hinsicht so instruktiv wie die Reise Merkels nach Lateinamerika.
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Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
Protest gegen dritte Startbahn
Neben den amüsanten Fotos freut uns Ihr Artikel, weil hier hervorragend zur Geltung kommt, dass Kanzlerin Merkel wie auch ihre Vorgänger ein bekennender Fan der Verdolmetschung ist, sei es nun als Simultan- oder Konsekutivdolmetschen.
Und das ganz zu Recht! Denn sie hat es dank der zuständigen Sprachendienste stets mit exzellenten Vertretern unserer Zunft zu tun.
Die Berufsbezeichnungen Dolmetscher, Simultandolmetscher, Konferenzdolmetscher sind nicht geschützt. Deshalb müssen die Bewerber strengen Kriterien wie Hochschulausbildung, Auslandserfahrung, Berufserfahrung etc. genügen. Dies sind Auswahlkriterien, die auch für die Aufnahme in einen der einschlägigen Berufsverbände für Konferenzdolmetscher (wie VKD oder aiic) zur Anwendung kommen. Mit solchen Dolmetschern kann man sich hören lassen!
Erlauben Sie mir daher eine Anmerkung zu der angesprochenen Auswechslung des Dolmetschers bei einer Pressekonferenz mit Ex-Bundeskanzler Schröder: Simultan- und Konsekutivdolmetschen erfordern ein enormes Maß an Konzentration, weshalb sich die Dolmetscher regelmäßig nach 20-30 min abwechseln. Bei einer simultan verdolmetschten Pressekonferenz würde man das nur daran merken, dass plötzlich eine andere Stimme über die Kopfhörer zu vernehmen ist. Beim Konsekutivdolmetschen hingegen ist de facto ein Wechsel auf dem Podium erforderlich. Wenn also gewechselt wurde, dann war das nicht zwingend ein Zeichen für Überforderung, denn die deutsche wie auch die amerikanische Regierung arbeiten mit erstklassigen Kollegen. Im Gegenteil ist es generell ein Zeichen dafür, dass beide Kollegen umsichtiges Ressourcen-Management betrieben haben, um bis zur letzten Minute eine Dolmetschleistung in höchster Qualität liefern zu können.
A. Eberhardt und A. Kwasnik
AG Öffentlichkeitsarbeit im
Verband der Konferenzdolmetscher im BDÜ e.V.
www.vkd.bdue.de