Von Nico Fried

Um ihre Verhandlungspartner im Ausland zu verstehen, setzt die Bundeskanzlerin auf Simultanübersetzung. Die jedoch bringt das modische Problem Kopfhörer mit sich - im Lima aber fand Merkel dafür die ideale Lösung.

4. Tag, 16. Mai. Die Kanzlerin nimmt den ganzen Tag über am fünften EU-Lateinamerika-Gipfel in Lima teil. Dabei trifft sie auch auf den venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez, der sie in den Tagen zuvor wiederholt scharf angegriffen hatte. Chavez versichert der Kanzlerin, er habe sie nicht beleidigen wollen. Wetter in Lima: Starke Bewölkung, sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Stimmung der Kanzlerin: Morgens kurz angebunden, abends zufrieden und zu Scherzen aufgelegt.

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So zerstören Kopfhörer nicht die Frisur - sehen allerdings leider nur mäßig elegant aus. (© Foto: ddp)

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Außenpolitik dient - um einmal ein großes Wort zu benutzen - der Völkerverständigung. Diese setzt voraus, dass sich Politiker bei Staatsbesuchen gegenseitig verstehen und von allen anderen auch verstanden werden, wofür die Welt der Diplomatie die Simultan-Übersetzung erfunden hat und als deren wichtigstes Utensil den Kopfhörer. Während also ein Politiker wie zum Beispiel der peruanische Präsident Alan Garcia in einer Pressekonferenz spanisch spricht, bekommt seine Besucherin Angela Merkel die deutsche Übersetzung praktisch zeitgleich auf die Ohren.

Merkels Vorgänger Gerhard Schröder bevorzugte noch die sogenannte konsekutive Übersetzung. Dabei spricht erst der Politiker, ein Dolmetscher stenografiert mit und übersetzt anschließend das Gesagte in die Sprache des anderen Politikers.

Es genügen mathematische Grundkenntnisse, um zu errechnen, dass sich der Zeitaufwand bei diesem Verfahren verdoppelt, wohingegen sich die verbleibende Zeit zum Regieren im Umkehrschluss halbiert. Auch eine bessere Qualität der Übersetzung ist nicht garantiert: Nach einem Besuch von US-Außenministerin Condoleeza Rice bei Schröder vor einigen Jahren war der mitgereiste Dolmetscher der letzten verbliebenen Supermacht mit der konsekutiven Übersetzung so überfordert, dass er mitten in der laufenden Pressekonferenz von einer deutschen Kollegin ersetzt werden musste.

Die mittlerweile amtierende Nachfolgerin Schröders bevorzugt die Simultan-Übersetzung. Mit dem politischen Aufstieg Angela Merkels verbindet sich also in gewisser Weise auch eine Parallel-Karriere des für die Simultan-Übersetzung unverzichtbaren Kopfhörers, ja zufälligerweise geradezu ein Siegeszug des Kopfhörers im internationalen Konferenzwesen, wo fast nur noch simultan übersetzt wird.

Allerdings verbinden Angela Merkel und den Kopfhörer auch einige Probleme. Und selten war eine Reise der Kanzlerin in dieser Hinsicht so instruktiv wie die Reise Merkels nach Lateinamerika.

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