Ein Gespräch mit Elke Schäfter, Geschäftsführerin von "Reporter ohne Grenzen", darüber, auf welche Deals sich Suchmaschinenbetreiber in China einlassen, wie der ökonomische Boom sich auf die chinesischen Medien ausgewirkt hat und ob das Internet die Freiheit bringt.
Mit dem Internationalen Tag der Pressefreiheit wird seit 1994 jährlich am 3. Mai auf Verletzungen der Pressefreiheit aufmerksam gemacht. Die weltweit agierende Menschenrechtsorganisation "Reporter ohne Grenzen" setzt sich für freie Medien ein und veröffentlicht regelmäßig Berichte über die Lage der Pressefreiheit weltweit. Elke Schäfter ist Geschäftsführerin von "Reporter ohne Grenzen" in Deutschland.
Chinesischer Zeitungskiosk: "Die wirtschaftliche Öffnung in China hat ermöglicht, dass man inzwischen auch fast kritische Beiträge in Zeitschriften lesen kann." (© Foto: AP)
Anzeige
sueddeutsche.de: China steht gegenwärtig dem Ranking zur Pressefreiheit, das "Reporter ohne Grenzen" erstellt hat, im Moment auf Platz 163 - von 169. Dass wirtschaftliche Liberalisierung automatisch auch mehr Freiheit für die Menschen bringt, ist also ein Märchen, oder?
Elke Schäfter: Naja, die wirtschaftliche Öffnung in China hat ermöglicht, dass man inzwischen auch fast kritische Beiträge in Zeitschriften lesen kann. Journalisten versuchen, die Grenzen zu dehnen. Das hat nicht nur idealistische Gründe im Sinn der Pressefreiheit - sie wollen ganz einfach ihr Produkt loswerden. Deshalb brauchen sie interessante Geschichten. Die dürfen sie aber nur bringen, solange sie nicht an Tabuthemen kratzen. Dann hört der Spaß auf und Journalisten müssen mit Haftstrafen rechnen.
sueddeutsche.de: Glauben Sie trotzdem noch an eine echte Pressefreiheit für China irgendwann?
Schäfter: Auf Regierungsseite ist eine Öffnung nicht erkennbar. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Mehr Meinungsfreiheit in China hängt auch damit zusammen, wie stark von unserer Seite Wirtschaftsinteressen im Vordergrund stehen bleiben. Oder ob Menschenrechte angesprochen und eingefordert werden. Außerdem kommt es sicher auch darauf an, welche Bedürfnisse es in der chinesischen Bevölkerung gibt.
sueddeutsche.de: Neben ökonomischem Wachstum gilt auch das Internet als Freiheitsbringer - Berichte über verurteilte Blogger und Zensur scheinen das aber nicht gerade zu bestätigen.
Schäfter: In China zeigt sich aber schon, dass es im Internet mehr Meinungsvielfalt gibt als in anderen Medien. Dort kann man sich stärker ausdrücken, obwohl zensiert und kontrolliert wird. 162 Millionen Chinesen nutzen das Internet und 20 Prozent der User haben ihren eigenen Blog - dieses Medium ist sehr beliebt und wird auch bei kritischen Themen stark genutzt. Das zeigt, dass es in China einen Bedarf an Presse- und Meinungsfreiheit gibt.
Im nächsten Abschnitt lesen Sie, ob es die Konzerne kümmert, wenn Menschenrechte mit Füßen getreten werden.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
- Dissidenten in China Verschleppt, verhört, geschlagen und gefoltert 02.04.2008
- Olympische Spiele Der Traum von China 23.04.2008
- BND-Bespitzelungsaffäre "Ich finde das erschütternd" 24.04.2008
- Bespitzelung durch Bundesnachrichtendienst Wertlose Entschuldigung 21.04.2008
- Meinungsfreiheit Türkentum-Paragraf entschärft 30.04.2008
Reiseknigge: Türkei