Interaktiver Atlas So steht Deutschland in Europa da

Früher kranker Mann, heute treibende Kraft: Dank solider Finanzen und florierender Firmen wandelt sich Deutschlands Rolle in Europa. Aber wie sieht es in anderen Bereichen aus? Von Arbeitslosigkeit über Bildung bis Gesundheit - Deutschland im europäischen Vergleich.

Von Wolfgang Jaschensky und Tobias Dorfer

Die Schuldenkrise lähmt den Kontinent seit Jahren. Von den großen Nationen Europas scheint nur Deutschland dem Sog der Krise zu entkommen. Doch wie steht Deutschland tatsächlich im europäischen Vergleich da?

In einem einmaligen Datenjournalismus-Projekt zeigt SZ.de die offiziellen Statistiken, wie sie noch nie zu sehen waren: Einkommen, Bildung, Gesundheit und andere Schlüsselfaktoren der Entwicklung - in einem Atlas, der die Lebenswirklichkeit in der EU abbildet. (nähere Informationen hier).

Aus diesen Daten ergibt sich das Bild eines in vielen Bereichen starken Deutschlands - doch in einigen Bereichen hat die Bundesrepublik auch erheblichen Nachholbedarf. Die Ergebnisse im Überblick.

  • Bevölkerung

Acht Jahre in Folge ist Deutschland geschrumpft. Insgesamt um 785.000 Bundesbürger, das ist mehr als Frankfurt am Main Einwohner hat. Die gute Nachricht: Laut Prognose gibt es 2012 erstmals wieder ein leichtes Wachstum.

Das ändert aber nichts daran, dass Deutschland sich in diesem Punkt im vergangenen Jahrzehnt im europäischen Vergleich überaus schlecht entwickelt hat. 0,46 Personen je 1000 Einwohner hat Deutschland zwischen 2000 und 2010 durchschnittlich pro Jahr verloren. Unterboten wird die Bundesrepublik nur von den baltischen Staaten, Ungarn, Kroatien, Rumänien und Bulgarien. Alle anderen Staaten haben bei der Einwohnerzahl zugelegt.

Woran liegt das? Einen Teil der Antwort liefert ein Blick auf die Fruchtbarkeitsrate. Sie gibt an, wie viele Kinder eine Frau im Laufe ihres Lebens durchschnittlich bekommt. In Deutschland liegt sie seit längerem unter 1,4. Rechnerisch müssten etwa 2,1 Kinder pro Frau geboren werden, um die Bevölkerung langfristig auf einem konstanten Niveau zu halten. Fast alle europäischen Länder haben hier einen höheren Wert als Deutschland. Andererseits erreicht nur Island den Wert von 2,1.

Andere Länder wachsen trotzdem, weil sie mehr Migranten anlocken. Die Differenz zwischen Zu- und Abwanderung war in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt nur leicht positiv, während viele andere Länder ihren ebenfalls schwache natürliche Bevölkerungsentwicklung so kompensieren konnten.