SZ-Korrespondenten über US-Wahl Tobias Matern, Neu-Delhi, über Indien

Tobias Matern, Neu-Delhi, über Indien

Freude über Obama im indischen Amritsar: Dieser Drachenbauer hat eine Minitatur mit dem Konterfei des neuen und alten US-Präsidenten gebastelt.

(Foto: dpa)

Als Barack Obama Indien im November 2010 Neu-Delhi besuchte, gewann er vor allem mit einem Satz die Herzen der dortigen politischen Elite: Indien sei nicht mehr auf dem Weg, sondern habe inzwischen den Status einer Supermacht erreicht. Das war maßlos übertrieben, brachte dem Gast aus Washington aber jede Menge Sympathiepunkte und lockerte den Rahmen für den wirtschaftlichen Teil des Besuchs. Unter Obama haben sich die Beziehungen zwischen Delhi und Washington weiter verbessert, die Amerikaner wollen Indien vor allem als Gegengewicht zu China in der Region unterstützen. Von Indiens Mittelschicht an aufwärts wurde das Rennen um das Weiße Haus deshalb auch aufmerksam verfolgt, die englischsprachigen Nachrichtensender berichteten in Kooperation mit den US-Networks live und befragten ihre eigene Experten - vor allem pensionierte Diplomaten.

In Delhi lud die US-Botschaft in das luxuriöse Imperial-Hotel zur Wahlparty, in Hyderabad versammelten sich Wahlenthusiasten bei Rührei und Speck im Hard Rock Café. Die Sympathien lagen mehrheitlich bei Obama, mit einer eindeutigen Ausnahme: "Für Indien an sich sowie für die Outsourcing- und IT-Industrie im Besonderen ist die Wiederwahl Obamas nicht die beste Nachricht", sagte ein Vertreter der Computerbranche im indischen Fernsehen. Schließlich habe Obama im Wahlkampf immer wieder betont, wie entscheidend es sei, nicht noch mehr Jobs in diesem Bereich an Länder wie Indien zu verlieren, sondern in den USA neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Doch die meisten Experten waren sich einig, dass die Beziehungen mehr als solide seien, es auch unter Romney keine gravierenden Veränderungen gegeben hätte und man durch die Wiederwahl Obamas auf einen vertrauten Verbündeten setzen könne. Von der indischen Regierung kamen natürlich auch, wie aus allen anderen Ecken der Welt, die obligatorischen Worte für den alten und neuen Präsidenten. Dem Außenministerium in Delhi war es nicht nur wichtig, zu betonen, dass man alles Gute für die zweite Amtszeit und sich eine weitere Vertiefung der Partnerschaft wünsche. Auch wurde mitgeteilt, dass sowohl Premierminister Manmohan Singh als auch Präsident Pranab Mukherjee separate Glückwunsch-Botschaften an Obama verfasst haben.