Franz Maget hofft darauf, dass auch konservative Wähler keine Zwei-Drittel-Mehrheit der CSU wollen.

Der SPD droht bei der Landtagswahl im September ein bisher beispielloses Debakel - nur noch 21 Prozent wollen die Sozialdemokraten wählen. Spitzenkandidat Franz Maget bleiben nur noch wenige Wochen, um das Blatt zu wenden.

Maget

Franz Maget gibt sich zuversichtlich (© Foto: dpa)

Anzeige

SZ: Herr Maget, die jüngste Umfrage muss Sie niederschmettern: 61 Prozent für die CSU, 21 Prozent für die SPD. Eigentlich könnten Sie doch bei dieser Hitze lieber in Urlaub fahren, statt weiter Wahlkampf zu machen.

Maget: Im Gegenteil. Ich wusste um die Schwierigkeiten. Deshalb absolviere ich mit meiner Tour durch Bayern ein Programm, das es in dieser Dichte wahrscheinlich noch nicht gegeben hat.

SZ: Wie erklären Sie sich die anhaltend schlechten Umfragewerte? Auf Berlin kann man doch nicht mehr alles schieben, da bewegt sich ja zumindest etwas.

Maget: Die Stimmungslage ist ungünstig für uns, das gilt überall. Die Umfragen auf Bundesebene sehen auch nicht gut aus. Gerade bei der SPD-Wählerschaft gibt es eine große Verunsicherung. Die Notwendigkeit von durchgreifenden Sozialreformen wird von vielen SPD-Wählern noch nicht so gesehen, das wird nicht mehr als traditionell sozialdemokratische Politik empfunden.

SZ: Also ist all das, was mit der Agenda 2010 zusammenhängt, in der Partei noch immer nicht angekommen?

Maget: In der Partei mittlerweile schon, aber unsere klassischen Wähler begreifen das nur sehr allmählich.

SZ: Kann man angesichts der alles beherrschenden Reformdebatte mit Landesthemen überhaupt durchdringen?

Maget: Schwierig, aber genau darum bemühe ich mich. Ich will den Eindruck vermeiden, es ginge am 21.September um eine Wiederholung der Bundestagswahl. Stoiber hätte das gerne, eine Wahl als Denkzettel für Berlin. Aber es geht einzig und allein darum, wie es in Bayern weitergeht. Deshalb setze ich weiter unsere bayerischen Themen dagegen.

SZ: Nach der Umfrage können sich nur 16 Prozent der Befragten einen Ministerpräsidenten Franz Maget vorstellen. War das Wahlkampfkonzept, sehr stark auf Regionalisierung zu setzen, falsch?

Maget: Regionalisierung ist nirgends so wichtig wie in Bayern. Zumal die CSU das Land sehr zentralistisch führt. Insofern ist das, glaube ich, schon die richtige Strategie. Außerdem ist es ja nicht so, dass die SPD nicht auf ihren Spitzenkandidaten setzen würde, im Gegenteil. Ich bin im ganzen Land unterwegs, es gibt überall Veranstaltungen mit mir.

SZ: Wo soll denn jetzt die Trendwende herkommen, was kann man in so einer Situation überhaupt noch anders machen?

Maget: Ich sehe in den gegenwärtigen Umfragen auch eine Herausforderung für die Wähler. Es gibt viele, auch konservative Wähler, die sagen: Also, dass eine Partei so stark wird, praktisch fast die Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht, das wollen wir auch nicht.

SZ: Fühlen Sie sich nicht im Stich gelassen? Der prominenteste SPD-Politiker, Münchens OB Christian Ude, dem Sie in seinen Wahlkämpfen immer geholfen haben, macht ausgiebig Urlaub.

Maget: Ude gehört zu den engagiertesten Mitstreitern. Dass sich die erfolgreichen Kommunalpolitiker so engagieren, hat es in dieser Form noch nie gegeben. Alle machen zahllose Veranstaltungen. Auch Ude wird in der Schlussphase massiv in den Wahlkampf eingreifen.

SZ: SPD-Spitzenkandidat in Bayern zu sein war noch nie ein Vergnügen. Wie froh sind Sie denn, wenn die Tortur endlich vorbei ist?

Maget: Wir haben in diesem Jahr eine besonders schwierige Ausgangslage. Eine positive Grundstimmung für die SPD wie vor fünf Jahren, als die Leute Kohl weghaben wollten, gibt es diesmal nicht. Es ist keine Tortur, aber es ist anstrengend.

SZ: Nach den Umfragen muss die SPD das Schlimmste befürchten. Trauen Sie sich eine Prognose zu?

Maget: Ich habe bewusst noch nie eine Zahl genannt. Ich will ein möglichst gutes Ergebnis für die SPD erreichen. Und ich hoffe natürlich, dass die Opposition gestärkt wird. Wir brauchen in diesem Land mehr demokratische Kontrolle.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Die Pflicht zur Kür

Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...

(Interview: Peter Fahrenholz)