Syriens Diktator Assad nennt es Sieg

Syrische Regierungssoldaten rücken im Februar siegesgewiss in ein umkämpftes Viertel in Aleppo vor

(Foto: George Ourfalian/Reuters)

Baschar al-Assad spricht von einem baldigen Ende des Krieges. Zwar ist der Nordosten Syriens fest in der Hand von Aufständischen. Aber die Zeit spielt für den Präsidenten.

Von Tomas Avenarius

Der Gast aus Moskau schwärmt in höchsten Tönen. Er sagt: Baschar al-Assad, sein Gastgeber in Syrien, sei "in Top-Form". Der ehemalige russische Premierminister Sergej Stepaschin tut dem Diktator in Damaskus auch gleich den Gefallen, dessen neueste politische Botschaft zu verbreiten: "Die aktive Phase des Militäreinsatzes" im syrischen Bürgerkrieg gehe noch 2014 zu Ende. Dann werde man sich dem widmen, "was wir die ganze Zeit getan haben: Terroristen bekämpfen".

Die Botschaft: Assad mag zwar nur das halbe Land kontrollieren, dennoch sieht er sich als Sieger. Denn die Aufständischen sind nach drei Jahren des zermürbenden Kampfes auf dem Rückzug. Bald, so Assads Kalkül, werde es nur noch um den Kampf gegen versprengte Gruppen gehen und nicht mehr um den Krieg gegen Milizen, von denen einige inzwischen organisiert sind wie regelrechte kleine Armeen.

Im Nordosten lagert Syriens Öl

Offensichtlich ist, dass Assads Armee in den vergangenen Monaten eine Reihe militärischer Erfolge erzielt hat. Doch die Aufständischen kontrollieren noch immer weite Teile des Nordostens. Hier lagert Syriens Öl, hier wächst das Getreide. Auch die kurdischen Gebiete sind derzeit fast autonom - sie unterstehen dem Schutz kurdischer Milizen, die sich Assad-treu geben. Für eine Rückeroberung dieser Gebiete und die Wiederherstellung der staatlichen Kontrolle dürfte Assad Jahre brauchen.

Dennoch spielt die Zeit für Assad. Die Rebellen haben nach den jüngsten Kämpfen an der libanesischen Grenze Rückzugsgebiete verloren, wichtige Nachschublinien aus dem Nachbarland sind unterbrochen. Im Nordosten an der Grenze zur Türkei und dem Irak haben die Oppositionellen weitgehend das Sagen. Aber die meiste Kraft verwenden die Milizen seit Monaten darauf, gegeneinander Krieg zu führen: Neben ideologischen Streitereien zwischen ultra-islamistischen Gruppen geht es offenbar darum, wer die Ressourcen einer anarchischen Kriegswirtschaft im Nordosten kontrolliert, heißt es in einer Studie des European Council On Foreign Relations (ECFR). Wer kann in primitiver Form Öl und Gas ausbeuten, Landwirtschaft, Handel und Schmuggel in den Kampfgebieten beherrschen?