Syrien und Irak Erfolge gegen den IS

Eine syrisch-russische Offensive vertreibt die Terrormiliz aus Palmyra, die US-Luftwaffe tötet einen ranghohen Funktionär.

Von Paul-Anton Krüger, Kairo

Die syrische Armee hat die Zitadelle von Palmyra vom Islamischen Staat (IS) zurückerobert; das jedenfalls meldet das syrische Staatsfernsehen. Der IS hatte die symbolträchtige Stätte, die zum Weltkulturerbe gehört, im Mai 2015 erobert und die Weltöffentlichkeit schockiert, indem sie die antiken Gebäude teilweise zerstörte und Hunderte Menschen ermordete. Nun drangen nach offiziellen Angaben Regierungseinheiten mit Unterstützung russischer Luftangriffe und Eliteeinheiten in die Stadt Tadmur und das nahegelegene Palmyra vor. Der Kreml erklärte, dabei sei auch ein russischer Soldat gestorben. Die russisch-syrische Offensive ist eine der wenigen, die sich gegen die Dschihadisten richtet; sie sind von der weiter geltenden Waffenruhe in Syrien ausgenommen.

Ebenfalls in Syrien haben die US-Streitkräfte Führungsmitglieder des IS getötet. Nach Angaben von Verteidigungsminister Ashton Carter ist darunter auch IS-Finanzchef Abdul Rahman Mustafa al-Kaduli. Er sei die "Nummer zwei" der Miliz gewesen, meldete er am Freitag. Carter wertete das als weiteren Erfolg in der Strategie, die Führungsriege des IS zu eliminieren. Erst vor Kurzem hatten die USA den Tod von Omar al-Schischani gemeldet, dem Kriegsminister des IS. Im November erklärte das Pentagon, bei einem Luftangriff in Libyen sei der IS-Kommandeur Abu Nabil ums Leben gekommen.

Auch im Irak geht der Vormarsch gegen den IS nach Regierungsangaben weiter. Premier Haidar al-Abadi gab bekannt, die Armee habe mit "der ersten Phase" einer Operation zur Rückeroberung der Provinz Ninive und deren Hauptstadt Mossul begonnen. Iraks zweitgrößte Metropole ist seit Juni 2014 in der Hand des IS. Irakische Truppen nahmen vier Dörfer kampflos ein, stehen aber noch 60 Kilometer südlich von Mossul. US-Verteidigungsminister Carter sagte, die Stadt könne mit Unterstützung binnen eines Jahres zurückerobert werden.

Iraks Regierung will Mossul bald zurückerobern. Experten halten das für schwierig

Iraks Regierung hat schon mehrmals den Beginn der Offensive verkündet. Experten zweifeln aber, dass die Armee in der Lage ist, die einstige Millionenstadt einzunehmen. Der IS errichtet dort Befestigungen und hat Öl in Brand gesteckt. Kurdische Peschmerga haben Mossul von drei Seiten abgeriegelt, werden sich aber kaum an der Rückeroberung der überwiegend sunnitischen Stadt beteiligen.

Einen Anschlag in einem Stadion am Freitag in Iskanderija 40 Kilometer südlich Bagdads mit 29 Toten schrieben irakische Sicherheitskreise dem IS zu.

Eine politische Lösung des Bürgerkriegs in Syrien, die als Voraussetzung gilt, um den IS wirksam zu bekämpfen, soll nach Vorstellungen der USA und Russlands bis Sommer konkrete Formen annehmen. Die jüngste Runde Genfer der Friedensgespräche, die am Donnerstagabend endeten, brachte keine Fortschritte. Die Gespräche sollen am 9. April in Genf fortgesetzt werden, sagte der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura. Er hoffe, dass die Parteien sich dann auf den Übergang konzentrierten. Die Delegation des syrischen Regimes lehnt eine Übergangsregierung und den Rücktritt Präsident Baschar al-Assads ab. Sie weigert sich auch, die Opposition zu treffen.

Die USA und Russland wollen den Prozess beschleunigen, wie US-Außenminister John Kerry nach Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin in Moskau sagte. Bis August soll ein Verfassungsentwurf erarbeitet werden. Doch wurde bei der Pressekonferenz im Kreml deutlich, dass Differenzen fortbestehen, vor allem über was Assads Zukunft. Westliche Diplomaten hoffen, dass Putin ihn unter Druck setzt, weil ihm der Erhalt des syrischen Staates wichtiger ist als die Zukunft des Diktators. Der Westen will Assad höchstens eine repräsentative Funktion in einer kurzen Übergangsperiode zugestehen. Die syrische Opposition lehnt auch das ab.