Syrien nach Assad Unvorhersehbare Zukunft

Wie die Zukunft aussehen wird, ist dagegen kaum vorhersagbar. In dieser Ungewissheit liegt eine regionale Kriegsgefahr, schon wegen der Chemiewaffen des Landes. Klar scheint aber erstens zu sein, dass Israel zukünftig verstärkt mit den Muslimbrüdern im Besonderen und mit dem politischen (sunnitischen) Islam im Allgemeinen zu tun haben wird. Der Nahostkonflikt wird mehr und mehr religiös aufgeladen werden. Kompromisse werden dadurch schwieriger; und die Hamas, die palästinensischen Islamisten, werden dadurch erheblich gestärkt werden.

Ein Regimewechsel in Damaskus wird eindeutig zu Lasten Teherans und seines politisch-militärischen Arms in Libanon, der Hisbollah, gehen. Er könnte also den iranischen Einfluss auf den Nahostkonflikt erheblich reduzieren. Der Sturz Assads bedeutet für den Nahen Osten nicht nur Risiken, er bietet auch Chancen für die Lösung des bitteren Konflikts in der Region. Es wäre töricht, diese nicht ausloten und nutzen zu wollen. Allerdings bleiben die Risiken ganz erheblich.

Jenseits davon wird ein Regimewechsel in Damaskus weitreichende Auswirkungen auf die Rolle und strategische Lage Irans haben. Teheran verliert seinen wichtigsten Verbündeten in der arabischen Welt und wäre somit nahezu isoliert. Und in der hegemonialen Auseinandersetzung mit den beiden sunnitischen Führungsmächten um die Vorherrschaft in der Region - mit der Türkei und Saudi-Arabien - wie auch mit deren Schutzmacht USA, hätte Iran eine kaum noch gutzumachende strategische Niederlage erlitten.

Diese absehbare Niederlage und Isolation in der Region wird auch Teherans Haltung in der Nuklearfrage beeinflussen. Rein rational betrachtet wäre es klug, wenn das Regime in Iran nunmehr ernsthaft eine Verhandlungslösung anstreben würde. Aber es ist eher anzunehmen, dass sich die konservativ-radikalen Kräfte im Land umso mehr an das Nuklearprogramm klammern werden, je stärker es sich durch die Veränderungen in Syrien und durch die wirksamen Wirtschaftssanktionen der UN in die Ecke gedrängt sieht.

Wer ist der Gewinner der "Arabellion"?

Die Befürchtung des Westens, dass Iran sich als der große Gewinner der "Arabellion" erweisen würde, weil durch sie reihenweise prowestliche Diktatoren gestürzt würden, dürfte sich als Fehleinschätzung erweisen. Auch Teheran wird von den Folgen dieses Aufbruchs der Völker im Nahen und Mittleren Osten eingeholt werden. Und eine letzte Hoffnung manches Autokraten wird ebenfalls gegenwärtig in Syrien erledigt. Ein Bündnis mit Russland reicht ganz offensichtlich nicht mehr aus, um das politische Überleben zu sichern.

Man darf daher auch gespannt sein, welche Folgen das syrische Abenteuer der russischen Außenpolitik in Moskau haben wird. Denn die neue, auf die Restauration russischer globaler Macht und Einflusses zielende Außenpolitik des neuen und alten Präsidenten Wladimir Putin scheint gleich zu ihrem Beginn zum Scheitern verurteilt zu sein.

Der Ausgang des syrischen Bürgerkriegs hat also weitreichende Auswirkungen: für das Land und seine Menschen, für die Region und ihre Konflikte und darüber hinaus für die Weltpolitik. International aber wird Iran am meisten von den Auswirkungen dieser Entwicklung betroffen sein.

Nur dank George W. Bush, Dick Cheney, David Rumsfeld und ihrem neokonservativen Gefolge bleibt Iran auf absehbare Zeit ein letzter Freund in der Region - ausgerechnet Irak. Am Ende wird man in Teheran vielleicht sogar alten Feinden Denkmäler errichten. Aber das ist eine andere Geschichte.