Syrien-Krise USA deuten Einsatz von Bodentruppen gegen IS an

US-Verteidigungsminister Ashton Carter in Washington.

(Foto: Bloomberg)
  • Bislang lehnte die USA beides ab: Bodentruppen gegen den IS einzusetzen und Iran in Gespräche über den Syrien-Konflikt einzubeziehen.
  • Nun deutet Verteidigungsminister Carter Änderungen an.
  • Am Freitag treffen sich ein Dutzend Länder, um in Wien über eine syrische Lösung zu reden.

USA wollen Einsätze gegen IS unterstützen - oder selbst ausführen

US-Verteidigungsminister Ashton Carter hat angedeutet, dass die USA ihre Strategie im Kampf gegen die Terrormiliz IS in Syrien und im Irak ändern. Erstmals ist die Rede vom Einsatz von Bodentruppen. Die USA würden nicht davor zurückschrecken, Verbündete bei Attacken gegen den IS zu unterstützen oder solche Einsätze selbst auszuführen, sagte Carter am Dienstag in Washington - "ob durch Angriffe aus der Luft oder direkte Handlungen am Boden". Die US-Streitkräfte fliegen bislang an der Spitze einer Koalition Luftangriffe gegen die Dschihadisten. Bodentruppen einzusetzen, stand bislang nicht zur Debatte.

Laut BBC kündigte Carter außerdem an, mehr Angriffe aus der Luft auf hochrangige Ziele zu fliegen. Für Beobachter sei klar, dass Carters Ankündigungen mit dem mangelnden Fortschritt im Niederschlagen der militanten Bewegung zu tun haben.

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Auch auf diplomatischer Ebene scheinen die USA zu einem Umdenken bereit. Ein Sprecher des Außenministeriums sagte, dass Iran vorraussichtlich an Gesprächen über ein Ende des syrischen Bürgerkriegs am Freitag in Wien teilnimmt. "Wir gehen davon aus, dass Iran zum bevorstehenden Treffen eingeladen wird", sagte ein Sprecher des State Department. "Ob sie (die Iraner) erscheinen, hängt von der iranischen Führung ab."

Aus Teheran kam prompt eine Reaktion. Die staatliche iranischen Nachrichtenagentur IRNA sieht in der Einladung ein "erstes Zeichen der Vernunft". Und Vernunft sei der Schlüssel zu einer Lösung, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Leitartikel der Staatsagentur.

Der Chef des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, John Brennan, zeigte sich derweil überzeugt, dass auch Russland letztlich den Abgang des syrischen Machthabers Baschar al-Assad anstreben wird. Er glaube nicht, dass Moskau eine Zukunft Syriens mit Assad sehe, sagte Brennan bei einer Sicherheitskonferenz in Washington. Die Russen wüssten, "dass es keine militärische Lösung in Syrien gibt und dass es eine Art politischen Prozess braucht", fügte er hinzu. "Die Frage ist, wann und wie sie es schaffen werden", Assad zu verdrängen.

Ein Dutzend Länder besprechen Syrien-Lösungen in Wien

In Wien wollen Vertreter von etwa einem Dutzend Ländern US-Medienberichten zufolge die UN-Vetomacht Russland unter anderem davon überzeugen, einer Resolution des UN-Sicherheitsrats zuzustimmen, die dem syrischen Regime beispielsweise den Einsatz der international geächteten Fassbomben verbietet. Zweites Thema solle ein Fahrplan für einen politischen Übergang in Syrien sein.

Für die USA nimmt Ressortchef John Kerry teil. Dieser telefonierte am Dienstag erneut mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow, wie das Außenministerium in Moskau mitteilte. Beide seien sich einig, dass alle wichtigen Regierungen in der Region eingebunden werden müssten.

Neben Russland ist Iran einer der engsten Verbündeten des syrischen Präsidenten Assad, den die USA wiederum zum Rücktritt zwingen wollen. Deswegen hatten sowohl Washington als auch die syrische Opposition eine Teilnahme der Islamischen Republik an den Krisengesprächen bislang ausgeschlossen.