Syrien Assad hungert Zivilisten aus - und niemand hält ihn auf

Solidarität mit den Opfern der Blockade von Madaja: Ein Syrer betrachtet Bilder von ausgemergelten, hungernden Menschen in einem Zelt in der syrischen Stadt Aleppo.

(Foto: AFP)

Syriens Diktator begeht systematisch Kriegsverbrechen. Nirgends sonst wird das Versagen der internationalen Gemeinschaft so deutlich.

Kommentar von Paul-Anton Krüger

Das Aushungern von Zivilisten als Mittel der Kriegsführung ist verboten - so klar und eindeutig steht es in den Genfer Konventionen. Ein Verstoß dagegen ist ein Kriegsverbrechen, auch in innerstaatlichen Konflikten. In Syrien allerdings ist es gängige Praxis. Seit Jahren. Und inzwischen auch auf allen Seiten des Krieges. Dieser zutiefst grausamen und menschenverachtenden Taktik bedienen sich Rebellen und die Terrormiliz Islamischer Staat.

Keine Seite aber setzt die Belagerung von zivilen Gebieten, die wahllose Bombardierung und den Hunger derart systematisch als Waffe ein, wie das Regime von Baschar al-Assad und die mit ihm verbündeten Milizen wie die von Iran gesteuerte Hisbollah. Verlieren sie die Kontrolle über Gebiete, dann versuchen sie, mit allen Mitteln den Menschen dort das Leben zu Hölle zu machen.

44 Lastwagen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz haben am Montag die von Regierungsgegnern kontrollierte Stadt Madaja an der Grenze zu Libanon erreicht. Hier haben die 42 000 eingeschlossenen Menschen seit Oktober keine Hilfslieferungen mehr erhalten. Sie mussten Gras essen, Blätter, Hunde und Esel.

Es ist schwer nachzuprüfen, ob die erschreckenden Fotos von ausgemergelten Kinder, die im Internet und im arabischen Fernsehen kursieren, wirklich alle aus Madaja stammen. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen jedoch hat seit 1. Dezember mindestens 28 Fälle registriert, in denen Menschen dort an Hunger oder Folgen von Unterernährung gestorben sind.