Syrien Bekannter Kritiker Assads hingerichtet

Die Befürchtungen vieler sind Gewissheit geworden: Der 2012 verhaftete und seit zwei Jahren verschwundene oppositionelle Netzaktivist Bassel Kahrtabil ist tot. Er wurde bereits Ende 2015 hingerichtet.

Von Moritz Baumstieger

Zwei Jahre mussten Angehörige und Freunde das Schlimmste befürchten, seit dieser Woche haben sie die traurige Gewissheit: Der Netzaktivist Bassel Khartabil, eine zentrale Figur im zivilen Widerstand gegen das Regime von Syriens Machthaber Baschar al-Assad, ist tot. Seine Ehefrau Noura Ghazi Safadi teilte auf ihrer Facebook-Seite mit, sie habe nun erfahren, dass ihr Mann bereits Ende 2015 hingerichtet wurde.

Safadi war im März 2012 verhaftet worden, im Oktober 2015 wurde er abrupt aus der Haftanstalt Adra an einen unbekannten Ort verlegt, zum Tode verurteilt und ermordet. "Es ist schwierig, Worte zu finden", schreibt Noura Ghazi Safadi nun, bevor sie dann doch Worte an das syrische Regime richtet: "Wegen euch bin ich zu einer Braut der Revolution geworden, und euretwegen bin ich nun Witwe."

Safadi wurde 1981 als Kind palästinensischer Flüchtlinge in Damaskus geboren. Als Entwickler von frei verfügbarer Software arbeitete er am Browser Mozilla Firefox mit und war Teil des Teams von Wikipedia. Als 2011 die Proteste gegen Assad begannen, schloss er sich dem Widerstand an, das US-Magazin Foreign Policy wählte ihn 2012 auf Platz 19 der 100 einflussreichsten Denker des Jahres. Als sein Tod nun bekannt wurde, trauerte die Netzgemeinde weltweit, das US-Außenministerium verurteilte die Hinrichtung. Amnesty International geht davon aus, dass seit Kriegsbeginn allein im berüchtigten Sadnaya-Gefängnis 13 000 Zivilisten hingerichtet wurden.