Syrien Assad steht Kurden gegen Türkei bei

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte im Januar eine Militäroffensive unter dem Codenamen Operation Olivenzweig gegen die kurdischen YPG-Milizen gestartet.

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  • Seit Januar läuft die türkische Militäroffensive unter dem Codenamen Operation Olivenzweig in Syrien.
  • Nun sollen regierungsnahe syrische Militzen der kurdischen YPG-Miliz zu Hilfe kommen.
Von Paul-Anton Krüger, Kairo

In Syrien droht sich der Konflikt zwischen dem Assad-Regime und der Türkei zu verschärfen. Regierungsnahe syrische Milizen waren laut der amtlichen Nachrichtenagentur Sana am Montag dabei, in den kurdischen Kanton Afrîn einzurücken. Sie sollten dort die lokale Bevölkerung "gegen die türkische Aggression" unterstützen, hieß es. Augenzeugen berichteten, ein Militärkonvoi habe sich auf den Weg von Aleppo nach Afrîn gemacht.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hatte im Januar eine Militäroffensive unter dem Codenamen Operation Olivenzweig gegen die kurdischen YPG-Milizen dort gestartet, die in Ankara als Ableger der PKK gelten. Die Kurdische Arbeiterpartei ist in der Türkei verboten und als terroristisch eingestuft, ebenso wie in der EU und den USA. Die YPG bestreiten die Vorwürfe und erklären, sie seien eigenständig.

Die kurdische Seite machte widersprüchliche Aussagen darüber, ob auch reguläre Einheiten der syrischen Armee nach Afrîn verlegt würden. Laut kurdischen Angaben sollen die Soldaten Stellungen im Grenzgebiet beziehen und "gemeinsam mit den YPG Syrien verteidigen". In beiden Fällen steigt allerdings das Risiko direkter Zusammenstöße zwischen Damaskus und Ankara. Die Türkei bedient sich in Afrîn überwiegend syrischer Rebellen-Milizen, hat aber auch den Verlust eigener Soldaten dort eingestanden.

"Gibt es nichts, was uns stoppen kann"

Der türkische Außenminister Mevlüt Çavoşoğlu sagte, sein Land habe kein Problem damit, wenn die syrischen Einheiten "Terroristen" in Afrîn bekämpfen würden. Sollten sie aber kommen, um die YPG zu unterstützen, "gibt es nichts, was uns stoppen kann, die Türkei oder die türkischen Soldaten". Erdoğan sprach mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Telefon über die Situation. Der Kreml hatte vor Beginn der türkischen Offensive in Afrîn stationierte Militärpolizisten abgezogen und Erdoğan freie Hand gelassen.

Die YPG hatten lange gute Beziehungen zu Moskau und standen dem Regime von Präsident Baschar al-Assad die meiste Zeit zwiespältig gegenüber. Ende 2015 gingen sie ein Bündnis mit den USA ein, um die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Norden und Osten Syriens zu bekämpfen. Erdoğan ist ein entschiedener Gegner Assads.

Seit der Niederlage des IS haben sich die Beziehungen zu Damaskus und Moskau verschlechtert; die YPG und verbündete Kräfte kontrollieren etwa ein Drittel des syrischen Gebiets. Das Verhältnis zwischen der Türkei und den USA ist extrem angespannt, weil Ankara dem Nato-Partner vorwirft, Terroristen an seiner Grenze zu unterstützen. Am Montag wurde in Ankara die Straße umbenannt, an der die US-Botschaft liegt. Sie trägt nun die Operation Olivenzweig im Namen - eine Provokation, die wohl nur mit Zustimmung der Regierung möglich sein dürfte. Bei Luftangriffen syrischer Regierungstruppen auf die Rebellenhochburg Ost-Ghuta bei Damaskus sind nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montag fast 80 Zivilisten getötet worden, unter ihnen viele Kinder.

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