Bürgerkrieg in Syrien Aktivisten melden Massaker bei Damaskus

Bei einer Offensive der syrischen Regierungstruppen sollen nach Angaben der Opposition zahlreiche Menschen getötet worden sein. Heute beraten die EU-Außenminister, wie sie mit einer Lockerung des Ölembargos die Gegner von Diktator Assad unterstützen können.

In der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus haben die Truppen von Staatschef Baschar al-Assad nach Angaben oppositionsnaher Aktivisten Dutzende Menschen getötet. Einige der Leichen, die nach dem Sturm auf die Stadt Dschdaidet al-Fadl gefunden worden seien, hätten schwere Verstümmelungen aufgewiesen, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit.

Innerhalb der vergangenen fünf Tage seien mindestens 80 Menschen in der Stadt durch Bomben, Kämpfe und Massenhinrichtungen getötet worden, darunter zahlreiche Rebellen. Die Regierungstruppen hätten die vollständige Kontrolle über die Stadt erlangt. Meldungen aus Syrien sind wegen der Medienblockade des Regimes von unabhängiger Seite nur schwer zu überprüfen.

Die EU-Außenminister kommen an diesem Montag zu Beratungen in Luxemburg zusammen, bei denen sie das Ölembargo der Europäischen Union gegen Syrien lockern wollen. Dadurch sollen die Gegner von Assad unterstützt werden. Die Außenminister wollen auch über das EU-Waffenembargo gegen Syrien beraten, das Ende Mai ausläuft. Vor allem Großbritannien und Frankreich fordern die Unterstützung der syrischen Opposition mit Waffen.

Chef der syrischen Opposition will zurücktreten

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat die deutschen Bedenken gegen Waffenlieferungen an die Rebellen in Syrien bekräftigt. Zu groß sei die Gefahr, dass Waffen in die Hände von Terroristen gerieten, sagte er vor dem Treffen der Neuen Osnabrücker Zeitung. Die Waffen könnten sich dann "gegen uns und unsere Freunde richten, auch jenseits der Grenzen Syriens", sagte der FDP-Politiker.

Westerwelle rief dazu auf, die strategischen Sicherheitsinteressen der Partner mit in den Blick zu nehmen - "einschließlich des Schutzes Israels". Für manche militante Kräfte sei Damaskus "nur der Zwischenstopp auf dem Weg nach Jerusalem", warnte er. Diese Akteure seien keine Freiheitskämpfer, sondern wollten ein Bollwerk des Terrorismus in der Region errichten.

Der Chef der syrischen Opposition, Ahmed Moas al-Chatib, erneuerte wegen der "Untätigkeit" der internationalen Staatengemeinschaft im Syrien-Konflikt seine Rücktrittsankündigung. Al-Chatib, der dem Ausland immer wieder Untätigkeit im Hinblick auf die Gewalt in Syrien vorgeworfen hatte, schrieb am Sonntag auf seiner Facebook-Seite, er habe "den Käfig der Enttäuschung" verlassen, in dem er "gefangen war". In Istanbul hatte sich am Samstag die Gruppe der Freunde Syriens getroffen Die Opposition hatte erneut vergeblich für ein militärisches Eingreifen des Auslands geworben.