Susan Rice Obamas Alter Ego tritt für John Kerry beiseite

Wer folgt auf Hillary Clinton? Nicht Susan Rice, das ist jetzt klar. Obamas Vertraute war als US-Außenministerin nicht durchzusetzen. Der Widerstand der Republikaner wegen der Bengasi-Affäre war zu groß. Jetzt wird es wohl John Kerry machen - und Rice wird womöglich trotzdem befördert.

Von Reymer Klüver

Am Ende hat sie kurzentschlossen gehandelt. So, wie es ihre Art ist. Am Ende hat Susan Rice, Obamas forsche UN-Botschafterin und Favoritin für die Nachfolge Hillary Clintons als US-Außenministerin, selbst ihre Bewerbung um Amerikas diplomatischen Spitzenposten zurückgezogen, noch ehe sie der Präsident überhaupt offiziell nominiert hatte. Der Kampf um ihre Nominierung sei die hohen Kosten nicht wert, schrieb sie in einem Brief an den Präsidenten. (Hier im Wortlaut bei der Washington Post.)

Tatsächlich war in den letzten Tagen mehr als klar geworden, dass die Republikaner - und nicht nur Hardliner wie John McCain - finster entschlossen waren, ihr die Zustimmung im Senat zu verweigern und das Nominierungsverfahren über Gebühr in die Länge zu ziehen. Am Ende wäre sie - vielleicht - mit den Stimmen der Demokraten bestätigt worden. Bis dahin aber hätte ein womöglich Monate währender Streit um ihre Eignung für den Posten nicht nur sie beschädigt.

Er hätte die Aufmerksamkeit des Weißen Hauses absorbiert und von den großen Vorhaben für Obamas zweite Amtszeit abgelenkt - etwa ein neues Einwanderungsgesetz.

Der Streit um Rice entzündete sich an ihren Äußerungen zur Erstürmung des US-Konsulats in Bengasi, bei der im September der Botschafter und drei weitere Amerikaner ums Leben kamen. Rice hatte noch Tage später in mehreren Fernsehauftritten behauptet, dass es sich um eine spontane Attacke gehandelt habe. Republikaner werfen ihr vor, die Öffentlichkeit getäuscht zu haben. Sie habe womöglich schon gewusst, dass es ein gezielter Angriff von Terroristen war.

Doch das ist vordergründig. In Wahrheit sehen die Republikaner eine Gelegenheit, über Rice den Präsidenten zu treffen.

Denn Obama hatte Rice unbedingt gewollt. Er sieht sie in außenpolitischen Fragen als eine Art Alter Ego. Sie hatte ihn schon früh in seinem ersten Präsidentschaftswahlkampf außenpolitisch beraten - als die meisten im Establishment der Demokraten noch auf seine damalige Konkurrentin Hillary Clinton setzten. Das hat Obama nicht vergessen.

In den vergangenen Tagen hatte er allerdings auch erkennen lassen, dass er bei aller Loyalität zu Rice die politischen Folgekosten eines langwierigen Streits um ihre Nominierung zu berechnen begann.

Nach dem Verzicht von Susan Rice gilt John Kerry als heißester Anwärter auf das Amt des US-Außenministers.

(Foto: REUTERS)

Nun also wird einer Berufung des demokratischen Senators John Kerry zum Nachfolger Hillary Clintons nichts mehr im Wege stehen. Er galt schon länger als Obamas zweite Wahl nach Rice. Kerry will den Job und ist als langjähriger Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses zweifellos dafür geeignet. Und im Senat, so viel ist schon jetzt klar, werden sie dem bisherigen Kollegen keine Steine in den Weg rollen.

Und was wird nun aus Rice? Sie dürfte erst einmal UN-Botschafterin bleiben. Aber schon gibt es erste Mutmaßungen, dass Obama sie über kurz oder lang zu seiner Sicherheitsberaterin machen könnte. Was der neue Außenminister dann sicher nicht für den besten Einfall des Präsidenten halten wird.