Von Bernd Oswald und Barbara Vorsamer

Erst ging es um Geld, dann ging es um Symbolik - doch jetzt geht es bei den US-Vorwahlen nur noch um Delegierten-Stimmen. Die werden bei den Demokraten proportional verteilt, weswegen es im Duell Clinton-Obama auch nach dem Super Tuesday spannend bleiben wird.

Es geht nun ums Ganze, oder, um korrekt zu sein, es geht ums Halbe. Bei den über 20 Vorwahlen am heutigen Super Tuesday wird etwa die Hälfte der Delegierten verteilt. Bei den Demokraten entspricht das mehr als 2000 Delegierten, davon kommen alleine 441 auf Kalifornien und 280 aus New York. Bei den Republikanern geht es um mehr als 1000 Delegierte.

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Diesmal könnte jeder Einzelne zählen. David Axelrod, Berater von Präsidentschaftskandidat Barack Obama, sagte der New York Times über die Lage bei den Demokraten: Ich glaube, dass nach dem Super Tuesday einer von beiden vorne sein wird, aber nicht entscheidend. Einer wird zurückliegen, aber ebenfalls nicht entscheidend. Und das wird noch eine ganze Zeit so gehen." Auch Hillary Clintons Wahlkampfmanager Howard Wolfson ist sich sicher, dass das Rennen weiter offenbleibt: "Dieser unglaubliche, mörderische Sprint vom 26. Dezember bis zum 5. Februar wird nicht dazu führen, dass ein Kandidat gewählt sein wird."

Der Zweite kann auch Erster sein

USA-weit hat Hillary Clinton zwei Prozentpunkte Vorsprung (45 Prozent gegenüber 43 Prozent). Das ist wenig - außerdem könnte sie das Verhältniswahlrecht, das auch dem unterlegenen Kandidaten in jedem Staat eine stattliche Zahl Delegierte für den Nominierungsparteitag im August bringen kann, unter Druck setzen. Nur bei den Republikanern scheint wegen des Mehrheitsprinzips eine Vorentscheidung zugunsten des führenden Senators John McCain möglich.

So rückt nun erstmals die Verteilung der Delegierten in den Mittelpunkt. Wie ist es zum Beispiel möglich, dass in Nevada Hillary Clinton zwar mehr Stimmen, Obama aber mehr Delegierte bekommen hat?

Die Demokraten verfahren in den meisten Bundesstaaten nach einem proportionalen System, das heißt, die Verteilung der Delegierten richtet sich nach dem jeweiligen Abstimmungsergebnis. Für einen Teil der Delegierten zählt das Gesamtergebnis im jeweiligen Bundesstaat. Ein anderer Teil wird jedoch in den einzelnen Wahlbezirken verteilt.

Clinton hatte bei dieser Verteilung in Nevada Pech: Sie hatte die Nase in Bezirken mit einer geraden Anzahl Delegierter vorne, weswegen sie trotz ihres Vorsprungs mit Obama die Delegierten fifty-fifty teilen musste. Der schwarze Senator aus Illinois hatte hingegen in einem Wahlkreis mit einer ungeraden Delegiertenanzahl die Nase vorn, was ihm einen Delegierten mehr verschaffte. Unter dem Strich erhielt Hillary Clinton mit 51 Prozent der Wählerstimmen zwölf Delegierte in Nevada. Obama kam auf 13 Delegierte - obwohl er nur auf 45 Prozent der Stimmen gekommen war.

Kampf um die "ungeraden" Bezirke

Auch der bevölkerungsreichste Staat Kalifornien verteilt nach diesem System, zwischen drei und sieben Delegierte sind hier pro Wahlbezirk zu holen. Schon im Vorfeld kämpften Clinton und Obama deswegen vor allem um die "ungeraden" - denn um in einem Wahlkreis mit einer geraden Anzahl was rauszuholen, braucht es schon einen großen Vorsprung. Der ist unwahrscheinlich bei dem heißen Duell Obama-Clinton.

New York und Illinois entsenden ebenfalls viele Delegierte, doch hier wäre es überraschend, wenn nicht Obama, Senator in Illinois, seinen Staat und die New Yorker Senatorin Clinton ihren Staat gewänne.

Spannend sind eher New Jersey, Massachusetts und Georgia, mit jeweils mehr als 100 Delegierten. Clinton liegt in New Jersey und Massachusetts vorne, Obama in Georgia - doch neue Wahlempfehlungen für Obama wie die von Senator Edward Kennedy geben ihm neuen Auftrieb. "Die Dynamik spielt eindeutig zugunsten Obamas", analysiert CNN. Doch Umfragen haben sich nicht immer als zuverlässig erwiesen. Da es außerdem überall nur um wenige Prozentpunkte geht, ist jeder Bezirk bis zum Ende heiß umkämpft.

Das Verteilungssystem der Republikaner ist noch komplizierter. Hier gilt in einigen Staaten, zum Beispiel in New York und Arizona, das "Winner takes it all"-Prinzip, das heißt dem Gewinner werden alle Delegiertenstimmen zugesprochen. Ein Grund für die republikanischen Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney und Mike Huckabee, in diesen beiden Staaten gar keinen Wahlkampf zu machen: John McCain hat einen derart komfortablen Vorsprung in den Umfragen, dass seine Konkurrenten New York und Arizona abgeschrieben haben.

Weniger Leute für einen Sieg

In anderen Staaten verfährt aber auch die Republikanische Partei nach einem proportionalen Schlüssel, zum Beispiel in Kalifornien, wo deswegen auch Romney intensiv für sich wirbt. Übrigens besonders in überwiegend demokratischen Distrikten, denn wo es nur wenig republikanische Wähler gibt, müssen für einen Sieg weniger Leute mobilisiert werden.

Wiederum andere Staaten kombinieren "Winner Takes it all" und proportionales System, womit die Delegiertenverteilung dann vollends unübersichtlich wird. Ein Glück also, dass es bei den Republikanern mit McCain wenigstens einen Favoriten gibt.

Wahlstrategen betonen, der diesjährige Super Tuesday sei nicht vergleichbar mit bisherigen Abstimmungen, was auch Vorhersagen über den Ausgang überaus schwierig mache. Während vor vier Jahren lediglich in zehn Staaten abgestimmt wurde, seien es diesmal 24. So etwas gab es niemals zuvor.

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(sueddeutsche.de)