Südchinesisches Meer Was die Muskelspiele in Südostasien bedeuten

Eine weitere Form des chinesischen Fakten-Schaffens: An zahlreichen Stellen im Südchinesischen Meer werden Inseln aufgeschüttet.

(Foto: dpa)

Die US-Dominanz im pazifischen Raum bröckelt, China beansprucht einen prominenten Platz in der neuen Ordnung. Und die Asean-Staaten wollen es sich mit keinem von beiden verderben.

Analyse von Arne Perras

Wenn Batman eingreifen muss, dann ist die Lage wohl ernst. Admiral Harry Harris, Befehlshaber der US-Streitkräfte im Pazifik, hat Asienexperten kürzlich Bilder vom neuen Stolz der amerikanischen Marine gezeigt - dem Lenkwaffenzerstörer USS Zumwalt. Dessen Tarnkappentechnik mache es jedem gegnerischen Radar schwer. Hätte Batman ein Schiff, so wäre es dieses, witzelte der Admiral. Alles, was Amerika "an Neuem und Coolem entwickle", werde in den asiatisch-pazifischen Raum geschickt, versicherte Harris. Und das meint er wiederum sehr ernst.

Selbst die Anspielung auf den Superhelden war mehr als ein Scherz. Machte sie doch deutlich, dass die USA ihre ordnende Rolle im Pazifik keinesfalls preisgeben wollen. Dafür lässt Washington schon mal die Muskeln spielen, auch wenn Barack Obama weiß, dass das nicht reicht, um den Einfluss zu behalten. Der Präsident setzt auf engere Wirtschaftsbeziehungen, befördert durch das Freihandelsabkommen TPP. Aber auch auf die Kraft seiner Diplomatie, die er gerade um eine weitere Bühne erweitert hat: Am Montag empfing er die zehn Staats- und Regierungschefs des südostasiatischen Staatenbundes Asean in Kalifornien zum Gipfel. Ein Novum.

Warum die Welt besorgt auf den Pazifik schaut

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Washington versucht, ganz Südostasien enger an sich zu binden, um ein Gegengewicht zu China zu schaffen, das auf die Meere hinausdrängt. Lange galt Amerika als unangefochtener Herr über den Pazifik, Washington wachte seit der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg über die regionale Ordnung. Doch die Zeiten der amerikanischen Dominanz gehen zu Ende. Was die alte Ordnung ersetzen wird, ist noch nicht klar. Spürbar sind allerdings wachsende Spannungen während des Umbruchs. Nirgendwo manifestiert sich dies so deutlich wie in den Gewässern südlich der chinesischen Küste, wo Asiens größter Aufsteiger maritimen Raum reklamiert.

Viele Staaten wollen mit China und mit Amerika befreundet sein

Peking baut sich Inseln auf Korallenriffe und schafft Fakten. Nun hat Taiwan auch noch US-Berichte bestätigt, dass China Boden-Luft-Raketen auf einer der umstrittenen Inseln, Woddy Island, stationiert hat. Dass dies ausgerechnet in einer Zeit geschieht, da Obama um die Gunst der Asean-Staaten wirbt, ist kaum ein Zufall. China rechtfertigt seine Vorstöße im Meer mit dem Verweis auf historische Ansprüche, die niemand in Frage stellen könne. Doch genau dies tun zahlreiche Staaten. Pekings Landkarten passen nicht zu denen der Nachbarländer - allen voran die Philippinen und Vietnam -, die andere Grenzverläufe für richtig halten.

Chinas Bekenntnis, dass es kein bedrohlicher Hegemon sein wolle, dass sein Aufstieg friedlich verlaufe, hat durch den Streit um Inseln an Glaubwürdigkeit verloren. Dennoch lässt sich aus den Zweifeln der Nachbarn nicht ableiten, dass die Asean-Organisation als Bollwerk dienen könnte, um Pekings Ambitionen zu bremsen. Kein benachbartes Land kann und will es sich leisten, auf Geschäfte mit China, dem größten Handelspartner Südostasiens, zu verzichten. Das gilt selbst für Manila, das sich militärisch eng an die USA anlehnt.

Die meisten Staaten der Region wollen es sich weder mit Peking noch mit Washington verderben, sie tanzen notgedrungen mit beiden Riesen. Doch sie könnten schnell aus dem Takt geraten, wenn sich der Inselstreit verschärft. Viele Länder wappnen sich bereits - die Staaten rund um den wichtigsten Seeweg der Welt rüsten auf. Sie reagieren auf Chinas Muskelspiele, wobei auffällt, dass Pekings Rüstungsausgaben noch immer nur ein Viertel des US-Etats für die Streitkräfte ausmachen. Die militärische Übermacht der USA ist noch ungebrochen. Doch wird das China abhalten, einen prominenten Platz in einer künftigen pazifischen Ordnung einzufordern? Danach sieht es nicht aus.

In der Umbruchphase wächst das Misstrauen. Es macht sich eine neue Unordnung breit und die Angst, es könnte irgendwann zum großen Krach kommen. Nur wenn es gelingt, eine Eskalation zu vermeiden, haben China und Amerika eine Chance auf friedliche Koexistenz im Pazifik.

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