Von Von Markus C. Schulte v. Drach

Nach Einschätzung des UN-Hochkommissariats für Menschrechte finden im Westen Sudans die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen der Gegenwart statt. Eine Analyse des Konflikts.

Was gegenwärtig im Westen des Sudan geschieht, erinnert stark an den Völkermord in Ruanda, dem die Welt vor zehn Jahren untätig zugesehen hat. Im April 1994 begannen damals ruandische Hutu-Extremisten, Tutsi und gemäßigte Hutu zu massakrieren.

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100 Tage dauerte das Abschlachten, Hunderttausende wurden mit Gewehren, Macheten und Keulen getötet. "Die internationale Gemeinschaft hat Ruanda im Stich gelassen", erklärte später UN-Generalsekretär Kofi Annan.

Nun, da der Krieg in der sudanesischen Darfur-Region ebenfalls die Ausmaße eines Völkermords anzunehmen droht, bemühen sich Politiker aus aller Welt, Einfluss auf die sudanesische Regierung zu nehmen.

Bislang allerdings nur politisch - und ohne Konsequenzen. Etwa 30.000 Menschen wurden bislang ermordet, 860.000 sind auf der Flucht. Hilfsorganisationen befürchten, dass ohne rasche Hilfe 350.000 Flüchtlinge verhungern werden.

Dabei hat das Drama bereits vor über einem Jahr begonnen - und sich schon viel früher abgezeichnet:

Seit Februar 2003 führt die sudanesische Regierung in Darfur einen Vernichtungs- und Vertreibungsfeldzug gegen die schwarzafrikanische Landbevölkerung und die lokalen Rebellengruppen Sudan Liberation Movement/Army (SLM/A) und Justice and Equality Movement (JEM).

Für den Krieg gegen die Schwarzafrikaner hat die Regierung in Khartum nach Informationen des Auswärtigen Amtes arabischstämmige Milizionäre mit Waffen ausgerüstet, die die so genannten Janjaweed-Milizen bilden. Nach Angaben der unabhängigen Organisation Human Rights Watch handelt es sich um insgesamt 20.000 Araber.

Wie Menschen, die aus der Region in den Tschad geflohen sind, übereinstimmend schildern, werden diese Milizionäre von der regulären Armee unterstützt. Diese bombardiert die Dörfer und Städte der drei Volksgruppen Fur, Zaghawa und Masalit mit Hubschraubern und Kampfflugzeugen. Anschließend fallen die arabischen Reitermilizien, unterstützt von Regierungssoldaten, über die Bevölkerung her.

Frauen und Mädchen werden vergewaltigt - systematisch und häufig vor den Augen der Familie. Wer sich wehrt oder nicht schnell genug fliehen kann, muss mit dem Tod rechnen.

Nach Einschätzung der Vereinten Nationen handelt es sich um die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen der Gegenwart.

Für die arabischen Milizen lohnt sich der Krieg: Ungehindert können sie die Tierherden der Schwarzafrikaner rauben und Weidegründe und Wasserstellen besetzen.

Ein alter Konflikt

Der Konflikt in der Darfur-Region ist alt. Sesshafte Ackerbauern und nomadische Viehzüchter haben sich schon immer um fruchtbares Land und Wasser gestritten, da beides knapp ist.

Dazu kommt, dass die Araber die schwarzafrikanischen Völker seit Jahrhunderten als Menschen zweiter Klasse und als Sklaven betrachten, und ihre Dörfer überfallen mit dem Ziel, die Schwarzafrikaner aus den fruchtbaren Gebieten mit Wasserstellen zu vertreiben. Dabei hat die Zahl der Angriffe mit der zunehmenden Wüstenbildung in der Region zugenommen.

Eskaliert war der Konflikt, nachdem Anfang letzten Jahres die schwarzafrikanischen Rebellengruppen Sudan Liberation Movement/Army (SLM/A) und Justice and Equality Movement (JEM) gegen die Regierung aufstanden. Sie werfen Khartum vor, die Region zu vernachlässigen und die schwarzafrikanischen Muslime wie Sklaven zu behandeln, zu unterdrücken und auszubeuten.

Die Regierung begann daraufhin, die arabischen Nomaden zu bewaffnen. Wie ein Führer der Janjaweed dem britischen Sender BBC erklärte, habe Khartum die Araber beauftragt, die Rebellen zu bekämpfen. Und seit Anfang dieses Jahres wird zunehmend auch die reguläre Armee eingesetzt.

Warum die sudanesische Regierung die brutalen arabischen Milizen nicht - wie von der Weltgemeinschaft gefordert und von Khartum offiziell zugesagt - wieder entwaffnet und sich um Frieden in der Region bemüht, lässt sich nur vermuten.

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